Einen besonderen Ort bewahren

Einen besonderen Ort bewahren

Seit Menschengedenken werden die verstorbenen Schalkenmehrener auf dem Friedhof Weinfeld beigesetzt (siehe Hintergrund). Wegen der Besonderheit des Ortes ist die Friedhofsatzung eng gefasst, doch wird diese zunehmend nicht eingehalten. Nun wird der Ortsgemeinderat aktiv, allen voran der zweite Beigeordnete Peter Hartogh.

Schalkenmehren. "Sehen Sie hier", sagt Peter Hartogh und deutet auf das Gräberfeld, das gleich hinter der Eingangspforte links liegt - mit handwerklich bearbeiteten Grabmälern aus Sandstein oder Basalt, mit vertieft oder erhaben gehauener Schrift, mit Einfassungen aus Basaltstücken oder Lavakrotzen.
"So ist es vorbildlich", erklärt der 68-jährige Augenoptikermeister im Ruhestand. Und auch beim weiteren Gang über den Friedhof, den Hartogh so passend als "friedvollen, geheimnisvollen Ort der Besinnung, des Nachdenkens und der Erinnerung" bezeichnet, fallen immer wieder einmalig und aussagekräftig gestaltete Grabmale in den Blick. Auch Kreuze aus Holz und Eisen sind darunter; sie lässt die Friedhofsatzung ebenfalls zu. "Wer diesen Friedhof kennt, möchte hier mal begraben sein", glaubt Peter Hartogh.
Doch umso mehr nagt an ihm und auch an vielen Schalkenmehrener Bürgern und anderen Eifel- und Weinfeldfreunden die Sorge, dass der Friedhof seinen Charakter zu verlieren droht. Werden doch entgegen der Gestaltungsvorschriften auch polierte Steine aufgestellt und Grab- und Urnengrabstellen mit Platten abgedeckt. "Wie gekachelt", findet Hartogh. Und räumt ein: "Mir ist bewusst, dass dies der Tendenz zum pflegeleichten Grab geschuldet ist." Dennoch dürfe die Friedhofsatzung nicht weiter aufgeweicht werden.
Die Ortsgemeinde werde in dieser Hinsicht immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt. Zwar sei in der Vergangenheit schon einiges unternommen worden, um den Bestand des Friedhofs zu sichern, sagt Hartogh mit Blick darauf, dass bei Erdbestattungen der Boden ausgetauscht wird, um der Verwesungsmüdigkeit des Erdreichs entgegen zu wirken. Und lange Zeit befürchtete Platzprobleme gebe es wegen der zunehmenden Urnenbestattungen nun nicht mehr. Doch nach einer Ortsbesichtigung in diesem Sommer hatten Ortsbürgermeister Hans-Günter Schommers und die Ratsmitglieder beschlossen, die Bevölkerung noch einmal in aller Deutlichkeit auf die Einhaltung der Friedhofsatzung hinzuweisen und auch an die Steinmetze zu appellieren. "Denn auch sie stehen in der Verantwortung", betont Hartogh. Zudem soll nach einem Sterbefall den Angehörigen das Angebot gemacht werden, sie in der Gestaltung des Grabmals entsprechend der Satzung zu beraten.
Ausnahmen sind möglich. Wie jüngst, als dem Ortsgemeinderat ein Antrag vorgelegt wurde, wonach ein alter Grabstein aus Basalt aufbereitet und auf ein Doppelurnengrab angepasst werden sollte. "Obwohl der Grabstein von der Höhe her nicht dem vorgeschriebenen Maß entsprach, haben wir dieses Vorhaben begrüßt und zugestimmt", berichtet Peter Hartogh.Extra

Der Friedhof des 570-Seelen-Dorfs Schalkenmehren liegt am Weinfelder Maar, das auch Totenmaar genannt wird und diese Bezeichnung wohl von der in unmittelbarer Nähe gelegenen Begräbnisstätte hat. Bei der teilweise aus dem 14. Jahrhundert stammenden Weinfelder Kapelle handelt es sich um die ehemalige Pfarrkirche des Dorfes Weinfeld, das im 16. Jahrhundert infolge der Pest aufgegeben worden war. bb