Eine feurige Angelegenheit - Mehr als 300 Jahre alter Backes in Schalkenmehren wird noch genutzt

Eine feurige Angelegenheit - Mehr als 300 Jahre alter Backes in Schalkenmehren wird noch genutzt

Backtag bei den Brüdern Peter und Friedhelm Rau und Heidi Diewald in Schalkenmehren im um 1700 erbauten Röhl-Haus: Sie lassen eine Tradition aufleben und backen mit viel Sachkenntnis Brote und Kuchen im Hausbackes.

Schalkenmehren. Bei einem mehr als 300 Jahre alten Haus erwartet man nicht unbedingt, dass es nach frischem Brot und leckeren Waffeln riecht. Genau das kann einem aber im Haus der Gebrüder Rau in Schalkenmehren passieren. Es stammt aus der Zeit um 1700 und hat eine Besonderheit: ein Backes im Gebäude. Keine Selbstverständlichkeit, kennt man doch heute eher die noch erhaltenen Backhäuser, die von der Dorfgemeinschaft genutzt wurden. Um aber an das frische Brot im Röhl-Haus zu kommen, bedarf es des Könnens von Friedhelm und Peter Rau und Heidi Diewald.

Gut, dass sie noch wissen, wie es geht. Denn auch diese Kenntnisse gehen immer mehr verloren. Hausfrau Heidi Diewald hat mit einer genau abgewogenen Mischung aus Roggen- und Weizenmehl, Salz, Wasser und Hefe den Hefeteig geschaffen, der einen Tag und eine Nacht gehen muss, damit richtiger Sauerteig entsteht. Dieser wandert nach dem Kneten in die Brotkurbeln.
Waffeln, Brote, Kuchen


Er wird mit einem improvisierten Schieber, einer Kehrschaufel mit Besenstiel, aber auch mit richtigem Bäckerhandwerkszeug von den Brüder Rau in den Backofen geschoben. Dieser hat eine Temperatur von 300 Grad - eine feurige Angelegenheit. Seit zehn Jahren backt das Team diese Mischbrote.
Die Backfläche ist nicht besonders groß. Darum werden in zwei Backgängen jeweils 20 Brote von 750 Gramm gebacken. Die Brotlaibe haben eine dicke, dunkelbraune Kruste. Wenn die Kohlen im Backes nicht richtig entfernt wurden, sind auch schon mal lautere Worte zu hören.

"Die Arbeit macht Spaß", sagt Friedhelm Rau und reiht die Brote an einem langen Tisch auf. Sie werden traditionell anlässlich des Dorf- und Gästefests im Drei-Maare-Dorf verkauft. Der Erlös wandert als Spende in die Gemeindekasse. Auch sechs Hefekuchen finden ihre Abnehmer. Zusätzlich werden Omas Waffeln angeboten, die mit einem antiken Waffeleisen gebacken werden. Wer sich über die Kenntnisse der fleißigen Bäcker informieren will, ist willkommen: "Wir lassen uns gern über die Schulter schauen." bs

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