"Eine maßlose Unverschämtheit"

"Eine maßlose Unverschämtheit"

HILLESHEIM. Vom "Augustinerkloster" zum Clubhotel für Homosexuelle mit kombiniertem Swingerclub: Verrückte Idee oder realistische Perspektive? Bauherr Hans Müller wittert das große Geschäft für das seit Dezember 2001 geschlossene Hotel. Stadt, Zwangsverwalter und Gläubigerbank werten die Idee als "absoluten Quatsch".

Für Bauherr Hans Müller senior liegen die Dinge klar auf der Hand: "Es geht um knallharte, wirtschaftliche Belange. Homosexuelle Paare wollen nicht auffallen, sind adrett, ruhig und haben Geld." Er will aus dem "Augustinerkloster", das seinen Namen den historischen Klostermauern verdankt, auf denen er den Gebäudekomplex errichtet ließ, ein Clubhotel für Homosexuelle zu machen.Auf die Idee habe ihn ein Geschäftsfreund gebracht, der an der holländischen Nordseeküste ein solches Clubhotel betreibe. "Das läuft wie geschmiert. Das könnte auch in Hillesheim klappen", sagt Müller. Seit acht Wochen sucht er bei einer Immobilienbörse im Internet nach Pächtern, "die sich in der Szene auskennen". Mehrere Interessierte hätten sich bereits gemeldet. Die Pacht soll 5000 Euro monatlich betragen. "Es gibt in diesem Milieu viele kapitalstarke Leute", ergänzt Hans Müller junior.In Hillesheim stoßen die Müllers aus Hürth-Efferen mit ihrer Idee allerdings nicht auf Gegenliebe, ganz im Gegenteil. "Das ist absoluter Quatsch. Der ganze Stadtrat sieht diesen Internetauftritt als maßlose Unverschämtheit an", sagt Stadtbürgermeister Matthias Stein aufgebracht. "Ich denke, da stecken Sticheleien dahinter", vermutet Bürgermeisterin Heike Bohn. Außerdem habe Müller überhaupt keine Verfügungsberechtigung über das Gebäude, da es unter Zwangsverwaltung stehe (der TV berichtete mehrfach). Zwangsverwalter Hans-Albrecht Brauer, ein Dauner Rechtsanwalt, lacht, als er durch den TV von dem Internet-Inserat erfährt. Brauers Einschätzung: "Müller kann so viele Ideen haben wie er will. Er hat keine Befugnisse. Ohne mich kann er nichts machen und ich stimme diesem Vorhaben bestimmt nicht zu." Nach TV -Informationen ist auch die luxemburgische Gläubigerbank kategorisch gegen diesen Plan, auch wenn mehrere Termine zur Zwangsversteigerung des Objekts bisher ergebnislos verliefen.Stadt verhandelt ebenfalls mit drei Interessierten

Bank und Stadt wollen rechtliche Schritte gegen die Annonce unternehmen und sie verbieten lassen. "Wir verhandeln noch mit drei Interessierten. Die könnten ja durch so einen Blödsinn vergrault werden", befürchtet Stein.Müller senior bleibt gelassen: "Sollen sie ruhig Rechtsanwälte einschalten. Ich habe vorher mit meinem gesprochen." Das Gespräch mit dem Juristen sei auch der Auslöser seiner intensiven Pächtersuche gewesen. Müller: "Mein Rechtsanwalt vermutet, dass wir den Prozess gegen die Stadt verlieren, weil das Gericht den getürkten Vertrag nicht aufhebt und die Nebenvereinbarungen nicht gelten lässt." Seit Jahren beschäftigt das Landgericht Trier der Rechtsstreit zwischen der Stadt und dem ehemaligen Bauherrn Müller. Dabei geht es um zurückgehaltene Zahlungen wegen Baumängeln, Fördergelder und Zusatzvereinbarungen. Müller wertet seine Internetkampagne als "Vorsichtsmaßnahme". Bei einer Niederlage vor Gericht "habe er alles an der Backe, und dann wolle die Bank Geld sehen". Nach seinen Plänen habe die Stadthalle mit dem Hotel nichts zu tun. Das Clubhotel wäre von donnerstags bis sonntags als Hotel garni geöffnet. Ob im Kellergeschoss zusätzlich wie in der Internet-Anzeige beschrieben, ein Swingerclub entstehe, müsse der künftige Pächter entscheiden.