Es brodelt gewaltig am Müllenborner See

Infrastruktur : Es brodelt gewaltig am Müllenborner See

Aufruhr im Gerolsteiner Stadtteil: Ortsvorsteherin geht auf die Barrikaden, weil das bei Hitze stinkende Gewässer nur zum Teil ausgebaggert werden sollte. Jetzt kündigt sich doch noch eine zufriedenstellende, aber teurere Lösung an.

Es hätte alles so harmonisch enden und Carola Korell ihre letzten Tage als Ortsvorsteherin genießen und gemütlich ausklingen lassen können: Der Ausbau der Hauptdurchfahrtsstraße (L 24) samt neuer Gehwege und besserer Beleuchtung ist abgesegnet, die Finanzierung steht, das Vorhaben steht kurz vor der Realisierung. Und auch das Herzblut-Projekt, der Umbau des Müllenborner Stausees, der wegen des vielen Schlamms im Sommer immer so stinkt, zum neuen schicken Dorftreff hat nach vielen Jahren des Warten, Planens, Drängens und Immer-Wieder-Erinnerns nun begonnen.

Doch harmonisch ist gerade gar nichts in Müllenborn rund um den See. Vielmehr ist die Ortsvorsteherin auf 180. Mindestens. Denn nachdem die Arbeiten am See begonnen haben, kam der Gemeindearbeiter mit dem Baggerfahrer der beauftragten Firma ins Gespräch. Und beim Plaudern kam dann das Thema auf den Schlamm. Dass das ja viel Zeug sei, wann und wie der denn komplett weggebaggert und entsorgt werde. Und so weiter. Davon, dass er den gesamten Schlamm wegbaggern solle, wisse er nichts. Nur einen Teil, der dann an einen Rand des verkleinerten Seebereichs als Damm/Böschung dienen solle, meinte der Baggerfahrer. Und löste so eine Kette von Spekulationen, Fragen, vielen Telefonaten, Gesprächen und Treffen aus. Denn als diese Information die Ortsvorsteherin erreichte, „bin ich fast aus der Hose gesprungen“, regt sich Carola Korell noch immer tierisch auf. Sie sagt: „Das Ausbaggern des gesamten Schlamms, der ausgast und stinkt und deshalb den See als Treffpunkt unmöglich macht, war stets der Grund dafür, dass wir den Umbau wollten. Wofür wir jahrelang gekämpft haben.“

Sie nahm das Telefon zur Hand, schrieb Mails und kontaktierte: den Stadtbürgermeister, die Gerolsteiner Bauverwaltung, das Planungsbüro Reihsner, den beauftragten Bauunternehmer Backes und, und, und. Und sie nahm Kontakt zu Stadtrats- und Bauausschussmitgliedern auf, weil sie wissen wollte, ob es eine Umplanung gab, wann die vorgenommen worden sei, wer diese veranlasst habe. Doch keiner, so Korell, habe etwas gewusst. „Und vor allem wollte ich wissen: Warum der Ortsbeirat und ich nichts von alledem wussten, sondern das per Zufall erfahren mussten.“

Und genau hier gehen die Aussagen auseinander. Darauf vom TV angesprochen, sagt Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (CDU) nachdem er inmitten all der Aufregung mit dem Planer und dem Gerolsteiner Bauamtsleiter geredet hat und sich auf den neuesten Stand der Dinge hat bringen lassen: „Es war nicht vorgesehen, weniger zu machen. Es gibt keine andere Beschlusslage als die anfangs ausgedachte. Es gab von niemandem einen Alleingang. Das Becken wird komplett geleert, das Sediment kommt raus, soweit es geht.“ Also alles gut?

Planer Sebastian Reihsner will sich auf TV-Anfrage „nicht zu dem Projekt äußern“, sondern verweist auf die Gerolsteiner Bauabteilung. In einer Mail an Ortsvorsteherin Korell, die dem TV vorliegt, bestätigt er aber, dass es eine Umplanung gegeben habe – und widerspricht damit klar der Darstellung des Stadtbürgermeisters. Darin schreibt Reihsner: „Das komplette Ausbaggern wurde aus Kostengründen relativ früh von der SGD und dem Ministerium als nicht förderfähig eingestuft und daher auch nicht ausgeschrieben. Diese Arbeiten hätten zu massiven Überschreitungen des Kostenrahmens geführt.“

Der Stadtbürgermeister räumt ein, dass das Projekt 10 000 bis 15 000 Euro teurer wird, sich die Kosten auf rund 110 000 Euro summieren. Weil nun doch mehr Schlamm rausgeholt werden soll? Diese Frage bleibt ebenso offen wie die, woher das zusätzliche Geld kommen soll.

Auf eine andere Frage – ob sich die Müllenborner Ortsvorsteherin  umsonst aufgeregt habe, wenn doch alles so läuft wie von Anfang an geplant – wiederum hat der Stadtbürgermeister eine klare Antwort: „Frau Korell hat sich von der Aussage eines Baggerfahrers verrückt machen lassen und dann sogar deutlich überreagiert. Ich denke, das ist alles schon Wahlpropaganda.“

Im vorderen Bereich des Sees wird ein Damm aufgeschüttet. Am wichtigsten aber ist, dass der stinkende Schlamm komplett entsorgt wird. Foto: TV/Mario Hübner

Damit konfrontiert, geht die Ortsvorsteherin, die sich wegen der nun rasch gefundenen Lösung gerade erst wieder beruhigt hat, wieder an die Decke. „Überreagiert? Ich? Das ist eine Unverschämtheit! So einen Mist kann ich nicht hören! Hätte ich nicht so einen Aufstand gemacht, hätten die das Wasser auf den Dreck laufen lassen, keiner hätte etwas gemerkt, und wir hätten uns im Sommer gewundert, weshalb der ,neue’ See genauso stinkt wie der alte. Und trotzdem viel Steuergeld dafür verschwendet“, betont sie – und sagt an die Adresse von Bongartz: „Es ist schon beachtlich, dass der Stadtbürgermeister jegliche Verantwortung abgelehnt hat. Die Stadt ist doch der Auftraggeber des Projekts. Oder etwa nicht?“