"Erst der Markt, nun die Molkerei"

"Erst der Markt, nun die Molkerei"

HILLESHEIM. Die Nachricht von der Schließung des Hochwald-Werks in Hillesheim (der TV berichtete) sorgt auch in der Bevölkerung für Bedauern, Frust und Kopfschütteln. Derweil arbeitet der Betriebsrat bereits daran, den Weg für eine Weiterbeschäftigung möglichst vieler Kollegen im Hochwald-Werk in Erftstadt zu ebnen.

Die Radiostationen und Fernsehkameras sind schon wieder vom Hochwald-Werk in Hillesheim abgezogen worden, die angekündigte Werksschließung noch 2006 beschäftigt Belegschaft, Betriebsrat (die ohnehin) sowie die Bevölkerung aber weiter. So sagt Manfred Schmitz, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Hillesheim: "Erst der Viehmarkt, jetzt die Molkerei. Mit deren Aus geht ein weiteres wichtiges Stück Hillesheim verloren, schließlich hat die Eifelperle die Stadt über Jahrzehnte geprägt." (siehe auch Hintergrund). Kollegen erklären sich solidarisch

Vor mehr als 70 Jahren von acht Landwirten in Hillesheim gegründet, steigerte die (auch durch Fusionen) kontinuierlich wachsende Molkerei "Eifelperle"in den 90er-Jahren ihre Jahresproduktion auf 350 Millionen Liter Milch im Jahr und beschäftigte 220 Mitarbeiter. Heute sind es noch 45 sowie zehn Fahrer im werkseigenen Fuhrpark mit vier Tankwagen. Gemeinsam mit drei Speditionen, die mit weiteren sechs Tankwagen unterwegs sind, sammeln sie die Milch bei den Bauern ein. Die Jahresproduktion wurde laut Betriebsleiter Peter Weyhofen vor rund drei Monaten von 140 000 Millionen Liter im Jahr auf 90 000 Millionen Liter gedrosselt. "Seitdem arbeiten auch täglich drei bis vier unserer Leute im Werk in Erftstadt, wofür ein Firmenbus eingesetzt wird", sagt er. Diese Regelung soll möglicherweise auch für diejenigen erzielt werden, die nach Erfststadt wollen und dort auch unterkommen, berichten unisono mehrere Beschäftigten von einem Angebot von Hochwald-Geschäftsführer Karl-Heinz Engel. Gegenüber dem TV hat er sich trotz mehrmaliger Anfrage noch immer nicht zur Zukunft des Hillesheimer Werks und seiner Mitarbeiter geäußert. Damit die Shuttle-Lösung oder die Bildung von Fahrgemeinschaften überhaupt Sinn macht, hat der Hillesheimer Betriebsrat bereits gestern mit seinen Erfstädter Kollegen über eine Vereinheitlichung des Schichtbeginns im Nachbarwerk gesprochen. Betriebsrat Werner Adolphi berichtet: "Die Betriebsratskollegen in Erftstadt erklären sich mit uns solidarisch und wollen nun versuchen, einheitliche Schichtzeiten in allen Abteilungen hinzubekommen. Das ist ein wichtiger Schritt." Hürden bestehen dennoch: Zum einen ist für eine Neuregelung die Zustimmung der Geschäftsführung notwendig, zum anderen werden dadurch Gefüge verändert, die seit Jahrzehnten bestehen. "Da ist noch einiges an Überzeugungsarbeit in der Belegschaft notwendig", sagt der Vorsitzende des fünfköpfigen Hillesheimer Betriebsrats. Das Gremium geht in die Verhandlungen mit der Geschäftsführung mit Unterstützung einer Gewerkschaftsvertreterin und eines Rechtsbeistands. Für kommende Woche soll der Geschäftsführung ein erster Verhandlungstermin unterbreitet werden. Adolphi sagt: "Das soll jetzt so schnell wie möglich losgehen."