Eine sagenhafte unterirdische Verbindung

Eine sagenhafte unterirdische Verbindung

Das Buchenloch bei Gerolstein ist eine der bekanntesten Höhlen der Eifel, oft besucht und eingebunden in das Wanderwegenetz. Von hier aus soll es - so sagt die Sage - einen unterirdischen Gang zur Kasselburg geben.

Gerolstein. (khb) Wahrscheinlich hat der Geologe Johannes Steininger das Buchenloch gemeint, als er 1820 schrieb: "Auf der Südseite (!) des Berges befindet sich nämlich eine große Höhle im Kalke, welche gegen die Mitte des Abhanges ihren Eingang hat, und sehr geräumig, weit in den Berg hineinzieht. Weil man ihr Ende nicht kennt, sagt man, sie führe unter dem Berge durch nach Casselburg." Was die Himmelsrichtung betrifft, könnte Steininger das Buchenloch mit der von der Stadt deutlich sichtbaren Höhle "Jeeßdeppe", in der Südwand der Munterley gelegen, verwechselt haben.

Schannat berichtet (1829, Eiflia illustrata): "In einiger Entfernung von der Paffenkaule (= Papenkaule) liegt das Bucherloch (= Buchenloch), eine Tropfsteinhöhle. Nach der Volkssage soll von dieser Höhle ein unterirdischer Gang zu der etwa eine halbe Stunde entfernten Casselburg führen. Bei einer näheren Untersuchung habe ich aber keine Spur von einem solchen Gange gefunden ..." Damit nicht genug. Jakob Schneider beschreibt in seinem Werk "Das Kyllthal" (Trier 1843) die Gerolsteiner Dolomiten unter anderem so: "... tiefe Kluften und Höhlungen ziehen sich durch das morsche Gestein. Die größte dieser Höhlen ist das sogenannte Buchenloch, eine weite Kluft an der Westseite des Berges mit mehreren Gängen nach verschiedenen Seiten, von denen einer, der Sage nach, durch die Felsen bis nach der Casselburg führen soll."

In Gerolstein ist diese Sage heute noch bekannt. Als Kinder und Jugendliche haben wir uns ernsthaft gefragt, ob dahinter wohl ein Stück Wahrheit steckt, wie angeblich bei allen Sagen. Hat es die knapp zwei Kilometer lange unterirdische Verbindung vielleicht doch gegeben?

Höhlen besitzen, vor allem in Verbindung mit alten Burgruinen wie der Kasselburg, immer etwas Mystifizierendes. Von den zahlreichen Höhlen in und um Gerolstein war das Buchenloch die geheimnisvollste. Wir wussten, dass sich dort in prähistorischer Zeit Menschen gelegentlich aufhielten und in den Jahren 1944/45 viele Gerolsteiner Schutz vor den Bombenangriffen fanden. Dazu kam die Beschaffenheit der Höhle: Sie führt etwa 30 Meter in den Dolomitfelsen hinein, besitzt links einen sehr schmalen, circa 15 Meter langen Seitenausgang oder -eingang, einen kurzen Schluff, mittig eine dicke Säule sowie eine größere und eine kleine Seitenkammer. Einige Bereiche sind dunkel und feucht. Rückseitig verläuft eine steile und lehmige Halde bis fast unter die Höhlendecke. Und genau hier, haben wir uns damals gedacht, muss sich der Verbindungsweg zur Kasselburg angeschlossen haben, bis irgendwann die Decke einstürzte und der Gang zugeschüttet wurde. Selbstverständlich forschten wir auch im Bereich der Kasselburg, als diese noch frei zugänglich war, nach dem sagenhaften Gang - doch auch dort vergebens.