Ein Unverpackt-Bus auf den Märkten der Eifel

Kostenpflichtiger Inhalt: Alles unverpackt : Ein Bus macht umweltfreundliches Einkaufen auch in der Eifel möglich

Manchmal muss die Stadt aufs Land kommen. Für Jessica Thijs hat sich ein Traum erfüllt, denn sie hat jetzt einen mobilen Unverpackt-Laden.

Mit einem raschelnden Geräusch landen die Nudeln aus dem großen Behälter in dem mitgebrachten Glas. Jessica Thijs aus Berlingen steht in ihrem weiß-türkisen Bus mitten auf dem Markt in Daun. Bei ihr gibt es nur wenige abgepackten Waren – das Sortiment aus Nudeln, Hülsenfrüchten, Müsli und einigem mehr befindet sich in großen Schütten. Jeder Kunde kann sich genau die Menge abfüllen lassen, die gebraucht wird. Daher auch der Name ihres noch jungen Start-Ups: Füll Mal – Unverpackt ist schön verpackt.

So sollen weniger Lebensmittel weggeworfen und ein bewussterer Einkauf ohne Verpackung ermöglicht werden. Während es in größeren Städten oft stationäre Unverpackt-Läden gibt, lohnt sich das auf dem Land weniger. Daher hat sich Jessica Thijs für eine andere Variante entschieden: Mit ihrem Bus fährt sie in der Vulkaneifel und im nördlichen Eifelkreis Bitburg-Prüm auf die Märkte.

An drei Mittwochen im Monat steht Füll Mal in Daun und jeden Samstag auf dem Bauern- und Frischemarkt in Gerolstein. Christian Harborth organisiert den Markt: „Wir bieten vor allem frische Bio-Produkte von regionalen Händlern an. Das Bio-Trockensortiment passt da eigentlich nicht rein, aber wir sind wirklich froh, mit Jessica eine tolle Ergänzung für unseren Markt gefunden zu haben.“ Neue Kunden ziehe der Unverpackt-Laden außerdem an – dabei ist der Gerolsteiner Markt schon sehr gut frequentiert, wie Harborth berichtet.

„Seit August bin ich mit meinem Füll Mal-Bus unterwegs und es läuft immer besser“, freut sich die 32-jährige Jung-Unternehmerin. Am Anfang seien die Menschen neugierig und informieren sich nur darüber, wie das Einkaufen hier funktioniert. Viele seien von der Idee begeistert und kaufen seither regelmäßig bei Füll Mal ein und seien mit eigenen Gläsern und Behältern für die Waren vorbereitet.

Ein Unverpackt-Bus auf den Märkten der Eifel

Rund 100 verschiedene Produkte werden angeboten, alle haben Bio-Qualität und stammen, soweit möglich, aus der Region. „Einige meiner Bio-Großhändler liefern gar nicht in die Eifel, da sitzen wir am äußeren Rand. Ich bin froh, dass sie für mich eine Ausnahme machen“, erklärt Jessica Thijs. Denn die Waren kommen bei ihr in großen Gebinden von bis zu 25 Kilogramm an, damit auch hier Verpackung gespart wird.

Einzig die Hygiene-Artikel oder fertige Aufstriche sind bei Füll Mal verpackt. Auch hier achtet die Inhaberin darauf, kein Plastik zu verwenden. Bambuszahnbürsten etwa sind in Pappe verpackt, feste Seife stückweise in Papier eingewickelt oder Aufstrich in kleinen Gläser, die man später wieder verwenden kann.

„Ich lebe selbst so weit es geht unverpackt und bin froh, mit meinem eigenen mobilen Laden mehr Leute dafür begeistern zu können“, sagt Thijs. Der Weg dorthin war nicht leicht. Eigentlich war die Eröffnung schon für April dieses Jahres geplant, doch die Finanzierung hat nicht reibungslos geklappt. „Viele Banken wollten mir keinen Kredit geben. Als zweifache Mutter und Frau bin ich wohl ein zu großer Risikofaktor.“

Dabei kommt Thijs Engagement gerade durch ihre Kinder. „Es ist wichtig, sich jetzt um die Umwelt zu kümmern und im Kleinen anzufangen, damit zukünftige Generationen noch auf diesem Planeten leben können.“ Ihre Argumentation überzeugt nicht nur einen Freund, der ihr 15.000 Euro Startkapital borgt, sondern auch das Start-Up Camp Trier, das Jessica Thijs mit ihrem Konzept im Sommer 2019 gewinnt. „Danach hat es dann auch mit einem Kredit geklappt.“

Den Bus hat sie selbst umgebaut. Zu dem Vorwurf, mit der Fahrerei auch die Umwelt zu schädigen, kontert sie mit dem Fahrtenbuch: Im vergangenen Monat sei sie gerade einmal 240 Kilometer gefahren. Bliebe es bei der Strecke, könne sie drei Monate mit einer Tankfüllung auskommen.

Die Kunden überzeugt es, denn sie kommen immer wieder und kennen die Besitzerin inzwischen auch schon. „Viele nehmen sich die Zeit für einen kleinen Plausch oder Kaffee“, erzählt Jessica Thijs. Neben den regulären Märkten plant sie demnächst einige Bauern- und Weihnachtsmärkte mit ein. Infos gibt es unter www.fuellmal.de

Der Bus steht jeden Dienstag in Berlingen. Am ersten Mittwoch im Monat hält Jessica Thijs in Prüm, an den restlichen in Daun vor dem Forum. Samstags kann in Gerolstein auf dem Frische- und Bauernmarkt eingekauft werden.

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