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Erinnerung an ein verschwundenes Dorf

Erinnerung an ein verschwundenes Dorf

Die Lage könnte schöner nicht sein: Im weitgedehnten Wiesental mit Bach und Wald, wo bis 1882 das Dorf Schutzalf stand, hat die Ortsgemeinde Mückeln (Landkreis Vulkaneifel) einen Glockenturm errichtet und einen Platz gestaltet. Die mit viel Eigenleistung geschaffene Erinnerungsstätte wird am Sonntag, 27. Juli, eingeweiht.

Mückeln. Wer von Mückeln aus durch das Alfbachtal in Richtung Strohn unterwegs ist, gerät ohnehin ins Schwärmen über die Ruhe und Abgeschiedenheit und die landschaftliche Schönheit. Nun aber gibt es noch einen weiteren guten Grund, hierher zu kommen.
Vier Häuser, eine Kapelle


Denn hier stand Schutzalf - "drei oder vier Häuser und eine Kapelle mit Bruderwohnung", so beschreibt Mückelns Ortsbürgermeister Erwin Steffes das winzige Dorf, das nach dem Tod des letzten Bewohners im Jahr 1882 von der Bildfläche verschwand.
Das heißt: nicht ganz. "Diese bemoosten Basaltblöcke sollen Überreste der Kapelle sein", erzählt der 62-jährige Beamte im Ruhestand, der soeben seine vierte Amtszeit als Ortsbürgermeister von Mückeln begonnen hat.
Mit viel Gespür für die Landschaft im Alfbachtal und die von Anton Sartoris und Walter Steffes erforschte Geschichte des ehemaligen Dorfes haben Erwin Steffes und etliche Freiwillige jeden Alters die Erinnerungsstätte angelegt und errichtet. Im Mittelpunkt: ein von dem Kunstschmiedemeister Gerd Steffes entworfener, neun Meter hoher Glockenturm aus den heimischen Materialien Eiche und Schiefer.
Im Umfeld: junge Eichenbäume, eine Tischgruppe, Sitzbänke, das teilweise wieder sichtbar gemachte Fundament der ehemaligen Kapelle. Außerdem stellten die Mücjkelner eine Tafel mit Informationen in drei Sprachen auf. Dabei hätten die Mückelner Bürger das verschwundene Schutzalf schon vor 20 Jahren wieder in das Gedächtnis der Menschen rufen wollen, betont der Ortsbürgermeister im Gespräch mit dem TV. Und er erinnert in diesem Zusammenhang an den 2012 gestorbenen Theaterregisseur Günter Steffes als einen der damaligen Initiatoren. Weil damals aber das in Frage kommende Grundstück in Privatbesitz und seinerzeit nicht verkäuflich war, verzögerte sich die Realisierung.
Eigenleistung führt zum Ziel


Bis zum 27. Juni 2013, dem Tag des Projektneustarts, an dem unmittelbar im Anschluss an eine Besprechung quasi als Signal die Basaltblöcke freigestellt wurden. Zwei Monate später stand der Rohbau.
Einer der Höhepunkte der Arbeiten sei gewiss das Aufhängen der Glocke im Turm gewesen, berichtet Ortsbürgermeister Erwin Steffes. Denn schließlich sei für die Erinnerungsstätte die Form des Glockenturms aus dem Grund gewählt worden, weil die Originalglocke aus Schutzalf heute noch in der Filialkirche Mückeln ihren Dienst verrichte.
An der Finanzierung ist die Ortsgemeinde zwar beteiligt. Ein Großteil aber sei durch Sachspenden und viel unentgeltlich verrichtete Arbeit erbracht worden, betont Erwin Steffes.
"Sonst wäre das Projekt in diesem Umfang nicht möglich gewesen", sagt der Mückelner Ortsbürgermeister. bb