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Ein Schmuckstück für Nostalgiker

Ein Schmuckstück für Nostalgiker

Der Bahnhof Schalkenmehren ist in diesem Jahre 100 Jahre alt geworden. Heute fahren von dort keine Züge mehr ab. Er ist Wohn- und Gästehaus.

´Schalkenmehren. Nähert man sich dem Alten Bahnhof in Schalkenmehren auf der einstigen Eisenbahn-Trasse, dem heutigen Maare-Mosel-Radweg, und erblickt das Bahnhofsgebäude, glaubt man kaum, dass es vor genau 100 Jahren als Bahnstation vierter Klasse in Betrieb genommen wurde. Seit 1986 steht das dreigeschossige verputzte Bruchsteingebäude mit Naturschieferdach und Holzsprossenfenstern unter Denkmalschutz und wird seit einigen Jahren als Wohn- und Gästehaus genutzt.

Als die damals 90-jährige Maria Rauen seinerzeit an der letzten Bahnfahrt von Schalkenmehren nach Daun teilnahm, erinnerte sie sich daran, dass sie auch an der allerersten Fahrt teilgenommen hatte.

Aber wie fing das vor 100 Jahren an? Schon 1897 begannen die Vermessungen für die Bahnstrecke Daun - Wittlich. 1907 begannen die allgemeinen Vorarbeiten für die eingleisige Bahn. Aber es sollte noch dauern, bis die Teilstrecke Daun - Schalkenmehren - Gillenfeld am 1. Dezember 1909 eröffnet wurde mit der Streckenführung über das 28 Meter hohe Dauner Viadukt und durch den 560 Meter langen Schalkenmehrener Eisenbahntunnel "Großes Schlitzohr". Die Weiterführung Gillenfeld - Manderscheid - Pantenburg erfolgte am 1. Mai 1910, und die Fortführung von Manderscheid-Pantenburg nach Wittlich, gleichbedeutend mit der Vollendung der Gesamtstrecke, am 1. Juli 1910.

Die Vollendung der Bahnstrecke Daun-Wittlich bescherte dem Dorf Schalkenmehren eine schnelle Entwicklung. Bereits im ersten Jahr (1910) der Existenz der Bahnstrecke wurden in Schalkenmehren 18 968 Fahrkarten verkauft, 1913 schon 25 057, 1919 dann 27 969 und 1922 sogar 30 279. Zudem war der Bahnhof Schalkenmehren für Stückgutverkehr sowie den Empfang und Versand von Wagenladungen ausgerichtet.

Doch dem Schalkenmehrener Bahnhof war keine lange Dienstzeit beschieden. Der Personenverkehr Daun - Wittlich wurde am 1. November 1981 eingestellt. Der Verkehr von Schalkenmehren nach Gillenfeld kam am 22. Mai 1982, der von Daun nach Schalkenmehren am 29. Mai 1988 zum Erliegen. Der Abbau der Gleise von Pantenburg nach Schalkenmehren wurde im März 1990 abgeschlossen.

Seit Jahren stellt der ehemalige Bahnhof Schalkenmehren für alle Eisenbahn-Fans ein interessantes Ziel dar. Eine nostalgische Attraktion ist die alte "KÖ", eine Kleinlokomotive mit Ölmotor, die an dieser Stelle ihren "Alterssitz" gefunden hat. Grundsätzlich Rangierlok, übernahm sie gelegentlich auch die Verteilung von Güterwagen zwischen Daun, Schalkenmehren und Gillenfeld. Es kam aber auch vor, dass sie einen Personenzug zog. Zudem sind auf dem Bahnhof-Vorplatz Relikte aus der Dampflok-Zeit zu sehen.

Der Autor Hartmut Flothmann, Kulturwart der Eifelvereins-Ortsgruppe Schalkenmehren, will die Ortsgeschichte mit Dorfführungen wiederbeleben.