Ein verdienstreiches Lebenswerk - trotz Blindheit

Ein verdienstreiches Lebenswerk - trotz Blindheit

Der Mürlenbacher Peter Plein hat ein Leben mit verzweifelten Tiefen und erfolgreichen Höhen erlebt. Im Ersten Weltkrieg erblindete er nach einer Verletzung. Dennoch hat er in seinem Leben Großartiges geleistet.

Mürlenbach. Zum Kriegseinsatz hatte sich Peter Plein 1914 freiwillig gemeldet - als 18-jähriger Gymnasiast. Eine folgenschwere Entscheidung. Denn an der Dolomitenfront wurde er 1915 durch eine Mine schwer verwundet und verlor sein Augenlicht.

Doch er gab nicht auf. Wie er später schrieb, setzte er sich mit allen Willenskräften gegen das Gefühl zur Wehr, ein Weiterleben sei unmöglich. Trotz der Erblindung bestand er 1917 das Abitur, studierte Jura und Volkswirtschaft, und bereits 1921 wurde er zum Doktor beider Rechte promoviert.

Beruflich war er bis 1944 als Gerichtsassessor und Amtsgerichtsrat an Berliner Amtsgerichten tätig. Es folgte eine kurze Tätigkeit beim Amtsgericht Goldberg (Schlesien), die im Februar 1945 mit dem Einmarsch der Russen gewaltsam beendet wurde. Plein wurde von russischen Militärs festgenommen und verschleppt. Mit viel Glück kam er frei, jedoch verloren er und seine Ehefrau Erna, geborene von Rosen, den gesamten Besitz - ein Rittergut -, als sie im Herbst 1945 von den Polen aus Schlesien vertrieben wurden. Seinem Heimatort Mürlenbach blieb Peter Plein stets verbunden. Ihm gehörte der private Teil der Bertradaburg.

Aus der schlesischen Heimat vertrieben, kehrten er und seine Frau zurück in die Eifel - auf ihre Burg. Da der Jurist Plein nach 1945 zunächst keine berufliche Verwendung fand, widmete er sich der Betreuung der Kriegsblinden und wirkte am Bundesversorgungsgesetz (1950) mit. 1953 wurde er Hilfsrichter, kurze Zeit später Landgerichtsrat in Koblenz. Den Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn erlebte er 1954, als er zum Berufsrichter an das Bundessozialgericht in Kassel gewählt wurde. Dort war er bis zu seinem Ruhestand 1961 tätig.

Unermüdlich setzte er sich für die Belange der 3500 Kriegsblinden ein, die nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland lebten. Er war Vorsitzender des Bundes erblindeter Krieger von 1929 bis 1936. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Zahl der Kriegsblinden auf 11 000 gestiegen. 1947 initiierte er die Gründung des Bundes erblindeter Körperversehrter von Rheinland-Pfalz in Gerolstein und übernahm dessen Vorsitz. Gleichfalls auf seine Initiative erfolgte die Gründung weiterer Hilfsorganisationen. Als 1949 der "Bund der Kriegsblinden Deutschlands (BKD)" gegründet war, übernahm er dessen Vorsitz - bis 1953.

Für seine außerordentliche berufliche und ehrenamtliche Tätigkeit wurde ihm 1953 das Verdienstkreuz 1. Klasse und 1961 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Peter Plein starb am 26. August 1970 in Mürlenbach. Eine große Trauergemeinde geleitete ihn zu der Familiengrabstätte, wo bereits seine als "Bundesmutter der Kriegsblinden" verehrte Frau ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte.

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