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Erinnerung an einen Schreckenstag

Erinnerung an einen Schreckenstag

Ein 30-Jähriger aus Bad Breisig hat vor dem Landgericht Trier gestanden, im Juli dieses Jahres die Volksbankfiliale in Kelberg überfallen zu haben. Der Angeklagte hatte zunächst mit rund 4500 Euro Beute flüchten können. Eine junge Mitarbeiterin der Bank erlitt ein schweres Trauma, unter dem sie noch heute leidet.

Trier/Kelberg. Die junge Zeugin erinnert sich vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts an den wohl schwärzesten Tag ihres Lebens: "Der Mann, der plötzlich in unsere Bank stürmte, trug eine große Sonnenbrille sowie eine Baseballmütze. Dann hielt er mir einen schwarzen Revolver an den Kopf und brüllte: ,Geld her! Ich will Geld'. Ich hatte panische Angst und bekam einen Asthmaanfall."
Weiter kommt die Zeugin zunächst nicht, sondern bricht in Tränen aus. Am 25. Juli 2016, kurz vor Mittag, hatte die Auszubildende allein vorne im Servicebereich gestanden und war zum unmittelbaren Opfer geworden. Der Mann mit dem schwarzen Revolver sitzt ihr nun drei Meter gegenüber auf der Anklagebank.
Er hat kurz zuvor ein volles Geständnis abgelegt - doch sein Versuch, sich bei der jungen Frau zu entschuldigen, scheitert. Ebenso ergeht es ihm bei den älteren Kolleginnen, die gefasster mit dem Geschehenen umgehen, aber auch ihre Probleme haben. "Der war furchtbar nervös, und wir wussten nicht, ob die Waffe echt ist", erklärt eine Zeugin. "Also haben wir ihm 690 Schweizer Franken, 840 Englische Pfund und 3480 US-Dollar in eine Plastiktüte gestopft."
Ihm Euro zu geben, hätte eine längere Wartezeit erfordert, weil dieses Geld durch ein Zeitschloss gesichert sei.
Warum überfällt ein junger Mann mit abgeschlossener Ausbildung zum Bürokaufmann und gerade auf dem Weg zur Selbstständigkeit eine Bank? Der sportliche Typ - "ich habe früher in der B-Jugend gespielt" - hat ein Problem namens "Amphetamin und Marihuana".
Derzeit verbüßt er schon eine Freiheitsstrafe. Schulden in der Drogenszene, Druck und Drohungen und die Angst um seine Mutter plagten ihn, sagt er. Auch die Fahrerlaubnis ist weg. Die Idee mit dem Überfall sei der verzweifelte Versuch gewesen, sofort an eine größere Menge Geld zu gelangen.
Und Kelberg habe er ausgesucht, "weil ich die Gegend kenne und der kleine Ort mir sicherer erschien". Der Revolver war laut Angeklagtem ein Knallblättchenspielzeug aus Kindertagen zum Cowboy-Karnevalskostüm - "das Ding lag noch bei uns im Keller". Staatsanwalt Christian Hartwig fasst die "Idee" strafrechtlich wie folgt zusammen: räuberische Erpressung (Banküberfall), Fahren ohne Fahrerlaubnis (mit Mietwagen nach Kelberg), Urkundenfälschung (gestohlenes Kennzeichen an Mietwagen montiert). Hinzu kommen Erschleichen von Harz-IV-Leistungen trotz eines Einkommens und ein erneuter Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Ursprünglich waren fünf Verhandlungstage angesetzt.
Doch nach einer verfahrensverkürzenden Absprache zwischen dem Gericht unter dem Vorsitzenden Armin Hardt, Verteidigerin Maike Naumiuk und dem Staatsanwalt legt der Angeklagte das volle Geständnis ab. Dafür wird ihm ein Strafmaß zwischen dreieinhalb und vier Jahren zugesichert.
Die Verhandlung geht am 9. November, 9.30 Uhr, weiter.