"Erfolg kommt nur gemeinsam"

"Erfolg kommt nur gemeinsam"

Mit einer Fest in der Kreisverwaltung wurden die Menschen gefeiert, die in den vergangenen Jahren eingebürgert wurden. Mit viel Selbstironie teilten sie ihre lustigsten, aber auch ernste Erinnerungen.

Daun. In den Auffanglagern warten Tausende Flüchtlinge auf eine Aufenthaltserlaubnis. Viele von ihnen träumen von einem dauerhaften Leben in Deutschland, einige vielleicht auch von der Staatsbürgerschaft. Im Kreis Vulkaneifel haben diesen Weg in den vergangenen zweieinhalb Jahren 122 Menschen eingeschlagen. Sie haben sich für eine Einbürgerung entschieden.
Ihnen galt das erste Einbürgerungsfest, zu dem die Kreisverwaltung eingeladen hatte. Denn grundsätzlich sei die Einbürgerung zwar für die Menschen etwas Besonderes, der Rahmen aber nicht sehr festlich, erklärt Landrat Heinz-Peter Thiel. 50 Menschen haben Interesse an der Feier signalisiert, nicht ganz so viele sind letztlich auch erschienen. Im Sitzungssaal, in dem sonst Politik gemacht wird, feiern sie. Und das ziemlich deutsch mit vielen Reden und Käse- und Wurstschnittchen auf dem Buffet.
Emotional wird es erst, als die Migrationsbeauftragte des Kreises, Celine Reineke, und ihre Mitstreiter, Lidia Gensirowskij und Salih Sarp, das Zepter übernehmen und von ihren ersten Eindrücken in Deutschland erzählen. Einige der "Neudeutschen" schließen sich dem spontan an.
Bevor sie das erste Mal in Deutschland gewesen sei, erinnert sich die gebürtige Kasachin Gensirowskij, habe sie sich bereits in die Eifellandschaft verliebt. 17 Jahre ist das her. "Aber ich habe nicht mit dem Wetter gerechnet", führt sie aus und lacht: "In meinem ersten August hier waren es zwölf Grad. Und im Winter, als ich auf den Schnee gewartet habe, regnete es nur."
Der Schnee ist auch das, was Esther Häp zuerst einfällt, wenn sie an ihre Ankunft in Deutschland denkt. "Bevor ich herkam, habe ich nie Schnee gesehen. Es war sehr kalt hier, aber ich gehe trotzdem raus und freue mich über den Schnee." Sie ist der Liebe wegen vor sechs Jahren aus der Dominikanischen Republik nach Deutschland gekommen, hat hier geheiratet. Das jüngere der beiden Kinder ist bereits hier geboren.
Bereits seit 20 Jahren lebt Svetimirka Knieper in Deutschland. Über eine Einbürgerung hatte sie bereits länger nachgedacht, aber erst 2013 umgesetzt, als sie nach dem EU-Beitritt Kroatiens auch ihre alte Staatsbürgerschaft behalten konnte. "Ich liebe meine Heimat, aber hier in der Eifel bin ich zuhause", sagt sie, auch wegen ihres hier geborenen Kindes.
Ob denn auch jemand negative Erfahrungen gemacht habe, will Landrat Thiel von den Eingebürgerten wissen. Adnan Sasuzoglu, der schon auf dem Weg nach vorne ist, um seine Geschichte zu erzählen, reagiert darauf. Vor 40 Jahren ist er mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen, die Gastarbeiter waren. Damals hätten viele Deutsche noch Vorurteile gehabt, meint er. Bei vielen sei automatisch die Kette "Türke - Moslem - kein Alkohol - kein Schweinefleisch" abgelaufen. Aber er relativiert auch: "Es gibt keine Nation, wo man sagen kann: Die sind alle gut, oder die sind alle schlecht." Und so gebe er als Fußballtrainer an seine Jungs weiter: "Erfolg kommt nur gemeinsam."Extra

122 Menschen haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Landkreis Vulkaneifel die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Sie kommen aus 34 Nationen. Die meisten, nämlich 27, kommen dabei aus Polen. 13 Menschen sind türkischer Herkunft. Jeweils sechs stammen aus der Ukraine oder dem Kosovo und fünf aus Kasachstan. Aus Russland, Brasilien, Rumänien und Thailand haben jeweils vier Menschen die Einbürgerung beantragt. cli