Erzieherinnen atmen auf, Bürgermeister üben Kritik

Erzieherinnen atmen auf, Bürgermeister üben Kritik

Nach rund zweijähriger Bauzeit mit Lärm, Staub, Platznot, Überraschungen und Kostensteigerungen ist der erneuerte und erweiterte Kindergarten St. Nikolaus in Birresborn eingeweiht worden.

Birresborn. "Nach zwei Jahren war schon die Luft raus, aber jetzt hat ja Gott sei Dank das Chaos ein Ende." Kindergartenleiterin Walburga Overfeld, seit 39 Jahren in der Einrichtung und seit zwei Jahren deren Leiterin, ist erleichtert. Und sie freut sich sehr über den neuen Kindergarten. Das hat weniger damit zu tun, dass sie nun erstmals ein eigenes Büro hat, das den Namen auch verdient. Bislang hatte sie sich im Personalraum eingerichtet, während der Bauzeit gar im Flur. Vielmehr sind es die neuen Arbeits- und Spielmöglichkeiten für die Kinder und ihre Kolleginnen, die sie begeistern. Und, dass die Arbeiten so gut wie beendet sind. "Jetzt haben wir endlich Licht und Luft, haben Platz in der Küche, für die Vorschulkinder, haben Abstellräume. Es war ja nicht mal ein Einzelgespräch möglich, ohne dass einem jemand über die Schulter geschaut hat", sagt sie. Vor rund zwei Jahren begannen die Arbeiten für die Sanierung des Gebäudes. Dabei wurden die Grundmauern und auch ein bislang ungenutzter Kellerraum trockengelegt und zu einem Werkraum umfunktioniert, in dem die Kinder nun sägen, malen, basteln, hämmern können. Marode Leitungen wurden erneuert. Doch schon dabei kam es, je mehr man bohrte und buddelte, zu Überraschungen. Und die gingen sofort ins Geld. Das setzte sich beim anschließenden Umbau und der Erweiterung der Einrichtung - um Platz für Zweijährige zu schaffen - fort. Erst kürzlich, kurz vor Ende des Gesamtprojekts, sorgte eine marode und letztlich verstopfte Kanalleitung für eine böse Überraschung - im Haus und in der Kalkulation. Denn die komplette Einfahrt musste zur Sanierung aufgebaggert werden.Hell, großzügig, freundlich

Aber auch hausgemachte Fehler wie beschränkte Ausschreibungen mit teuren Ergebnissen, falsche Berechnungen und die Folgen des Baubooms durch das Konjunkturpaket der Bundesregierung machten Probleme. "Da mussten einerseits Preise bezahlt werden, die deutlich über der Kalkulation lagen. Andererseits waren Handwerker am Werk, deren Arbeit erhebliche Qualitätsmängel hatte", sagt Hans-Josef Hunz vom Rathaus in Gerolstein. Letztlich schlug die Sanierung, die bereits abgerechnet ist, mit 55 000 Euro zu Buche. Umbau und Erweiterung werden laut Hunz auf rund 350 000 Euro hinauslaufen. Den Großteil der Kosten haben die Ortsgemeinden zu tragen, aus denen Kinder die Einrichtung besuchen (siehe Hintergrund). Noch im vergangenen Jahr ist mit 300 000 Euro gerechnet worden. Was die Verwaltung daraus gelernt hat? "Dass man bei Altbausanierungen noch viel genauer im Vorfeld hinschauen muss, dass Ausschreibungsergebnisse sehr kritisch zu hinterfragen sind und dass man wohl noch intensiver im Austausch mit der Bauleitung stehen muss", sagt Hunz. Birresborns Ortsbürgermeister Michael Zander ist ebenso wie seine Kollegen einerseits froh über das neue Angebot, von den Kostensteigerungen aber überhaupt nicht erfreut. Er sagt: "Wir müssen ohnehin an allen Ecken und Enden knapsen, da sind Mehrkosten von 30 000 Euro schon eine erhebliche Belastung." Er drängt auf jeden Fall auf eine abschließende "Manöverkritik": "Damit herausgearbeitet wird, wie man so etwas künftig besser macht." Pastor Gerhard Schwan spricht davon, dass bei der Umsetzung zwar "Sand im Getriebe" war. "Jetzt freuen wir uns aber über einen hellen, großzügigen, freundlichen und vor allem sehr kindgerechten Kindergarten und darüber, dass viele junge Familien auf dem Land dank des Angebots nun ihre Zeit ganz anders planen können." Und die Kinder? Die sind nun zum einen Bauprofis, fühlen sich sichtlich wohl in ihrem neuen Zuhause und haben pünktlich zur Einweihungsfeier auch etwas gebaut: einen Mini-Kindergarten.volksfreund.de/fotosDer Kindergarten St. Nikolaus in Birresborn ist für maximal 100 Kinder ausgelegt. Durchschnittlich besuchen ihn 75 Kinder im Alter von zwei und sechs Jahren, zwölf Erzieherinnen arbeiten in der Einrichtung. Mit dem Umbau sind zwölf Plätze für Zweijährige geschaffen worden. Bis Jahresende sind elf davon belegt. Die 35 Ganztagsplätze sind ebenfalls ausgebucht.Betreiber des katholischen Kindergartens St. Nikolaus in Birresborn ist das Bistum Trier, das auch das Personal stellt und bezahlt. Bauträger ist die Verbandsgemeinde Gerolstein im Auftrag der vier Ortsgemeinden Birresborn, Mürlenbach, Kopp und Salm, von wo Kinder die Einrichtung besuchen. Die Kosten für den Umbau übernehmen nach Abzug der Zuschüsse die Ortsgemeinden. Die Beteiligung berechnet sich nach der Anzahl der Kinder, die aus dem jeweiligen Ort in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich den Kindergarten besucht haben. Demnach trägt Birresborn 52,75 Prozent der Kosten, Mürlenbach 30,76 Prozent, Salm 14,29 Prozent und Kopp 2,2 Prozent. Bei Gesamtkosten von 350 000 Euro und nach Abzug der Zuschüsse (60 000 Euro Kreis, 48 000 Land) bleiben 242 000 Euro übrig. Die werden wie folgt aufgeteilt: Birresborn 128 000 Euro, Mürlenbach 74 000 Euro, Kopp 35 000 Euro und Salm 5000 Euro.