Eine eigene Sternwarte im Badezimmer

Schalkenmehren · Seit 1996 beschäftigt sich Wolfgang Schmand aus Schalkenmehren mit Sternen, Planeten und anderen Himmelserscheinungen. Aus purer Neugier wurde schnell ein Hobby. Der Rentner schaffte sich zwei eigene Teleskope an und beobachtet seitdem den Nachthimmel. Nur seine Frau ist mit dem Zustand der hauseigenen Sternwarte in ihrem Badezimmer unzufrieden.

 Wolfgang Schmand macht sein astronomisches Werkzeug startklar. TV-Foto: Bernd Schlimpen

Wolfgang Schmand macht sein astronomisches Werkzeug startklar. TV-Foto: Bernd Schlimpen

In Schalkenmehren, im Aul 17, stehen im Haus seltene "Werkzeuge". Amateurastronom Wolfgang Schmand beobachtet von dort aus und auch von der Sternwarte "Hoher List" den Sternenhimmel. Er ist als Autodidakt zum Fachmann geworden. Er beobachtet Sternbilder und Galaxien in der Nacht oder am Abend und hält so manche Situation auf einem Foto fest.

Seine Arbeit begann bereits im nordrhein-westfälischen Ennepetal, wo er Kontakt zur dortigen Sternwarte pflegte. Seit Mitte der 90er Jahre widmet er sich diesem faszinierenden Hobby. Als im Sommer 1996 der Komet "Hale Bopp" mit bloßem Auge zu sehen war, habe er zu seiner Frau Diana gesagt: "Man müsste ein Gerät haben, um sich dieses Schauspiel richtig anzusehen."

Gesagt, getan! Schmand baute sich eine kleine Gartensternwarte. Auf einer Astro-Messe kaufte er sich ein gebrauchtes Teleskop, einen sogenannten Refraktor, ein sensibles Linsenteleskop. Mit diesem kleinen Refraktor durchforstete er daraufhin den Nachthimmel.

1999 ersetzte er das kleine Teleskop durch einen größeren Refraktor - ein Teleskop mit einem Durchmesser von 152 Millimeter. Etwas später kam noch ein Spiegelteleskop, ein Reflektor, dazu. Das Spiegelteleskop ist ein Maksutov Alter M715, ein spezielles Mond- und Planetenteleskop mit einer Brennweite von 2,70 Metern.

Im Frühjahr und Winter geht er meistens auf die nächtliche Pirsch durch das bunte Universum, während er am Tage die Sonne mit speziellen Filtern betrachtet. Auch junge Gäste sind begeistert, wenn sie die Sonne so nah sehen können. Seine Erfahrungen gibt er an viele Schulklassen und Lehrer weiter, die aus Niederstadtfeld, Kelberg oder Königswinter kommen.

Urlaubergruppen oder auch Einheimische kommen zur Sternwarte "Hoher List", wo er, als "Astroscout Wolfgang" Vorträge hält und anschließend die Besucher durch die Sternwarte führt. Auch als Wanderführer der Eifelvereinsortsgruppe Schalkenmehren besucht er die Sternwarte mit seinen Gästen.

Er kennt sich am Himmel aus und berichtet eifrig: "Ich kann viel mit meinen Teleskopen beobachten: Kugelsternhaufen, Galaxien oder planetarische Nebel. Ich erkenne ganz deutlich auf dem Mond die bekannten Krater, Wolkenbänder des Jupiter oder den Ring des Saturn. Auch der Orionnebel, etwa 1500 Lichtjahre - ein Lichtjahr sind 9,7 Billionen Kilometer - von unserer Erde entfernt, ist ein lohnendes Objekt." Seine Amateurgeräte nimmt er auch mit zur Sternwarte, weil sie einfacher zu bedienen sind als die komplizierten Profigeräte.

Besonders interessant ist für ihn die Vulkanologie, die ja auch in der Eifel eine große Rolle spielt: "So finde ich auch die Möglichkeit, den Besuchern zu zeigen, dass der Vulkanismus nicht auf unsere Erde beschränkt ist. Den größten Vulkan mit der Bezeichnung Olympus Mons findet man auf dem Mars. Hier auf der Erde ist der Vulkanismus auch daran zu erkennen, dass Ameisen ihre Hügel mit Vorliebe auf sogenannten Störungslinien verteilen, da aus dem Erdinneren Gase entweichen, wie auf dem Wanderweg Mürmes Richtung Saxler zu sehen ist", erklärt der 61-Jährige. Dann und wann trifft er sich mit Kollegen aus Mehren und Steinborn in einer Privatsternwarte in Neroth. Dann erzählen sie sich Entdeckungen über den "Tanz der galiläischen Monde", über die mehr als zwei Millionen Lichtjahre entfernten Galaxien oder wie man mit dem Teleskop durch die Krater des Mondes fahren kann.

Schmands Gattin beschwert sich, denn ihr Mann hat das Badezimmer mit seinen Teleskopen in Beschlag genommen: "Ich möchte mein umfunktioniertes Badezimmer wiederhaben." Zurzeit ist der Rentner damit beschäftigt, seine Astro-Station am Haus zu renovieren, damit seine Frau ihr Badezimmer wiederbekommt. Er hat auch noch einen besonderen Wunsch: "Ich möchte, dass die Sternwarte 'Hoher List' nicht geschlossen wird, sondern als Schulsternwarte erhalten bleibt."