Erinnerung an die Widerstandskämpferin Marcell Dorr, die in Gerolstein starb.

Gedenken : Erinnerung an eine Widerstandskämpferin

Am 1. September wird ein Festakt für Marcelle Dorr in Gerolstein veranstaltet.

Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, brach der Zweite Weltkrieg aus. Dieses Datum nehmen die Stadt Gerolstein und der Arbeitskreis „Gedenkstein Marcelle Dorr“ zum Anlass, um für die französische Widerstandskämpferin Marcelle Dorr in einem Festakt vor dem Kreisheimatmuseum der Öffentlichkeit einen Gedenkstein mit Bronzeplatte vorzustellen. Auf einer Informationstafel wird auch weiterer 63 ausländischen Kriegstoten gedacht, die in Gerolstein verstorben sind und die auf dem Sarresdorfer Friedhof oder dem Ehrenfriedhof beerdigt wurden.

Marcelle Dorr hat 1941 in Nancy mit anderen Helfern mehr als 1000 Gefangenen geholfen, aus dem besetzten Teil Frankreichs ins noch freie Frankreich zu fliehen. Sie wurde verraten, zum Tode verurteilt, von Hitler zur lebenslangen Haft und Zwangsarbeit begnadigt. Sie verbrachte fast zwei Jahre in Einzelhaft in Köln-Klingelpütz, kam dann nach Wittlich/Flußbach, von wo sie zuerst zur Zwangsarbeit in die Kartoffeltrocknungsfabrik nach Gillenfeld, dann 1943 zum Gerolsteiner Sprudel verlegt wurde.

Geschwächt von schwerer Krankheit, der Einzelhaft, schlechter Ernährung und Misshandlungen kam sie ins Gerolsteiner Krankenhaus, wo Dr. Luy sie mit mehreren Operationen zu retten versuchte. Während des dreimonatigen Aufenthaltes im Krankenhaus schloss sie viele Freundschaften, unter anderem mit Schwester Edmée und Gertrud Becker.

Als sie starb, beerdigte sie Dechant Molter gegen den Willen der NS-Führung im Beisein vieler französischer Gefangenen auf dem Sarresdorfer Friedhof. Sie wurde 1948 auf Drängen General de Gaulles nach Nancy überführt – und erhielt posthum viele Auszeichnungen, unter anderem als „Ritter der Ehrenlegion“. In Nancy ist zudem eine Straße nach ihr benannt.

Der Festakt am Sonntag, 1. September, beginnt um 14 Uhr vor dem Kreisheimatmuseum, wo der Gedenkstein an der alten Friedhofsmauer seinen Platz hat. Landrat Heinz-Peter Thiel, Stadtbürgermeister Uwe Schneider, Dieter Burgard, Beauftragter für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen des Landes Rheinland-Pfalz, werden Grußworte sprechen. Aus Nancy, Marcelle Dorrs Wohnort, und aus Crémieu bei Lyon, ihrem Geburtsort, werden Gäste kommen. Günter Hochgürtel wird mit Liedern, die er in Deutsch und Französisch vorträgt, die Feier mitgestalten. Anschließend sind die Gäste zu einem Umtrunk und zu Gesprächskreisen eingeladen.

Als Ehrengäste werden anwesend sein: Gertrud Becker aus Gerolstein und Marcelle Fluxa aus Südfrankreich, Marcelle Dorrs Patenkind. Gertrud Becker, geb. Clemens, gab durch ihre Erzählungen den Anstoß zu den Recherchen zu diesem Projekt.

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