Enttäuscht, ernüchtert, frustriert

Enttäuscht, ernüchtert, frustriert

Es sollte ein Einstieg in den Grundsatzdialog über den Gesteinsabbau in der Vulkaneifel werden, herausgekommen ist ein Schlagabtausch. Ob es trotzdem weitergeht, ist offen.

Dreis-Brück/Daun/Trier Siegfried Horn braucht nur ein Wort, um sein Fazit auf den Punkt zu bringen: "Katastrophe!" Der Vorsitzende der Eifelvereins-Ortsgruppe Daun hat sich, wie viele andere, ins Haus Vulkania nach Dreis-Brück aufgemacht, zur Auftaktveranstaltung des sogenannten Grundsatzdialogs über den umstrittenen Gesteinsabbau in der Vulkaneifel - und ist am Ende enttäuscht. "Wenn es überhaupt keine Einflussmöglichkeiten gibt auf formelle Verfahren, stellt sich die Sinnfrage einer solchen Zusammenkunft." Eine Einschätzung, die viele teilen. Eingeladen hat - unterstützt vom Land - die Planungsgemeinschaft Region Trier (PLG), die verantwortlich ist, einen Entwurf für den künftigen Gesteinsabbau in der Region zu erstellen. Der PLG-Vorsitzende Günter Schartz (Landrat des Kreises Trier-Saarburg) und Sandra Weeser (Vizepräsidentin der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord) wissen natürlich um den Zündstoff, der in dem Thema steckt, und wünschen sich eine möglichst sachliche Diskussion. Es gehe beim Dialog nicht nur darum, das "wo" und "wie viel" zu erörtern, sondern daneben auch über grundsätzliche Aspekte rund um Rohstoffwirtschaft und generelle Entwicklungsperspektiven für die Vulkaneifel zu diskutieren. Auf den Tischen liegen jede Menge Blöcke und Kugelschreiber, an Arbeitsmaterialien mangelt es nicht. Und auch nicht an Themenvorschlägen, aber die geraten immer mehr in den Hintergrund, denn die Stimmung kippt spürbar. Denn immer wieder machen die Vertreter des Landes und der PLG deutlich: "Dies ist keine Veranstaltung mit dem Ziel der Rohstoff-Reduzierung", sagt Martin Orth vom Mainzer Innenministerium. Schartz ergänzt: "Es sollten keine Luftschlösser gebaut werden, wir sind gesetzlichen Vorgaben unterworfen. Es ist kein Wunschkonzert, für keine Seite." Aber damit einfach abfinden? Das will beispielsweise auch der Kreistag nicht. Er will frühzeitig eingebunden werden (der TV berichtete), außerdem hat er die Möglichkeit der Ausweisung von "Ausschlussgebieten für die Rohstoffgewinnung" ins Spiel gebracht. Und es soll geprüft werden, ob auf die im Landesentwicklungsplan geforderte Ausweisung von "Vorbehaltsgebieten" verzichtet werden kann. Der angestrebte Dialog gerät dann doch zum Schlagabtausch. Da ist der Wunsch der Naturschützer, dass verschiedene Gebiete und Vulkanberge vom Abbau ausgenommen werden. Auf der anderen Seite die zuständigen Behörden, deren Vertreter betonen, dass sie den Abbau von Lava, Basalt und Kalk wegen gesetzlicher Vorgaben nicht grundsätzlich blockieren werden. Das Gefühl, nicht wirklich etwas bewegen zu können, sorgt dafür, "dass heute viel Frust entstanden ist", stellt Resi Schmitz von der Interessengemeinschaft (IG) Eifelvulkane fest. "Hier ist heute nichts Brauchbares zu erwarten", ist aus den Reihen der Eingeladenen zu hören. Enttäuschung aber auch auf der anderen Seite: "Die Diskussion ist leider entgleist", sagt SGD-Vizepräsidentin Sandra Weeser. Die Situation ist verfahren, aber zumindest ist der Dialog nicht schon offiziell für beendet erklärt worden. KommentarMeinung

TV-Foto: Stephan Sartoris. Foto: (e_daun )

Die Luft ist schon rausDer Versuch, einen grundsätzlichen Dialog über das Thema Gesteinsabbau in der Vulkaneifel zu starten, war kein verkehrter Ansatz. Aber kaum begonnen, ist die Luft schon raus. Das wird nichts mehr! So unterschiedlich sind die Interessen gelagert, dass es nicht mal für einen kleinsten gemeinsamen Nenner reicht. Der Frust vor Ort ist verständlich, wenn das Gefühl vorherrscht, dass am Ende ja doch wieder über die Köpfe der Vulkaneifeler entschieden wird. Viele von ihnen wünschen sich zumindest eine zeitliche Perspektive, wann endlich Schluss ist mit dem Raubbau an der Landschaft. Und die ist nicht in Sicht, erst recht keine wirklichen Einflussmöglichkeiten. Aber ins Schicksal fügen? Von wegen. Jetzt nicht locker lassen! s.sartoris@volksfreund.deMit Hartmut Schmidt von der Interessengemeinschaft Eifelvulkane Enttäuscht vom Verlauf der Veranstaltung? Hartmut Schmidt: Enttäuscht vom Verhalten der Vertreter des Landes und der Planungsgemeinschaft. Denn sie haben deutlich zu verstehen gegeben, dass mögliche Ergebnisse des Dialogs keine Relevanz für die Planung haben werden. Ist der Dialog schon gescheitert? Hartmut Schmidt: Nein, der fängt erst an, weil er unumgänglich ist. Ohne die Beantwortung von Grundsatzfragen ist der Konflikt nicht zu lösen. Was ist der nächste Schritt? Hartmut Schmidt: Ich wünsche mir eine interne Meinungsbildung der Mitglieder der Planungsgemeinschaft aus dem Kreis, gerne mit meiner Unterstützung. Die Politik ist gefordert.

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