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Eine Bohne macht den Herrscher: Warum die Eifeler noch heute einen uralten Brauch pflegen, der einst im Mittelalter entstanden ist

Eine Bohne macht den Herrscher: Warum die Eifeler noch heute einen uralten Brauch pflegen, der einst im Mittelalter entstanden ist

In der Zeit zwischen dem 6. Januar und Aschermittwoch wird in vielen Regionen - auch in einigen Teilen der Eifel - immer noch der Bohnenkönig als Herrscher über ein Reich auf Zeit gewählt.

Daun/Bitburg/Prüm. Kaum hat der Monat Januar begonnen, erfährt man von Bräuchen, die sich um eine Bohne drehen, sei es bei einem Bohnenball oder der Wahl eines Bohnenkönigs. Diese Bräuche, einst in weiten Teilen Deutschlands, aber besonders auch in der Eifel verbreitet, scheinen langsam auszusterben. Aber noch werden sie in einigen Orten oder Vereinen in Variationen gepflegt.

Der Männergesangverein Daun kürt jedes Jahr am Abend des Dreikönigstages aus seinen Reihen einen Bohnenkönig . Nach einem Essen werden Sängern Kuchenstücke gereicht. In einem ist eine weiße Bohne versteckt. Wer diese findet, der darf ein Jahr lang als Bohnenkönig den Verein repräsentieren und mit einer Dame, der Bohnenkönigin, den Königsball eröffnen. Das ist so bei den Daunern seit 1864 am Dreikönigstag Tradition. Diesen Brauch pflegten noch vor wenigen Generationen nahezu alle Bauern- und Großfamilien.

"Am Abend dieses Tages pflegte in jedem Haus eine Mannsperson zum Könige und eine Frauensperson zur Königin gemacht zu werden, die dann den Hausgenossen etwas schenken musste", schrieb Pfarrer und Eifelforscher J. H. Schmitz (um 1850). Im Bitburger und Prümer Raum nannte man diesen Abend auch Hofabend. Am Abend von Dreikönig wurde ein Mahl bereitet. Der Hausherr schrieb unter einen Teller: König. Wer diesen erhielt, war König.

Der Brauch enstand im Mittelalter. Vom Fest Dreikönige (6. Januar) und bis Aschermittwoch entwickelten sich die Bräuche und Riten. Nahezu alle wurden von der Kirche und der weltlichen Macht geduldet. So war es auch mit der Wahl des Bohnenkönigs, der laut Kirche ein Narr war. Dem ewigen, erstrebenswerten Reich Gottes stünden, so die Kirche, menschliche, ablehnenswerte Narrenreiche gegenüber. Ordnungen verkehrten sich ins Gegenteil. Nicht Kluge regieren, Narren bestimmen. Auch deren Wahl war "verrückt", dem Los überlassen. Solche Bräuche waren auch im Kirchlichen zu finden, wo es ebenfalls Bohnen- oder Narren-Bischöfe gab und in Klöstern Narrenäbte, deren Amtszeit jedoch nur kurze Zeit währte. avi