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Eine Alternative zum klassischen Grab

Eine Alternative zum klassischen Grab

Ein Ort der Besinnung und zum Verweilen ist die Naturbegräbnisstätte der Stadt Daun geworden, konzipiert und realisiert von Studenten und Professoren. Gut 700 Urnen werden auf dem Areal am Wehrbüsch Platz finden.

Daun Seit geraumer Zeit ist ein Wandel in der Begräbniskultur feststellbar: Der Sarg hat an Bedeutung verloren, Urnenbestattungen liegen längst deutlich vorn.
Und es gibt auch immer mehr Menschen, die nicht auf einem Friedhof klassischer Prägung beerdigt werden wollen, sondern in einem Natur-Umfeld. Dem hat die Stadt Daun mit der Einrichtung einer Naturbegräbnisstätte auf dem Friedhof Rechnung getragen. Für Stadtbürgermeister Martin Robrecht hat das Areal "einen ganz besonderen Charakter", wofür maßgeblich Studenten und Professoren der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn verantwortlich sind.
Den Kontakt zur Hochschule hatte der Leiter des Dauner Forstreviers, Gerhard Herzog, vermittelt, seine Tochter Theresa hat in Alfter studiert. Für die Studenten bot sich die Gelegenheit, Theorie und Praxis zu vereinbaren, und schnell hatten sie auch den Stadtbürgermeister überzeugt, der einräumt, "zunächst etwas skeptisch gewesen zu sein".
Bei der Einsegnung in dieser Woche richtete er nun einen besonderen Dank an Professoren und Studenten für deren "hohe Hingabe und großes Engagement". Professorin Diemut Schilling und Theresa Herzog berichteten von den ersten Begehungen des Geländes, und wie man sich im Wortsinn "in die Büsche geschlagen habe". Das Konzept ist gemeinsam mit Mitarbeitern des städtischen Forstbetriebs und des städtischen Bauhofs umgesetzt worden, entstanden ist ein Ort der Besinnung und zum Verweilen, und das nicht nur während eines Begräbnisses. Die Planungen zur Gestaltung der Naturbegräbnisstätte begannen im vorletzten Jahr und wurden 2016 und im ersten Quartal des laufenden Jahres realisiert.
Mehrere Bestattungen hat es schon gegeben, das Interesse an dieser Form der Bestattung ist groß. Gut 700 Plätze sind vorhanden. Anonyme Bestattungen sind nicht erlaubt, jedes Urnengrab wird mit einem Naturstein (Größe 10 mal 10 Zentimeter) und einer Namensplakette gekennzeichnet.
Ein Platz auf der Naturbegräbnisstätte kostet - bei einer Ruhefrist von 30 Jahren - 1200 Euro. Vergleich zu Gerolstein: Dort kostet der Platz 700 Euro, die Ruhezeit beträgt allerdings nur 15 Jahre.
Komplett ist die Anlage aber noch nicht. Denn es fehlt eine Aussegnungs- und Andachtsstätte. Der Fachbereich Architektur der Alanus-Hochschule hat sich mit dem Thema beschäftigt, zehn Modelle sind dem Stadtrat bereits präsentiert worden. Ob eines davon in Betracht kommt und wann eine favorisierte Variante umgesetzt werden kann, ist offen. "Die Realisierung einer Aussegnungs- und Andachtsstätte wird erst möglich sein, wenn die Haushaltslage der Stadt das zulässt", sagt der Stadtbürgermeister - wann immer das sein mag. Was hat das Vorhaben denn bis dato gekostet? Robrecht: "Die veranschlagten Gesamtkosten von 100 000 Euro sind dank des weitestgehend unentgeltlichen Einsatzes der Studentinnen der Alanus-Hochschule und ihrer Professoren deutlich unterschritten worden. Aktuell sind es rund 72 000 Euro."Extra: DEFINITION DER BEGRIFFE

Gäste nutzen nach der Einsegnung nutzen die Gelegenheit, sich die Naturbegräbnisstätte näher anzuschauen. TV-Fotos (2): Stephan Sartoris Foto: (e_daun )


Naturbegräbnisstätte, Friedwald, Gedächtniswald, Ruhehain, Ruheforst, Begräbniswald: Gibt es da einen Unterschied? Alle diese Begriffe bezeichnen dasselbe. Aber manche dieser Begriffe wie beispielsweise Friedwald oder Ruheforst sind rechtlich geschützt, deshalb die verschiedenen Bezeichnungen.