Ärztliche Versorgung: Eine Lücke in der ärztlichen Versorgung

Ärztliche Versorgung : Eine Lücke in der ärztlichen Versorgung

Zum 1. Oktober schließt in Daun eine allgemeinmedizinische Praxis nach dem überraschenden Tod von Dr. Johannes Reineke.

  Nach Mitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz läuft am Montag die Praxisvertretung für den im August verstorbenen Dauner Arzt Dr. Johannes Reineke aus. „Trotz intensiver Suche fand sich keine Folgevertretung und auch keine Nachfolge, so dass die Praxis endgültig zum 1. Oktober schließen muss“, sagt KV-Presse-Chef Rainer Saurwein. Man unterstütze die Patienten bei der Suche nach einer neuen hausärztlichen Betreuung und biete Kontakte zu den Praxen in der Region, die noch freie Kapazitäten haben.

Welche das sein könnten, erschließt sich auf Anhieb nicht. Die in der Pressemitteilung der KV genannte Terminservice-Stelle, die unter der Telefonnummer 06131/8854455 Hilfe leisten soll, verweist ihrerseits auf die Stabsstelle Kommunikation der KV und die erklärt dann auf TV-Anfrage: „Die Nennung der Praxen mit freien Kapazitäten könnte bei Erreichen der Kapazitätsgrenze zu unnötigen telefonischen Anfragen und somit zu einem unnötigen Aufwand für Patienten wie auch Praxen führen.“

Es obliegt nun also den Patienten selbst, sich auf die Suche zu begeben. Wer „unaufschiebbaren Behandlungs- oder Rezeptbedarf“ habe und nicht direkt in andere Praxen vermittelt werden könne, solle sich für eine Übergangszeit an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst am Krankenhaus Maria Hilf wenden, empfiehlt Saurwein.

Seit 2016 besteht das Hausärztliche Versorgungszentrum (HVZ) in Daun, geboren aus einer Idee des von der Kreisverwaltung 2014 initiierten „Runden Tisches“ zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung auf dem Land. Zum Team gehört der Allgemeinmediziner Carsten Schnieder. Über die neue Situation angesichts der Praxisschließung Reineke sagt er: „Alle Praxen sind voll. Es wird also für die Betroffenen ‚ungemütlicher‘.“

Noch sei die Vulkaneifel kein medizinisches Notstandsgebiet, aber sie drohe eines zu werden, so Schnieder. Es gebe einfach zu wenig Ärzte. In Rheinland-Pfalz müsse pro Quartal jede Hausarzt-Praxis durchschnittlich 850 Patienten versorgen. „Man kann sich vorstellen, wie eng das wird.“

Es sei möglich, die ärztliche Versorgung seitens der Gesundheitspolitik zu steuern. Allerdings sei das unter dem damaligen Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) in negativer Weise geschehen. „Es wurden 6000 Studienplätze gestrichen und der Arzt im Praktikum eingeführt, so dass der Nachwuchs zunächst nicht in die niedergelassenen Praxen kommt. Damit haben wir noch heute zu kämpfen“, sagt Schnieder.

Die Landarztquote, die nun helfen soll, den Mangel zu beheben, greife erst in zehn bis 15 Jahren. Die Ausbildung dauere lang. Für Schnieder gibt es viele Vorteile des Hausarztdaseins auf dem Land, die man den jungen Medizinern bewusst machen sollte: „Wir haben vielseitige, anspruchsvolle Aufgaben. Der Kontakt zu den Patienten ist persönlich und sie sind sehr dankbar. Die Arbeit macht richtig Freude.“

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