Engagiert gegen die Einsamkeit

Engagiert gegen die Einsamkeit

GEROLSTEIN. Beliebte Einrichtung: Seit fast 20 Jahren ist der Besuchsdienst im Gerolsteiner St.-Elisabeth-Krankenhaus etabliert. Derzeit sind es fünf Frauen, die Patienten besuchen, die sonst niemanden haben – und so zu deren Wohlbefinden und auch ein Stückchen zur Genesung beitragen.

Ein eingespieltes Team sind die fünf Damen des Krankenhaus-Besuchsdienstes in Gerolstein. Jeden Mittwochnachmittag suchen sie Patienten auf, die wenig oder keinen Besuch bekommen. Die Frauen bringen Zeit und Verständnis mit, hören zu und helfen, wo kleine Hilfe Not tut. Seit Bestehen des Angebots, also seit fast 20 Jahren, sind Marlies Knötgen und Anne-Claire Assion dabei. Ihre Kolleginnen, Inge Jüster, Hiltrud Simons und Johanna Woithe, blicken auf zehn Jahre Ehrenamt zurück. Die Frauen haben auch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie gehören der katholischen Frauengemeinschaft St. Anna, Gerolstein, an. Dennoch, das betonen die Frauen, ist bei ihren Besuchen nicht von Bedeutung, welcher Konfession ein Kranker angehört. "Wir haben für jeden Patienten aber einen schriftlichen Gruß unseres Pastors mit dabei", sagt Marlies Knötgen - wohlwissend, dass besonders ältere Patienten darauf Wert legen. "Einige der Leute, die öfter hier sind, sagen gleich an der Pforte Bescheid, dass wir kommen sollen", erzählt Marlies Knötgen lächelnd. Doch nicht jeder der einsamen Patienten wünsche Besuch, auch diese Erfahrung hätten sie schon öfter gemacht. "Wenn wir merken, dass ein Patient lieber alleine ist, ziehen wir uns schnell wieder zurück. Sensibilität ist für unser Amt sehr wichtig", sagt Marlies Knötgen. Ebenso wichtig sei die Verschwiegenheit, auf die sich jeder Patient verlassen könne. "Es gibt teils wunderbare und teils traurige Erlebnisse, die wir verarbeiten müssen - über allem aber steht der Grundsatz der absoluten Vertraulichkeit", sagt Anne-Claire Assion und ergänzt: "Wenn ich sehe, dass die Menschen mich mit offenem Herzen empfangen, dann tut das auch mir gut." Ihre Kollegin Inge Jüster fügt hinzu: "Wenn ich einen Menschen aufbauen kann, dann ist das ganz toll." Erst kürzlich, in der offenen Psychiatrie, habe sich ein Patient bei ihr bedankt, dass er mit ihr reden konnte und sie ihn seelisch ein wenig aufgebaut habe, berichtet sie. "Wenn ich ein Zimmer betrete, dann erkenne ich meist an Kleinigkeiten, ob jemand Besuch bekommt oder nicht", sagt Marlies Knötgen. Oft bittet ein Kranker darum, eine Kerze in der Kapelle anzuzünden - auch das übernehmen die Frauen im Anschluss an ihren Besuch.Anfangs zeigten die Schwestern Argwohn

Betreuend und vermittelnd steht den Frauen die Krankenhausoberin Schwester Celine zur Seite. "Und auch das Haus tut etwas für uns, es gibt Ausflüge und eine gemeinsame Weihnachtsfeier", sagt Inge Jüster und freut sich. Die Frauen fühlen sich im Krankenhaus akzeptiert und integriert, doch das sei nicht immer so gewesen: "In den ersten Jahren dachten die Schwestern oft, wir kämen, um sie zu kontrollieren. Das ist jetzt anders", sagt Marlis Knötgen. Von normalen Besuchern unterscheidet sich das Quintett nur durch das Namensschild mit der Aufschrift "Besuchsdienst". Einige der Frauen haben selbst schon viel Leid erlebt, sei es durch Krankheiten oder Verluste. Sie wissen, wovon sie reden. "Ich sehe meine eigenen Probleme gleich als viel kleiner an, wenn ich mit Menschen gesprochen habe, die größere haben als ich", verrät Johanna Woithe bewegt. Wichtig ist den Frauen, dass sie ihre eigenen Probleme nicht mit zu den Patienten nehmen. "Wenn ich selbst nicht gut drauf bin, bleibe ich lieber zu Hause", sagt Marlies Knötgen. Denn wichtig ist allen Fünfen: "Wir wollen den Patienten ihren Aufenthalt im Krankenhaus etwas leichter machen und sie aufmuntern." Wer Interesse hat, sich der Gruppe anzuschließen, kann sich bei Marlies Knötgen unter Telefon 06591/3237 melden.

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