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Engagieren ist für sie selbstverständlich

Engagieren ist für sie selbstverständlich

Der Trierische Volksfreund (TV) und die RWE Rhein-Ruhr suchen "Helden im Alltag". Zehn Kandidaten, die sich beworben haben oder von Dritten vorgeschlagen wurden, sind von einer Jury ausgewählt worden. Der TV stellt die Bewerber in dieser Woche vor. Am Wochenende (11./12. Dezember) können die Leser telefonisch abstimmen, wer ihr Favorit ist.

Deudesfeld. (bb) Die 23-jährige Studentin Meike Elsen leitet seit fünf Jahren den Chor "Ohrwurm", in dem sie selbst groß geworden ist. Sie führte die zwei Dutzend Mitglieder mit der Aufführung des selbst geschriebenen und komponierten Musicals "Es ist nie zu spät" zu einem Riesenerfolg und gründete nun noch einen Kinderchor

"Was wir als ‚Ohrwurm' bisher erreicht haben, war nur wegen der tollen Gemeinschaft möglich", erklärt Meike Elsen das Geheimnis des großen Erfolgs ihres Chors. Und es ist die Antwort auf die Frage, ob sie sich als Heldin fühle. "Nein", sagt sie. "Denn ich bin ja nicht allein auf weiter Flur. Alle engagieren sich."

Die Woche über widmet sich Meike Elsen an der Universität Koblenz den Fächern, Englisch, Geografie und Grundschulbildung und ihrem Berufsziel Lehrerin. Da ist Disziplin und Fleiß angesagt, denn das Wochenende gehört der Musik. Dann gibt sie Gesangs- und Klavierunterricht und probt mit ihren "Ohrwürmern" - jenem Chor, der 2001 aus einem Familiengottesdienstkreis gegründet wurde und zu dem Meike Elsen gehört, seit sie als Dreijährige bei einem Krippenspiel in der Deudesfelder Kirche allein ein Lied gesungen hat.

Überregionale Aufmerksamkeit

Blutspender Florian Schulten. TV-Foto: Birgit Roßmöller



Die Kinder, Jugendlichen und einige ihrer Mütter traten bei kirchlichen und weltlichen Festen und Familienfeiern auf. Seit Meike Elsen 18 ist, leitet sie den "Ohrwurm". Sie hatte neun Jahre lang Klavierunterricht, und während ihrer Gymnasialzeit in Daun war sie bei zwei Musicalprojekten als Chorsängerin und Solistin zu hören. Überregionale Aufmerksamkeit erfahren Meike Elsen und der Chor, seit sie im Advent 2007 erstmals und im Jahr darauf wiederum ein komplettes Kirchenkonzert gestalteten. Und erst recht, als sie im Sommer 2009 das Musical "Es ist nie zu spät" auf der Waldbühne in Deudesfeld aufführten. Meike Elsen hatte die Handlung geschrieben, die Lieder getextet und komponiert, sie führte Regie, spielte Klavier und war die Choreografin. Der Beifall und die Komplimente waren enorm (der Trierische Volksfreund berichtete). "Seitdem kamen immer wieder Anfragen von Kindern im Grundschulalter, die beim ‚Ohrwurm' mitmachen wollen", erzählt Meike Elsen.

Da sei die Idee entstanden, einen Kinderchor zu gründen. In die Tat umgesetzt wurde der Plan im Oktober 2010 - mit fünf Kindern und den sechs jüngsten Mitgliedern des ‚Ohrwurms'. Sie hatten ihre Generalprobe beim Messdienerbasar Ende November, und sie werden beim Adventskonzert am 19. Dezember in der Deudesfelder Kirche mit von der Partie sein. Und während Meike Elsen nun am Wochenende mit zwei Chören probt, arbeitet sie schon am nächsten Musicalprojekt. "Der ‚Ohrwurm' weiß schon Bescheid, übernächstes Jahr wollen wir es spielen", sagt sie.

Gerolstein-Lissingen. (bjö) Rechnet man jeden Tropfen zusammen, dann hat Florian Schulten aus dem Gerolsteiner Stadtteil Lissingen dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) 140 Liter Blut gespendet, 14 Zehn-Liter-Eimer.

Seit 1964 ist der 72-Jährige verlässlich zu jedem Termin nach Gerolstein, Hillesheim oder Birresborn gekommen, insgesamt 138 Mal. Nur sein krankes Herz konnte ihn zwingen, damit aufzuhören. Ein Traum bleibt daher unerfüllt: "Ich hätte so gerne die 150. Spende erreicht."

Da er Medikamente nehmen muss, die das Blut verdünnen, haben die Ärzte ihm das Spenden verboten. Schulten hat alle Spendenausweise gesammelt. Ein Datum weiß er auswendig: "Am 16. Juni 2009 habe ich zuletzt gespendet." Im gleichen Jahr beteiligte er sich am Spendenmarathon. Für sein Engagement wurde er vor zwei Jahren vom Generalsekretär des DRK, Graf Waldburg Zeil, und der DRK-Vizepräsidentin Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg in Berlin geehrt. Sein Name steht auf der Liste in der "Galerie der Lebensretter".

Trotz der vielen Ehrenkreuze in Gold und Rubin, eines sogar von der Schmuckdesignerin Jette Joop kreiert, die er als Anerkennung verliehen bekommen hat, schüttelt er den Kopf. Er soll als "Held des Alltags" gelten? " Ich fühle mich nicht als Held, auch nicht des Alltags".

Der Eifeler aus Leidenschaft ist katholisch geprägt und meint: "Ich wollte etwas für den Geringsten meiner Brüder tun." Der Industriekaufmann in Rente ist in Berndorf geboren, ging für kurze Zeit ins Rheinland und kehrte rasch zurück. Er fand in Gerolstein Arbeit. 1962 heiratete er, und er hat zwei Kinder. 1964 begann er mit dem Spenden.

"Ich hoffe einfach, dass ich manchem mit meinem Blut das Leben gerettet habe." Diese Vorstellung ist nicht überzogen oder gar abwegig. Er hat die seltene Blutgruppe Null negativ, die mit allen Gruppen kompatibel ist und sogar Neugeborenen gegeben werden kann. Sie kommt nur bei etwa sechs Prozent der Deutschen vor. Als er begann, konnte er nur zwei Mal im Jahr spenden. "Inzwischen darf man bis zu fünf Mal." Er bleibt der "Blutspenderfamilie" erhalten und werde beim Termin in Gerolstein von den langjährigen Weggefährten begrüßt wie ein alter Freund. Und: "Ich bekomme immer noch meine Tasse Kaffee."