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Ein Versuch der Wahrheit

Ein Versuch der Wahrheit

AHRWEILER/SCHALKENMEHREN. In Ahrweiler ist die Gedächtnisausstellung "In memoriam Pitt Kreuzberg" im Stadtmuseum eröffnet worden. Weitere Ausstellungsorte der Werkschau sind das Rathaus in Bad Neuenahr sowie die Volksbank Rhein-Ahr-Eifel.

Wer sie einmal wahrgenommen hat, dem gehen sie nicht mehr aus dem Kopf: Die beiden schrägen, markanten Kreuze, mit denen der 1888 in Ahrweiler geborene Peter Joseph Karl Hubert Kreuzberg die beiden "T" seines Rufnamens "Pitt" in die Signatur seiner Ölbilder, der Kohlezeichnungen und des übrigen grafischen Werks einkerbte. Dieser logohafte Hinweis zeigt die tiefe Religiosität des Künstlers, über die er sich einmal so äußerte: "Ich habe mich mein ganzes Leben lang bemüht, mit Ehrfurcht und Demut wach zu sein für die Dinge der Schöpfung Gottes. Was ich darbiete, sind Versuche, in die Wahrheit des Seins, in die Umwelt und den Kosmos einzudringen. Es kann darum nicht alles ein Lied der Schönheit sein, eher eins der versuchten Wahrheit." Schon ein erster Blick auf die Exponate im Ahrweiler Stadtmuseum zeigt, welch erstaunliches technisches und inhaltliches Niveau die Arbeiten prägen. Wenige Striche eines Selbstportraits oder einer Moses-Darstellung markieren ein lebendig wirkendes Antlitz, dessen Züge man auch heute in einer beliebigen Alltagssituation finden könnte. Der kraftvolle Pinselstrich der Ölbilder zeugt vom Ringen um Farbe und Form. Kreuzberg wusste, dass er sich im ländlichen Raum vor und nach dem Ersten Weltkrieg in einer sozialen Außenseiterposition befand. Taktvoll schilderte Edmund Scholzen, langjähriger Ortsbürgermeister von Schalkenmehren, wie die hart arbeitende erwachsene Landbevölkerung kein Verständnis für den "Müßiggang" des seit 1930 dort lebenden Malers aufbringen konnte. Keiner habe damals seine Bilder gekauft, und auch später scheinen die Werke eher im Austausch gegen Naturalien ihren Weg in die Eifeler Bürgerstuben gefunden zu haben, wie ein weiterer Zeitzeuge berichtete. Heute wandert man in Schalkenmehren auf dem "Pitt-Kreuzberg-Weg" rund um das Maar, und signierte Werke sind gesuchte Wertgegenstände. Es gibt viel zu entdecken in der Schau im Weißen Turm wie etwa eine versteckte Hitlerkarikatur, und die Frage, ob Kreuzberg tatsächlich Löcher in die Erde gebuddelt hat, um für seine Wiesenbilder die charakteristische Froschperspektive zu erhalten. 69 Werke des "zutiefst religiösen, egozentrischen und kompromisslosen" Künstlers wurden 1984 von Kreuzbergs Tochter Theodora Lorenz der Stadt gestiftet und sind nun erstmals öffentlich zu sehen. Zusammen mit ausgesuchten Stücken von Leihgebern ergibt sich ein umfassender Bogenschlag von der Gegenständlichkeit zur Abstraktion sowie von Schalkenmehren nach Ahrweiler. Die Ausstellung "In Memoriam Pitt Kreuzberg" ist an drei Orten bis 23. April zu sehen.