Erste Schritte in ein neues Leben - Als Flüchtlingshelferin in Griechenland

Erste Schritte in ein neues Leben - Als Flüchtlingshelferin in Griechenland

Die 27-jährige Prümerin Sabine Klasen hat sechs Wochen lang auf der griechischen Insel Samos als Flüchtlingshelferin gearbeitet. Bald möchte sie wieder dorthin.

Prüm Als vor zwei Jahren die sogenannte Flüchtlingskrise ihren ersten Höhepunkt erreichte, waren nicht nur die kritischen Stimmen laut, auch eine kaum gekannte Welle der Solidarität schwappte über das Land. Nicht nur in Deutschland sind seitdem tausende Ehrenamtler im Einsatz, auch dort, wo Flüchtlinge erstmals europäischen Boden betreten, ist noch immer jede Hilfe willkommen.

Die 27-jährige Prümerin Sabine Klasen stellte sich im Sommer der Herausforderung und flog im Juni auf die griechische Insel Samos. Vor Ort unterstützte sie die Hilfsorganisation "Samos Volunteers" (SV) und packte fleißig mit an.
"Aus den ursprünglich geplanten vier wurden sechs Wochen. Im September werde ich noch mal runter reisen", sagt die in Köln lebende Mitarbeiterin der Vereinten Nationen. Schon lange vor ihrem Hilfseinsatz in der Ostägäis habe sie sich mit dem Thema befasst.

"Ich wollte wissen, was vor Ort möglich ist, und stieß im Internet auf "Samos Volunteers" (englisch für Samos-Ehrenamtler). Die Gruppe wurde 2015 von Helfern gegründet. "Es ist eine kleine Organisation, die damals direkt aus der Hilfe vor Ort entstanden ist", sagt Sabine Klasen. Zwar sei die Initiative abhängig von Spenden, könne aber im Gegensatz zu vielen großen Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) deutlich flexibler reagieren - wichtig für die knapp 35 Mitarbeiter, kümmern sie sich doch besonders um psychosoziale Probleme bei den Flüchtlingen.

"Auf Samos gibt es ein großes Aufnahmecamp. Flüchtlinge, die über den Seeweg gekommen sind, werden dort erst mal untergebracht", sagt Klasen. Die Bedingungen im Camp seien "vorsichtig ausgedrückt nicht gerade optimal". Es bestehe zu großen Teilen aus Zelten, sei meist deutlich über Kapazität belegt und mit Stacheldraht gesichert. "Es erinnert schon etwas an ein Gefängnis, zumal die Menschen, die dort leben, in den ersten Wochen nicht raus dürfen." Eine hohe Belastung für die Geflüchteten. "Mit Sprachkursen, Freizeitangeboten und anderen Dingen versuchen wir, ihnen so viel Struktur wie möglich zu bieten." Ohne dieses Angebot rutsche man schnell in eine depressive Langeweile hinein. Ein Eindruck, den Jayne Grimes, Psychologin von Ärzte ohne Grenzen auf Samos, teilt. In einer weltweit veröffentlichten Pressemitteilung wies die Organisation auf die sich zuspitzende Situation hin. Die Menschen seien vor Gewalt, Tod und Krieg geflohen und hätten eine äußerst gefährliche Flucht hinter sich. "Jetzt werden ihre Ängste und Depressionen verschärft durch die schlechten Lebensbedingungen und dadurch, dass sie keine Informationen über ihren rechtlichen Status erhalten. Sie verlieren jegliche Hoffnung auf eine sichere, bessere Zukunft. Ich treffe oft Menschen, die Selbstmordgedanken haben oder sich selbst verletzen wollen", berichtet Jayne Grimes. Indem man ihnen Ablenkung und einen gewissen Lebensrhythmus biete, versuche man soviel Normalität wie möglich zu schaffen, sagt Klasen.

"Die Leute sitzen den ganzen Tag in ihren Zelten oder Containern. Manche von ihnen warten ein ganzes Jahr lang, bis sie wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Das kann sehr belastend werden, zumal viele traumatisiert sind." Die Angebote von SV seien eine der wenigen Möglichkeiten, einen geregelten Alltag zu bieten. Mittlerweile habe SV im Ort Vathy ein eigenes Gebäude mieten können - das sogenannte Alpha-Zentrum. "Ich habe dort beispielsweise einen Deutschkurs angeboten und fünf junge Männer in meinem Alter unterrichtet." Gerade die Rückmeldung ihrer Jungs sei eine große Motivation gewesen. Denn im Camp "gleicht ein Tag dem anderen - über Wochen, über Monate. Sie sagten, dass unser Angebot ihnen Hoffnung gebe."

Als sie nach Samos gekommen sei, habe sie nicht gewusst, was sie erwarte. "Wenn man das erste Mal vor diesem Camptor steht, ist das ein sehr starker Eindruck und erst mal sehr fremd." Das ändere sich spätestens, "wenn Sie immer mehr Kontakt zu den Menschen bekommen. Täglich gehen wir rum und schenken Tee aus. Es geht morgens um 7 Uhr los. Das mag banal klingen, aber gerade in den arabischen Ländern ist der Tee ein fester Bestandteil der Kultur." Allerdings kümmert sich SV nicht nur um die psychische Gesundheit. "Es wird auch direkte Hilfe bei der Ankunft geboten. Es gibt ein großes Lagerhaus mit Sachspenden. Neuankömmlingen kann so ein Grundstock an trockener, funktionstüchtiger Kleidung angeboten werden."
Das Lagerhaus sei übrigens bestens gefüllt. "Dort gibt es erst mal keinen Mangel, wir sind aber weiterhin auf Geldspenden angewiesen", sagt Sabine Klasen (siehe Info).Extra: SPENDEN GEHEN ZU 100 PROZENT IN DIE ARBEIT

Beim Weltflüchtlingstag: Sabine Klasen packt in einem griechischen Restaurant selber mit an. In einem Amphitheater treffen Flüchtlinge und Einheimische aufeinander (rechtes Bild).Foto: privat. Foto: Frank Auffenberg (aff) ("TV-Upload Auffenberg"


Die Organisation Samos Volunteers (SV) wurde 2015 von ehrenamtlichen Helfern gegründet. Sie finanziert sich ausschließlich über Spenden. Die Mitarbeiter bekommen keine finanzielle Unterstützung. Im sozialen Netzwerk Facebook hat SV eine Beispielliste für Spendenfinanzierungen veröffentlicht. Für 150 Euro könne eine ganze Woche lang der Teeausschank im Camp finanziert werden - immerhin 220 Tassen pro Tag. Wiederum 50 Euro deckten die Kosten des "Gartens der Freundschaft", eines Gemüsegartens, der von den Flüchtlingen gepflegt wird. Mit 12 Euro könne ein Willkommensset finanziert werden. Es stattet Neuankömmlinge mit Socken, Unterwäsche, einem T-Shirt sowie Sandalen und einer Jogginghose aus. Geldspenden können an folgendes Konto überwiesen werden: IBAN ES36 2100 8133 1601 0029 1008, BIC/SWIFT Code CAIXESBBXXX. Weitere Informationen unter www.samosvolunteers.org