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"Es geht immer irgend etwas"

"Es geht immer irgend etwas"

Im Rahmen der "Inklusionsinitiative Trier" (siehe Extra) begleitet Cornelia Müller-Saxler im Landkreis Vulkaneifel Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen auf der Suche nach Arbeit oder Ausbildungsplatz. Zu ihrem Konzept gehören auch Gruppentermine mit Referenten wie Christel Utters von der "Wirkstatt" in Dockweiler oder Andrea Revers von "Revers Communication" in Leudersdorf.

Daun. Kinoplakate und Zimmerlinde, Kaffeemaschine und Süßigkeiten, Korbstühle und Freischwinger: In dem Gruppenraum im Erdgeschoss des früheren Internatsgebäudes in der Freiherr-vom-Stein-Straße 16 können Besucher sich auf Anhieb wohl und willkommen fühlen.
Bonbon für Betroffene


Hier ist seit dem 1. Januar 2015 Cornelia Müller-Saxler als Leiterin der Inklusionsintiative Daun tätig. Die 58-Jährige ist Betriebswirtin, zertifizierte Trainerin, Diplom Senior-Coach. An diesem Vormittag hat sie einen Gruppentermin angesetzt, eine Frau und vier Männer nehmen ihn wahr. "Freiwillig", betont Cornelia Müller-Saxler. Und sagt: "Die Inklusionsinitiative ist ein Bonbon für betroffene Menschen aus unserer Region."
Wer also im Landkreis Vulkaneifel wohnt und mit körperlicher oder seelischer Behinderung oder Einschränkung arbeitslos ist und eine Arbeit oder einen Ausbildungsplatz sucht, kann sich an den Fachdienst wenden oder wird von der Agentur für Arbeit oder vom Jobcenter zugewiesen. 18 Plätze stehen zur Verfügung; der Projektzeitraum umfasst ein Jahr, kann aber im Bedarfsfall um bis zu sechs Monate verlängert werden. Am Anfang steht ein Kennenlerngespräch.
"Eine vertrauensvolle Beziehung ist wichtig, aber ich nehme niemanden in die Mangel", erklärt Cornelia Müller-Saxler. In weiteren Einzelgesprächen geht es um die persönlichen Interessen und Kompetenzen der Kunden, und es werden realistische berufliche Perspektiven entwickelt. "Erst muss die Basis stimmen, bevor es an die Bewerbung geht", lautet Müller-Saxlers Credo - "sonst ist das Scheitern vorprogrammiert."
Ihr Blick sei immer auf das gerichtet, was möglich sei. "Und es geht immer irgend etwas", meint sie. Ob nun die Vermittlung eines Arbeitsverhältnisses bereits nach vier Wochen gelingt, wie im Fall einer Kundin, oder wie in einem anderen Fall in der Aufnahme in einer so genannten beschützenden Werkstatt mündet. "Für einen weiteren Kunden waren die Frührente und seine Vermittlung in eine ehrenamtliche Aufgabe die beste Lösung", erzählt Müller-Saxler. So hätten seit Beginn des Projekts elf besonders schwer vermittelbare, behinderte oder benachteiligte Menschen erstmals den Sprung ins Arbeitsleben oder den Wiedereinstieg geschafft.
Was die Leiterin des Projekts besonders freut, sind die Patenschaften, die Kunden mit großer sozialer Kompetenz untereinander übernehmen.
"Und ich lege viel Wert darauf, dass jeder auf seine eigenen Stärken schaut und gut auf sich selbst achtet", erklärt Cornelia Müller-Saxler. Darum hat sie für das heutige Gruppentreffen Christel Utters von der "Wirkstatt" Dockweiler eingeladen. Stille- und Achtsamkeitsübungen, inneres Erforschen und achtsame Dialoge stehen auf dem Plan.
"Ich habe keinerlei Angst und Druck verspürt", sagt ein Teilnehmer am Ende. "Es hat mir gut getan, mit Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich, offen sprechen zu können." Und meint: "Von meinen Problemen will doch sonst keiner was wissen."
Kontakt und Info: Integrationsfachdienst, Cornelia Müller-Saxler, Freiherr-vom-Stein-Straße 16, 54550 Daun, Telefon 06592/981712, E-Mail: saxler@inklusion.de , Internet: <%LINK auto="true" href="http://www.ifd-trier.de" text="www.ifd-trier.de" class="more"%>.
Extra

Die Inklusionsinitiative Trier ist Teil eines 80-Millionen-Euro-Bundesprogramms zur intensiven und individuellen Betreuung und Integration schwerbehinderter Menschen in den Arbeitsmarkt. Jeder Projektteilnehmer erhält einen Förder- und Integrationsplan, der auch 1000 Euro für individuelle Hilfen enthält. Das Angebot für den Landkreis Vulkaneifel steht in Trägerschaft vom SKM, einem katholischen Verein für soziale Dienste, der auch im Landkreis Bernkastel-Wittlich zuständig ist; dort wird die Inklusionsinitiative von Christoph Eichhorn geleitet. bb