Ermittler soll Licht ins Dunkel bringen

Kirche : Ermittler soll Missbrauch aufdecken

Das Bistum Trier hat eingeräumt, dass Schüler eines ehemaligen Eifeler Internats sexuell missbraucht wurden. Nun soll ein unabhängiger Ermittler untersuchen, was im Albertinum vor sich ging – und, ob Vorfälle vertuscht wurden.

„Hölle“, „Knast“, „Kasten“ – so nennen ehemalige Schüler den Ort, der jahrelang ihr Zuhause sein sollte. Und doch nie eines war. Unter der Leitung von drei Direktoren wurden seit den 1940er-Jahren offenbar Jungs im Albertinum geschlagen, gedemütigt und sexuell missbraucht. Die Gerüchte über die Zustände im seit 1982 geschlossenen Gerolsteiner Internat machten lange die Runde. Aufgedeckt wurden sie aber erst vergangenes Jahr in einem TV-Artikel. Seitdem beteuern Sprecher des Bistums Trier, dass die Kirche sich um Aufklärung bemühe.

Eine strafrechtliche Verfolgung müssen die mutmaßlichen Schuldigen nicht mehr fürchten. Alle drei Leiter der Einrichtung sind tot, die ihnen vorgeworfenen Taten liegen Jahrzehnte zurück. Trotzdem, sagt Bischof Stephan Ackermann „können wir Fehler eingestehen und uns bemühen, aus diesen Fehlern zu lernen.“

Nach einem Treffen mit dem diözesanen Beraterstab plant der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz daher, „eine unabhängige Person“ zu verpflichten, die die Vorfälle untersucht. Die Beauftragung eines externen Experten stehe „unmittelbar bevor“, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Ermittler soll laut Ackermann „prüfen, ob es Versäumnisse oder gar Vertuschung von Fällen durch Verantwortliche gegeben hat“ – auch, wenn dadurch nichts wiedergutzumachen sei.

Seit dem Frühjahr 2018 hat der TV mit einigen Absolventen des Internats gesprochen. Sie erzählten von Nächten, die sie als Strafe draußen in der Kälte verbringen mussten, von Faustschlägen ins Gesicht, unsittlichen Berührungen beim Schwimmunterricht und Annäherungen unter der Dusche. Ein Priester soll die Schüler gezwungen haben, in der Beichte über Sex zu sprechen, während er sich befriedigte. Einen Subpräfekten soll es erregt haben, wenn die Schüler ihn strangulierten.

Von diesen Vorwürfen will das Bistum Trier erst 2010 erfahren haben. Da war das Albertinum fast dreißig Jahre geschlossen. Von 1946 bis 1982 blieb das Jungeninternat geöffnet und genoss in der Region einen ausgezeichneten Ruf. Eltern aus der gesamten Region schickten ihre Kinder in die Einrichtung. Die Jungs sollten dort leben, während sie im Gerolsteiner Gymnasium zur Schule gingen. Allerdings berichten Schüler auch, dass Mutter oder Vater sie wegen der Gerüchte über sexuellen Missbrauch aus dem Internat nahmen. Kann es sein, dass der Kirche dies all die Jahre lang entgangen ist oder wurden Vorfälle vertuscht?

Aktuell sieht Bistumssprecherin Judith Rupp „keinen Grund zu dieser Annahme“, sagt sie auf TV-Anfrage: „Aber die Überprüfung, ob es Versäumnisse oder sogar Vertuschung gab, gehört zu einer Aufarbeitung dazu.“ Zu der Frage, wer denn die „unabhängige Person“ sein wird, die Licht ins Dunkel bringen soll, kann Rupp derzeit keine Angaben machen. Ebenso wenig äußert sie sich dazu, wann mit Ergebnissen der Untersuchung zu rechnen ist und, ob diese der Öffentlichkeit in vollem Umfang vorgestellt werden. Nur so viel, schreibt sie auf Anfrage: Die zu beauftragende Person soll die Aufarbeitung ohne Vorgaben durch das Bistum angehen und selbständig ein Konzept erstellen. Andernfalls könne man nicht von Unabhängigkeit sprechen.

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