Ein Specht geht in den Ruhestand - Ära der erfolgreichen Hillesheimer Schülerzeitung endet wahrscheinlich

Hillesheim · 28 Jahre gab es ihn: den Specht. Die Schülerzeitung der Realschule plus in Hillesheim heimste bundesweit Preise ein. Mit dem Ausscheiden von Mentor und Schulleiter Peter Steffgen, der heute in den Ruhestand verabschiedet wird, wird auch die Zeitung vorerst eingestellt - bisher hat sich kein Nachfolger gefunden.

Schulleiter Peter Steffgen verabschiedet sich in den Ruhestand. TV-Foto: Christina Libeaux

Foto: (e_gero )

Hillesheim. Es begann vor 28 Jahren mit einem ganz banalen Satz: "Herr Steffgen, können wir nicht mal eine Schülerzeitung machen?" Gefragt hatte eine Schülerin in Peter Steffgens damaliger achter Klasse. Es war die Geburtsstunde des Spechts. Heute geht Steffgen in den Ruhestand und mit ihm der Specht.

In zwei wöchentlichen AG-Stunden entstand die jährlich vor den Sommerferien erscheinende Zeitung, die bis heute rund 40 Preise abräumte, darunter mehrmals als eine der besten Schülerzeitungen Deutschlands. Zuletzt hatte sie beim Schülerzeitungswettbewerb der Länder den zweiten Platz in der Kategorie Realschule belegt . Die Auszeichnungen machten den Specht auch über die Stadtgrenzen hinweg zu einem bekannten Namen.
In all den Jahren war Steffgen der betreuende Lehrer. Aus den nominell zwei Stunden am Montagnachmittag wurden oft mehr: "Da geht schon sehr viel Freizeit drauf." Aber es ist Freizeit, die er gerne aufbringt. "Das Schöne an so einer AG ist, dass die Schüler da sind, weil sie wirklich Lust und Interesse haben. Das sind Schüler, die mit offenen Augen durchs Leben gehen."

Und so entdecken sie immer wieder Themen, die sie selbst und ihre Freunde interessieren, darunter zum Beispiel Armut, Leistungsdruck oder Behinderung. In ihren Berichten, Reportagen und Interviews setzten die Schüler die abstrakten Themen auch konkret um, befragten zum Beispiel eine Klassenkameradin, deren Familie von Hartz 4 lebt, oder fuhren selbst mit dem Rollstuhl durch Hillesheim.

Gerne erinnert sich Steffgen an die "Highlights". So war eine Schülerin vom Trierer Bischof Stephan Ackermann gefirmt worden. Der war damals noch recht neu im Amt. Grund genug für die Redaktion, sich für ihre Ausgabe rund um "Glaube und Aberglaube" um eine Audienz beim Bischof zu bemühen. In dem halbstündigen Gespräch sprachen die Jungredakteure dann aber auch kritische Themen, wie den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, an.
Ein anderes Mal sei es gelungen, den damaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, für ein Interview zu gewinnen. Auch der habe sich eine dreiviertel Stunde Zeit genommen.

Bereits nach Weihnachten hatte Steffgen entschieden, dass der Specht im laufenden Schuljahr 2014/15 nicht mehr erscheinen wird. Das Interesse der Schüler sei zu gering gewesen, um die mehr als 100 Seiten qualitativ hochwertig zu füllen. Mit dem Ausscheiden Steffgens geht dann auch der Specht in den Ruhestand.

Bisher war keiner der Lehrerkollegen bereit, die AG zu übernehmen. Steffgen hofft, dass es nur eine Auszeit ist, und der Specht dann in ein paar Jahren wieder durchstartet - vielleichtunter neuem Namen - und an seine Erfolge anknüpfen kann.Mehr zum Thema

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Keine Halbherzigkeit
Der Specht ist bekannt wie ein bunter Hund. Schließlich stand er in den vergangenen Jahren eigentlich immer auf den Siegertreppchen von Schülerzeitungswettbewerben. Die konstant hohe Qualität des Spechts ist vor allem Peter Steffgen zuzuschreiben, der zahlreiche Stunden in die AG investierte. Schließlich hat er zahlreichen Schülergenerationen mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Wenn dann nicht nur der betreuende Lehrer geht, sondern auch bei den Schülern das notwenige Interesse fehlt, ist ein harter Schnitt und das Ende der Schülerzeitungs-AG das richtige Mittel, anstatt in eine halbherzige Mittelmäßigkeit abzurutschen. Es wäre aber sehr schade, wenn sich kein Lehrer findet, der den Specht aus der Zwangspause zurückholt. c.libeaux@volksfreund.deExtra

Am heutigen Donnerstag wird Peter Steffgen in den Ruhestand verabschiedet. Geboren wurde er 1950 in Trier. Dort studierte er auch Germanistik und Geografie und absolvierte die Lehrerausbildung. Im Anschluss kam er direkt nach Hillesheim an die Augustiner Realschule. Anfangs sei er skeptisch gewesen, habe erst einmal auf der Karte schauen müssen, wo Hillesheim denn liege. Doch die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft im Kollegium machten ihm die Eifel schnell sympathisch. Beide Eigenschaften schätzt er noch heute. 1998 wurde er kommissarischer, 2001 offizieller Konrektor, 2002 schließlich Schulleiter. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder. Im Ruhestand möchte er nun endlich tun, wozu die Sommerferien nicht ganz ausreichten: Reisen und die Welt entdecken - wie es sich für einen Erdkundelehrer gehört. cli