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Eine Knutschkugel namens Isetta

Verkehr : Eine Knutschkugel namens Isetta

Otto Hammes hat seinen BMW-Odltimer für den Trierischen Volksfreund aus dem Winterschlaf geholt. Den Wagen hat er mit großem  Aufwand restauriert.

Man merkt gleich, dass da einer mit Herzblut dabei ist, wenn Otto Hammes von seinen Oldtimern erzählt. Da ist seine BMW Isetta 300, Baujahr 1958, aber dem Rentner aus Ellscheid gehören auch ein Fiat Topolino und ein NSU 1200 Prinz.

Heute führt er den 13-PS-Boliden aus. Mit 85 Stundenkilometern Spitze geht es mit der Isetta auf Tour. Während der Fahrt ein Blick nach vorne auf die Blumenvase am Instrumentenbrett und nach oben: Da gibt es sogar ein offenes Dach – welch ein Luxus. Doch der hat einen durchaus ernsten Hintergrund: „Das aufklappbare Dach war Vorschrift, eine Art Notausstieg“, erklärt Otto Hammes.

Sein Lieblingsfahrzeug ist zwar sein Fiat Topolino („Mäuschen“), aber auch seine Isetta hat für den Ellscheider ihre Reize. „Sie gefällt mir besonders wegen ihrer Bauweise und des Fronteinstiegs. Und weil sie immer wertvoller wird“, sagt Hammes. Drei- bis viermal im Jahr lässt Otto Hammes seine Isetta Eifelluft schnuppern. Dann geht es mit dem 2,28 Meter kurzen Wagen, der bei einem Treffen in Konz schon zum schönsten von 350 Fahrzeugen gewählt wurde, mit Ehefrau Ilse noch mal raus.

Die BMW Isetta war neben dem VW Käfer und dem Goggo das Auto der Deutschen in den 50er und 60er Jahren. Am 5. März 1955 wurde sie der Öffentlichkeit zu einem Preis von 2850 Mark vorgestellt und zum Erfolg. Endlich wieder mobil sein – der Traum der Bürger in der Zeit des Wirtschaftswunders konnte so erfüllt werden. Von 1955 bis 1962 baute BMW die Isetta, 161 728 Stück wurden verkauft. Doch das Unternehmen war gar nicht der Erfinder der Isetta, denn die kam in ihrer ursprünglichen Form aus Italien. Renzo Rivolta, Firmenchef des Motorradherstellers Rivolta, hatte sie 1954 konstruiert und vorgestellt. Wie bei einem Kühlschrank klappte man die Fronttür auf, das Lenkrad schwenkte dabei nach vorn. Zwei Personen konnten einsteigen. BMW drohte zu dieser Zeit der Konkurs, Zeit und Geld für die Planung und Konstruktion eines Kleinwagens blieben einfach nicht.

Auf dem Turiner Autosalon wurde man auf die Isetta aufmerksam und sah in ihr die Chance für die Rettung des Unternehmens. Der Wagen bekam als Optimierung einen Einzylindermotor aus dem Motorradprogramm von BMW und hatte im Gegensatz zum dreirädrigen italienischen Original zwei Hinterräder. Der Hersteller bezeichnete das zwischen Motorrad und Auto einzuordnende Fahrzeug als „Motocoupé“. Bekannt war die Isetta besonders für ihre aufklappbare Fronttür.

Otto Hammes ist durch Zufall an seine Isetta gelangt. Ein Mann hatte in Euskirchen ein Haus gekauft und dabei auch drei Isettas erhalten, die in der Scheune standen. Eine davon erwarb Otto Hommes, und damit begann die Arbeit. „Der Wagen hatte eine falsche Achse, wir mussten das ganze Chassis neu anfertigen, und viele Teile der Isetta musste ich mir zusammensuchen“, erzählt der 84-Jährige. Nach zwei Jahren war die blau-graue Isetta wieder fahrbereit und ist nun Hammes ganzer Stolz.