Eiszeit für Gefrierfächer

Eiszeit für Gefrierfächer

UTZERATH. Utzerath zieht nach: Wie andere Orte sieht die Gemeinde in ihrer Gefrieranlage keine tragbare Einrichtung mehr. Die Anlage wird zum 30. September geschlossen.

Seit den 60er Jahren waren die gemeindeeigenen Gefrieranlagen in den Dörfern die einzige Möglichkeit für die Bevölkerung, das Fleisch ihrer geschlachteten Tiere zu lagern. Eine Kühltruhe war in diesen Zeiten noch Luxus, den sich kaum jemand leisten konnte. Das änderte sich, die Menschen in der Region wurden wohlhabender. Ein Fernseher, die Einbauküche und auch eine Gefriertruhe gehörten bald in jeden Haus zum Inventar. Und geschlachtet wurde längst nicht mehr in jedem Haushalt. Dies war der Anfang vom Ende der öffentlichen Gefrieranlagen. In den Dörfern wurden sie mangels Inanspruchnahme nach und nach geschlossen. In Utzerath gibt es seit 1964 eine Gefrieranlage, die in Schrankbauweise 40 Fächer bietet. "Bis vor einigen Jahren waren diese Fächer noch gut belegt, weil viele im Dorf selbst geschlachtet haben. Die Kosten für die Gemeinde wurden so gedeckt. Doch in den vergangenen Jahren ging die Vermietung dramatisch zurück, die Strompreise sind jedoch stark gestiegen", erklärt Ortsbürgermeister Erhard Annen. Die Kommunalaufsicht wies die finanzschwache Gemeinde Utzerath bereits früher darauf hin, dass sie in diesem Bereich ein Minus macht. 45 Euro beträgt die Miete eines Kühlfachs pro Jahr, Auswärtige zahlen 55 Euro. Im vergangenen Jahr betrug das Defizit 2500 Euro, deshalb zog die Gemeinde nun die Notbremse. Sie kündigte den verbliebenen 20 Benutzern die Gefrieranlage zum 30. September diesen Jahres. Eine Weiternutzung des Schlachtraums in der Gefrieranlage wäre auch nur genehmigt worden, wenn die Gemeinde diesen Raum gefliest und mit berührungsfreien Armaturen ausgestattet hätte. "Nur noch zwei Familien im Dorf hätten die Einrichtung genutzt, und dafür können wir das Geld nicht investieren", sagt Annen. Die Gemeinde überlegt nun, wie sie das Gebäude im Ortszentrum weiter nutzen kann. Erhard Annen: "Grundsätzlich wollen wir das Gebäude erhalten, aber nicht um jeden Preis. Wir müssen uns überlegen, wie wir das Gefrierhaus umgestalten können, und wie wir dies günstig und vernünftig bewerkstelligen können, da unsere Mittel sehr begrenzt sind." Drei Varianten werden momentan diskutiert: Da die einzige Gaststätte im Ort geschlossen wurde, haben Gemeinde und Bürger in Zukunft keinen größeren Raum für Veranstaltungen und Feste mehr zur Verfügung. Der Gemeinderat tagt in einem kleinen Nebenraum der Gefrieranlage, und die Jugend hat keinen Treffpunkt zur Verfügung. Da die Gefrieranlage nur 50 Quadratmeter Fläche aufweist, müsste der Raum als Bürgersaal erweitert werden. Die Gemeinde hat hierfür noch eine angrenzende Fläche neben dem Gebäude. Jugendraum, Bürgersaal oder Feuerwehr-Raum?

Eine weitere Alternative wäre es, aus den Räumen einen Jugendraum und zusätzlichen Abstellraum zu machen und ein Stockwerk für einen Bürgersaal mit 80 Quadratmetern auf die Gefrieranlage aufzusetzen. Denn klar ist: Das Dach des Gebäudes muss erneuert werden, und ein neuer Außenanstrich ist nötig. Eine weitere Möglichkeit ist, die Feuerwehr, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen kleinen Raum hat, in das Gebäude zu integrieren. Sie hat schon Interesse gezeigt. Dann würde im Untergeschoss Platz für die Feuerwehr geschaffen. Zusätzlich könnte ein Jugendraum geschaffen und ein Geschoss für einen Bürgersaal aufgesetzt werden. Alle Nutzungs-Varianten lässt die Gemeinde von einem Planer auf ihre Kosten untersuchen. Bis Mitte des Jahres will die Gemeinde ein Konzept erstellen, das sie dann mit der Verbandsgemeinde erörtern möchte. Bürgermeister Annen hat das Vorhaben schon mit der Verbandsgemeinde besprochen und eine "positive Resonanz" registriert. Für den Umbau könne es nach Auskunft der Verbandsgemeinde auch Zuwendungen aus dem Dorferneuerungsprogramm geben. Annen: "Wir wollen nichts Bombastisches bauen, sondern etwas zweckmäßiges, damit jeder Einwohner einen Nutzen davon hat."

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