Enttäuschung über Nein zur Fachoberschule

Enttäuschung über Nein zur Fachoberschule

Herber Rückschlag: Der Kreisausschuss hat sich gegen die Einrichtung eines Fachoberschulzweigs an der Realschule plus in Hillesheim ausgesprochen. Das letzte Wort hat aber der Kreistag. Schul- und Verwaltungsspitze in Hillesheim sind enttäuscht, wollen aber noch nicht aufgeben.

Daun/Hillesheim. Die Enttäuschung der Hillesheimer Verantwortlichen ist erwartungsgemäß groß nach dem vorläufigen Nein des Kreises zur Einrichtung einer Fachoberschule (FOS) an der Augustiner Realschule plus. Hillesheims Bürgermeisterin Heike Bohn (parteilos) sagt: "Grundsätzlich kann ich nicht nachvollziehen, dass die Weiterentwicklung der Hillesheimer Schule so blockiert wird."
Damit spielt sie auf das Votum des Kreisausschusses und die Stellungnahme der Berufsbildenden Schule in Gerolstein auf den Hillesheimer Antrag an. Bohn hat nach eigenem Bekunden "bereits vermutet, dass von dort versucht werden wird, unseren Vorstoß zu blockieren".
Bohn für mehr Konkurrenz


Nach Auskunft von Kreissprecherin Verena Bernardy hat sich der Kreisausschuss "mehrheitlich dagegen ausgesprochen". Begründet worden sei dies mit dem demografischen Wandel und dem bestehenden Bildungsangebot. Bernardy: "Es wird immer weniger Schüler geben, und zudem besteht an der Berufsbildenden Schule in Gerolstein die Möglichkeit, die Fachhochschulreife zu erlangen."
Die Fragen "Rechnet sich der finanzielle Aufwand?" und "Ist eine solche Schule dauerhaft lebensfähig?" hat der Ausschuss laut Bernardy demnach mehrheitlich verneint.
Heike Bohn wiederum ist der Auffassung, dass auch im ländlichen Raum ein möglichst vielseitiges Bildungsangebot vorzuhalten sei und "die Kinder im nördlichen Teil des Landkreises ebenso wie die Gerolsteiner und Dauner Schüler die Möglichkeit haben sollten, das Fachabitur wohnortnah zu erwerben".
Zudem teile sie die Auffassung, dass Konkurrenz das Geschäft belebe. Bohn: "Die Kinder und Eltern können durchaus selbst entscheiden, welches Angebot das bessere oder geeignetere ist."
Für Bohn ist die FOS mit dem Votum des Kreisausschusses auch noch nicht gestorben. Denn erstens wisse sie, "dass das Angebot von Schülerseite her gewünscht wird, aber auch die Unternehmer unser Ansinnen sehr deutlich unterstützen".
Und zweitens fällt das abschließende Votum auch erst der Kreistag in seiner Sitzung am 4. März. Bohn: "Wir werden nicht nachlassen in unseren Bemühungen, der Hillesheimer Schule im Wettbewerb dieselben Rahmenbedingungen zu bieten, wie sie andere Schulen bekommen."
Peter Steffgen, Rektor der Augustiner Realschule in Hillesheim, sagt: "Die Nachricht von der Ablehnung der FOS durch den Kreisausschuss haben wir mit großer Enttäuschung zur Kenntnis genommen. Dadurch wird eine Chance vergeben, die Bildungslandschaft im Kreis zu bereichern."
Für ihn deutet sich durch den Entschluss der Trend an, "die Bildungsangebote im Vulkaneifelkreis auf zwei Standorte (Daun und Gerolstein) zu konzentrieren".
Steffgen fordert eine Schulentwicklungsstudie, um die zu erwartenden Schülerströme exakt festzustellen und den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln. "Dies scheint aber politisch nicht gewollt zu sein", meint der Rektor und verweist zudem auf die Einrichtung einer FOS an der Realschule in Daun zum kommenden Schuljahr.
Er geht davon aus, dass eine FOS in Hillesheim durchaus dauerhaft lebensfähig sei. "Der Einzugsbereich würde sicherlich über die Kreisgrenzen hinausreichen", sagt Steffgen. Daher sei für ihn das Thema noch nicht gestorben.
Die Verbandsgemeinde Hillesheim hat, nach eindeutigen Voten des VG-Rats und des Lehrerkollegiums, den Antrag gestellt, zum Schuljahr 2014/2015 eine Fachoberschule mit der Fachrichtung Technik installieren zu dürfen. Mit dem Angebot gäbe es erstmals in der Geschichte die Möglichkeit, in der VG sowie dem gesamten nordwestlichen Teil des Kreises, die Fachhochschulreife zu erlangen.
Neben der Zustimmung des Kreises, der damit auch die Schulträgerschaft übernehmen würde (siehe Extra), sind weitere Voraussetzungen zu leisten: Es müssen erstens mindestens 38 Schüler angemeldet sein und zweitens genügend Praktikumsplätze vorgehalten werden.Extra

Mit dem vorläufigen Nein zur Fachoberschule ändert sich vorerst auch nicht die Schulträgerschaft. Diese hat die VG Hillesheim vor Jahren freiwillig übernommen, um mehr Einfluss auf die Investitionen in die Schule zu nehmen. Zwischenzeitlich wüsste der Großteil der politisch Verantwortlichen aus dem Hillesheimer Land diese aber doch gerne beim Kreis, weil sie eine teure Angelegenheit ist. Bei Einrichtung der FOS wäre die Trägerschaft laut Schulgesetz automatisch auf den Kreis übergegangen. mh

Mehr von Volksfreund