Soziales: Erfolg, der auch nachdenklich stimmt

Soziales : Erfolg, der auch nachdenklich stimmt

Vor zehn Jahren setzte der Caritasverband Westeifel die Patenschaften zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen beim Lernen, Lesen und auf dem Weg in den Beruf in Gang. Das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet.

Die stellvertretende Caritas-Direktorin Andrea Ennen hat eine Lieblingsgeschichte, wenn es um die Patenschaftsprojekte ihres Verbands geht. Sie erzählte sie, als jetzt Paten und Projektpartner sich zur Zehn-Jahres-Feier im Dauner Regina-Protmann-Haus trafen.

Die Geschichte geht so: Ein 15-jähriger Schüler tritt bei der Entlassfeier an seiner Schule ans Mikrofon, bittet seine Ausbildungspatin zu sich, überreicht ihr einen Blumenstrauß und sagt: „Ohne Sie hätte ich das niemals geschafft. Wie gut, dass ich Sie habe.“ Über den Jungen weiß Andrea Ennen, dass er am Ende der achten Klasse rein rechtlich nicht versetzt werden konnte. Da aber die erst wenige Wochen vorher begonnene Ausbildungspatenschaft bereits erste Früchte zeigte, stimmte die Zeugniskonferenz dennoch dem Aufstieg in das neunte Schuljahr zu. Eine gute Entscheidung, denn der Junge schaffte den Schulabschluss. Er absolvierte ein Praktikum in seinem Wunschberuf, bekam eine Ausbildungsstelle, schloss die Ausbildung mit Erfolg ab und arbeitet nun als Geselle in seinem Ausbildungsbetrieb.

„Das ist nur eine von vielen Geschichten, die heute erzählt werden könnten“, sagte Andrea Ennen. Sie dankte all den Frauen und Männern, die sich in dem Jahrzehnt seit 2008 für eine Patenschaft qualifiziert und Kindern und Jugendlichen Unterstützung und Förderung gegeben haben - insgesamt um die 500 Mal.

Aktuell bestehen 68 Patenschaften an 25 Schulen des Landkreises Vulkaneifel und des Eifelkreises Bitburg-Prüm. 47 Paten sind aktiv, weitere 23 sind qualifiziert, pausieren aber aus unterschiedlichen Gründen. „Wir sind stolz, dass sich das Projekt so toll entwickelt hat“, sagte die stellvertretende Caritas-Direktorin. „Aber dass der Bedarf an Paten so groß ist, dass wir ihn nicht decken können, ist erschreckend und macht mich traurig“, räumte sie ein.

Gemeinsam mit dem  Fachbereichsleiter Andreas Rötering von der Caritas-Geschäftsstelle Daun skizzierte Andrea Ennen den bisherigen Weg des Projekts.

Die Idee stammte seinerzeit von der  Schulsozialarbeiterin Esther Ben M’rad und dem damaligen Dekanatsreferenten Thomas Reichert. Erste Projektkoordinatorin war Eva Knechtges, die das Konzept erfolgreich weiter entwickelte. Inzwischen leitet Melanie Schermann das Projekt. Beide – Knechtges und Schermann – haben bereits eine Reihe von Preisen und Auszeichnungen an Land gezogen, darunter den Elisabethpreis des Caritasverbandes (2009 und 2016) und den Zukunftspreis der Volksbank RheinAhrEifel (2017).

   Die Ehrung der Paten nahm der Caritasverbands-Vorsitzende Friedbert Wißkirchen vor. „Ihre ehrenamtliche Tätigkeit hat auch einen diakonischen Aspekt“, betonte er, „denn Sie praktizieren Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit.“ Vier Paten sind seit der Gründung des Projekts vor zehn Jahren dabei: Barbara Drockur, Michael Drockur, Doris Lenzen und Günter Selig. Sie erhielten eine Urkunde und das Caritas-Ehrenzeichen in Silber.

Günter Selig (links) und Barbara Drockur (rechts) - hier mit der Projektkoordinatorin Melanie Schermann (Mitte) beim Jubiläum - sind zwei der vier Paten, die seit der ersten Stunde vor zehn Jahren dabei sind. Foto: Brigitte Bettscheider

Ansprechpartnerin für die Schul- und Ausbildungspatenschaften im Landkreis Vulkaneifel ist Melanie Schermann, Mehrener Straße 1, Daun, Telefon 06592/95730, E-Mail: m.schermann@caritas-westeifel.de.    

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