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Erfahrungsaustausch statt Kirchturmsdenken

FOTO: Klaus Kimmling (e_daun )
Daun. Wie können Lebensqualität und Wirtschaft im ländlichen Raum verbessert werden? Welche Potenziale und Möglichkeiten hat die Region? Vertreter aus der Eifel und den belgischen Ardennen haben sich in Daun getroffen und gemeinsam überlegt, wie der ländliche Raum gezielt gestärkt werden kann - auch mit EU-Fördergeld. Helmut Gassen

Daun. Das Leader-Forum Eifel-Ardennen (siehe Extra) im Forum Daun, das von der Zukunftsinitiative Eifel veranstaltet wurde, sollte aufzeigen, wie die ländliche Region Eifel und Ardennen in den nächsten Jahren (bis 2020) und mithilfe von EU-Fördergeld nach vorne gebracht werden kann. Wichtig dabei: Erfahrungsaustausch statt Kirchturmsdenken. "Wir sollten voneinander lernen und uns vernetzen, um so die Zukunft der Eifel positiv zu gestalten, damit die Menschen hier gut arbeiten und leben können", gab Heinz-Peter Thiel, Landrat des Vulkaneifelkreises und Vorsitzender der Zukunftsinitiative Eifel (ZIE), vor.
Teilweise sei das schon geschehen, meinte Thiel und verwies auf Initiativen wie den Technologieatlas oder das Projekt "Tetrra". Ruth Roelen von der Städteregion Aachen konkretisierte: "Der Technologietransfer Tetrra war bereits länderübergreifend. Unter dem Motto Wirtschaft trifft Wirtschaft ging es darum, Studenten und Absolventen der Hochschulen in Firmen zu bringen, damit sie sehen, was die Eifel an innovativen Unternehmen zu bieten hat." Viele Studenten der Hochschulen aus Aachen, Koblenz und Trier hätten dieses Angebot genutzt - und erkannt: Die Eifel hat viel mehr zu bieten als schöne Landschaft.
Auch Marcus Trapp vom Fraunhofer-Institut in Kaiserslautern ist überzeugt davon, dass die ländliche Eifel bereits einiges an wirtschaftlichem Potenzial habe, aber noch Vieles ausgebaut werden könne. Der eingeschlagene Weg der Zusammenarbeit innerhalb der Region und zwischen Unternehmen und Schulen/Hochschulen sei jedenfalls der Richtige. Er gab den Verantwortlichen mit auf den Weg: "Lernen Sie, was andere gemacht haben, tauschen sie sich über Grenzen aus. Solche Treffen sind wichtig und bringen die Region voran." Beim "Markt der Möglichkeiten" konnten sich die Teilnehmer des Forums über interessante Projekte aus den verschiedenen Leader-Regionen informieren. "Wir wollen reelle Beispiele zeigen, die auch multiplizierbar sind", sagte Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel Tourismus GmbH und der Zukunftsinitiative Eifel. Die neue Marke Eifel, die im März bei der Internationalen Tourismus Börse in Berlin gestartet wurde, sei solch ein Projekt. "Wir wollen damit aufzeigen, dass wir stolz auf unsere Heimat und die Entscheidung, hier zu leben, sein können", sagte Schäfer. Auch Thomas Wallrich, Moderator für die ländliche Entwicklung in der Verbandsgemeinde Saarburg, wies auf ein erfolgreiches Projekt hin: "Die Verbandsgemeinden Saarburg und Trier-Land haben zusammen und mit Unterstützung von EU-Geldern das Förderprogramm ,Bauen im Ortskern - Leben mittendrin' realisiert."
Andreas Heiseler von der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm stellte das Projekt Dorfcheck vor. Dabei wurden mit Fördermitteln zunächst acht Ortsgemeinden im Eifelkreis analysiert, Stärken und Schwächen herausgearbeitet. Anhand dieser Datenbasis soll dann entschieden werden, wo angesetzt und investiert werden muss. "Die Modellphase war so erfolgreich, das wir bis 2018 das Vorhaben auf 150 Ortsgemeinden ausweiten", berichtete Heiseler. Landrat Thiel hörte gespannt zu. Schließlich könnte dies auch für die Vulkaneifel ein lohnendes Projekt sein.
Extra

Leader ist die Abkürzung für "Liaison entre actions de développement de l'économie rurale" (Deutsch: "Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft") ist ein Förderprogramm der Europäischen Union für regionen- und grenzüberschreitende Projekte. Damit werden seit 1991 Vorhaben im ländlichen Raum gefördert - zum Beispiel eine Werbekampagne für Ausbildung im regionalen Handwerk oder zur Kultur in der Eifel. Bitburg-Prüm, die Vulkaneifel, die Rhein-Eifel und ein Verband von Dörfern in Ost-Belgien haben sich als Leader-Region bis zum Jahr 2020 zusammengetan. Neue Projekte konnten sich bis zum Sommer je nach Region um bis zu 400 000 Euro Fördergelder bewerben. Tetrra: Ziel des Projektes "Tetrra" (Technology Transfer and Recruiting in Rural Areas - deutsch: Technologietransfer und Mitarbeitergewinnung in ländlichen Gebieten) ist die Verbesserung des Technologietransfers und der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und kleinen und mittelständischen Unternehmen in den ländlichen Regionen und die erfolgreiche Rekrutierung von Fachkräften für Unternehmen im ländlichen Raum. Darüber hinaus sollen unter dem Oberbegriff Tetrra Rahmenbedingungen und Strukturen, die zu einer Verbesserung der Rekrutierung von Fachkräften führen und deren Abwanderung in urbane Zonen verhindern, weiter entwickelt werden. HG

 Studentenexkursionen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel wie hier bei der Firma Plamex in Kelberg sollen das Bild der Studenten von der Eifel als Arbeitsplatz verbessern. TV-Foto: Helmut Gassen
Studentenexkursionen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel wie hier bei der Firma Plamex in Kelberg sollen das Bild der Studenten von der Eifel als Arbeitsplatz verbessern. TV-Foto: Helmut Gassen FOTO: (e_daun )