Ein Stück Zeitgeschichte

In seinem Wohnort Daun und seinem Geburtsort Meisburg stellte Gerd Becker sein neues Buch "Ich wünschte, auf einen Schlag wären alle Räder viereckig" vor. Ins Forum kamen 250 Gäste, in seiner Heimatgemeinde Meisburg hörten 160 Zuschauer der ergreifenden Lesung zu.

Daun/Meisburg. (HG) Rund 250 Gäste kamen allein ins Forum Daun, um ein Stück Zeitgeschichte mit zu erleben. "Das war sehr interessant und rührend. So etwas gibt es nicht jeden Tag zu hören", sagte Marianne Stolz aus Gillenfeld, die selbst viele Briefe von ihrem Vater aus dem Krieg wie einen Schatz hütet.

Was Gerhard Becker senior vor mehr als 60 Jahren an Briefen an seine Frau Margarethe und seine Kinder mit der Feldpost aus dem Zweiten Weltkrieg schrieb, lag all die Jahre wohlbehütet als das Geheimnis seiner Frau unter Bettwäsche versteckt. Der Schmerz über den Tod ihres geliebten Mannes war so groß, das Margarethe Becker all die Jahre nicht mit ihren drei Kindern darüber sprechen konnte. Erst wenige Jahre vor ihrem Tod im vergangenen Jahr offenbarte sie das Geheimnis um die 300 Briefe ihrem Sohn Gerhard.

Das Buch von Gerd Becker erzählt ein deutsches Soldatenschicksal voller Hoffnungen, Sehnsüchte, Freude und viel Leid, das im Gegensatz zu anderen Geschichten eine sehr persönliche Note hat. Die Briefe von Gerhard Becker senior an "seine geliebte Gretchen" und die Kinder beeindrucken durch aussagende Liebe, Sorge und Kummer um seine Familie in der Eifel. "Durch dieses Buch hat unsere Familie zum ersten Mal einen Ort der Erinnerung, und das gibt uns neue Möglichkeiten. Die Briefe legen in unheimlich eindringlicher Weise, im Angesicht der Aussichtslosigkeit ein elementares Zeugnis der Hoffnung ab, was kaum noch für möglich erscheint. Sie sind ein aktives Handeln gegen die Hoffnungslosigkeit", sagte Tim Becker, Sohn von Gerhard Becker junior.

Eine besondere Note enthielten die Briefe durch die vielen Zeilen über das dritte Kind, das Gerhard Becker senior die "kleine Christa" nannte, "das mal mein Liebling werden wird". Im Innersten wünschte er sich aber einen Stammhalter, wie andere Passagen in den Briefen zeigen, wo "ich nicht angenehm enttäuscht wäre, wenn es ein Junge wird". Gerhard Becker senior lernte seinen Vater nie kennen; er fiel 17 Tage nach seiner Geburt an der Ostfront.

Im Bürgerhaus Meisburg, seiner Heimatgemeinde, las der Autor vor 160 Zuschauern, die ergriffen waren von den Schilderungen aus einer Zeit, die viele von ihnen noch erlebt hatten.

"Es war wirklich sehr beeindruckend und hat mich tief berührt, weil ich Gretchen Becker gut kannte. Die Briefe in einem Buch zu veröffentlichen, war richtig, damit jeder erfährt, wie es damals war", sagt eine tief bewegte Rosa Hansen.

Auch Ortsbürgermeister Dieter Klein ist ergriffen von den Schilderungen im Buch. "In der Gesamtheit ist das Buch ein historisches Dokument und eine Mahnung zum Frieden. Es gibt tiefe Einblicke in die Seele des Vaters und ist in einer schönen Sprache verfasst. Für uns als Gemeinde ist das Buch sehr wichtig, es reflektiert das, was im ländlichen Leben in dieser Zeit hier passiert ist und ist ein Schatz für die Meisburger Geschichte."