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Eine Hommage an den Fernsprecher

Eine Hommage an den Fernsprecher

Das alte Gerolsteiner Rathaus hat neben dem Naturkundemuseum eine weitere Rarität zu bieten. Im Nebengebäude zeigt Heribert Schirmer aus Gerolstein seine umfangreiche Sammlung alter Telefone und Radios.

Gerolstein. Es klingelt, es rasselt, es schnarrt, es piept: Telefone haben ihre eigene Art, sich bemerkbar zu machen. Heribert Schirmer drückt hier einen Knopf, legt da einen Schalter um und führt mit sichtlichem Stolz seine Telefonsammlung vor. Rund 700 Apparate hängen an den Wänden oder stehen in Regalen. Vor mehr als 60 Jahren hat Schirmer angefangen, die Geräte zu sammeln und weiß von jedem einzelnen eine Geschichte zu erzählen. "Der Kasten hier hing im Bunker der Post von Bad Neuenahr für die Verbindungen vom Bunker der Bundesregierung in Mariental", erklärt der 77-Jährige und zeigt auf kleine Schilder, die Direktverbindungen nach Seoul, Rom und Montreal belegen.
Klobige Metallkästen an den Wänden stammen etwa aus den Völklinger Röchlingwerken, dem Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich oder aus einem Westwallbunker. Darauf steht die Warnung "Feind hört mit". Schirmer hat seine Leidenschaft für Telefone mit Beginn seiner Ausbildung zum Fernmelde-Handwerker entwickelt. 1952 erstand er die ersten beiden Apparate aus Bakelit, dem Vorgänger des Plastiks. Heute versammelt er die gesamte Geschichte des Telefonbaus in dem kleinen Museum in Gerolstein. Ältester Apparat ist ein 110 Jahre alter Nachbau des Telefons, mit dem Alexander Graham Bell das Telefon als Kommunikationsmittel einführte.
Schirmer zeigt Geräte aus aller Welt und demonstriert, wie die Technik weiterentwickelt wurde. "Das sind Kulturobjekte", betont er. Wer kennt heute noch Wählscheiben am Telefonapparat oder Münzfernsprecher, also Telefonzellen, in denen ein Schild hing mit der Mahnung "Fasse dich kurz, nimm Rücksicht auf Wartende!" Schirmer sagt: "Jugendliche können sich das gar nicht mehr vorstellen, auch nicht, wie lange die Leute damals für ein Telefon gespart haben."
Die Telefonsammlung im alten Gerolsteiner Rathaus wächst nur noch langsam, denn "Telefone findet man heute nur selten auf Flohmärkten", sagt der Sammler. Deshalb hat er vor einigen Jahren auch begonnen, Radios zu sammeln. Mittlerweile ist sein Bestand auf 400 Radiogeräte angewachsen. "Am 29.10. 1923 wurde in Berlin der erste Radiosender eingeschaltet", erklärt Schirmer und zeigt seinen ältesten Radioempfänger von 1926. Daneben stehen die Volksempfänger aus der Nazizeit, "da sieht man noch das Zeichen von den Verbrechern". Auch Musiktruhen der 1950er Jahre gehören zur Sammlung, genauso wie alte Autoradios und hochwertige Geräte längst verschwundener Hersteller wie Graetz oder Nordmende.
Das Telefon- und Radiomuseum von Heribert Schirmer ist dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.