Es gibt nachts wenige dunkle Ort, weil die Lichtverschmutzung zunimmt

Kostenpflichtiger Inhalt: Natur : Gesucht: Die dunkle Seite der Eifel-Nacht

Der Nationalpark Eifel ist ein Sternenpark. Wenige Orte führen dieses Prädikat. Denn wenig künstliches Licht ist dafür Voraussetzung.

Unterwegs im Nationalpark Nordeifel. In der Dämmerung führt der Weg nach Vogelsang, Internationaler Platz, zu einem vereinbarten Treffen mit Harald Bardenhagen. Der Kölner ist Astronom und hat vor zehn Jahren den Nationalpark Nordeifel für sich entdeckt. Fast jeden Samstag lädt er die Sternengucker der Region ein, mit ihm den Nachthimmel zu entdecken – außer es stehen zu viele Wolken am Firmament, dann sagt er die Touren ab.

„Vor vielen Jahren habe ich einen Flecken gesucht, um die Menschen aus der Großstadt Köln mit auf meine Reisen durch das Universum zu nehmen“, erzählt Bardenhagen nach der kurzfristigen Absage dann am Telefon. Als er dann das erste Mal zur früheren NS-Ordensburg Vogelsang kam, habe sein Herz sofort für den Ort geschlagen. „Man sieht die Milchstraße und andere Sternenwelten sehr gut“, sagt der Astronom weiter.

Nach einer ersten astronomischen Nachttour mit mehr als 100 Gästen standen auch die Verantwortlichen des Nationalparks Nordeifel an seiner Seite. Man erarbeitete gemeinsam ein Konzept, um in die Familie der International Dark-Sky Association (IDA) aufgenommen zu werden. Die Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, Orte vor zu viel Lichtimmissionen zu schützen. Ihr gehören weltweit über 60 Nationalparks, Naturparks und Kommunen an; in Deutschland sind dies der Nationalpark Eifel, der Naturpark Rhön (Hessen), der Naturpark Westhavelland (Brandenburg), die Winklmoos-Alm (Bayern) und die Stadt Fulda (Hessen).

Als Erstes intensiv mit dem Thema Lichtverschmutzung auseinandergesetzt hat sich Sabine Frank. Sie ist bislang die einzige Lichtschutzbeauftragte in Deutschland, die für eine Kommune arbeitet (siehe Interview auf dieser Seite). „Es ist ein Querschnittsthema. Es geht um Bau- und Naturschutzrecht, um Energiefragen und um Fragen des Artenschutzes“, sagt Frank. Sie wirbt für ein einheitliches Lichtschutzrecht im Bund. Nur so könne man auch Einfluss auf die Kommunen in den Nachbarkreisen nehmen. „Denn das Problem Lichtverschmutzung endet nicht an Verwaltungsgrenzen. Hier ist ein ständiger Dialog untereinander wichtig“, sagt Deutschlands einzige Lichtschutzbeauftragte weiter.

Wie schaut es in der Region aus? Mehrere Gemeinden im Norden der Vulkaneifel, darunter Hallschlag, Feusdorf und Lissendorf, schalten nachts ihr Straßenlicht aus. Bei dieser Entscheidung spielten allerdings Naturschutzgedanken keine Rolle. Entscheidend waren viel mehr die leeren Kassen der Gemeinden. Ob inzwischen weitere Kommunen nachts das Licht zum Teil ausschalten, konnte die Kreisverwaltung in Daun auf TV-Anfrage nicht beantworten. „Wir betrachten das Thema Lichtverschmutzung aus den Perspektiven des Klimaschutzes, der Biodiversität und der Nachhaltigkeit. Wir können hier die Ortsgemeinden lediglich sensibilisieren, motivieren und unterstützen“, sagt Verena Bernardy, Pressesprecherin des Vulkaneifelkreises. Hierzu habe es bislang zwei Workshops mit den Bürgermeistern aus dem Vulkaneifelkreis gegeben. Um die Lichtverschmutzung zu stoppen, sei es wichtig, Überbeleuchtung zu vermeiden und die richtige Lichtfarbe zu wählen. „Im Klimaschutzkonzept des Landkreises Vulkaneifel ist eine Effizienzsteigerung der öffentlichen Beleuchtung festgeschrieben“, sagt Bernardy weiter. Letztlich seien aber die Einflussmöglichkeiten des Kreises eingeschränkt, da man keinen Einfluss auf die kommunalen Ausschreibungen zum Thema Straßenlicht habe.

Nachthimmel über der Eifel. Foto: Landkreis Euskirchen. Foto: Landkreis Euskirchen/Silvia Vanselow
Startrails von der Van-Neels-Brücke aus gesehen: Foto: Harald Bardenhagen. Foto: Harald Bardenhagen
Wegen der Erdrotation verwischen Sterne bei nächtlichen Langzeitbelichtungen zu Bögen. Diese Aufnahme zeigt den Sternenhimmel über der Kirche von Wollseifen im Nationalpark Nordeifel. Foto: Harald Bardenhagen

Harald Bardenhagen und Sabine Frank haben auf ihren nächtlichen Exkursionen mit vielen Menschen über das Thema Lichtverschmutzung gesprochen. „Viele sind begeistert, wenn sie von relativ Licht-freien Plätzen in den Nachthimmel zur Milchstraße schauen. Ihnen wird dann schnell klar, wie klein und zerbrechlich die Erde im Universum ist“, berichten beide fast wortgleich. Und dabei muss man noch nicht einmal darüber sprechen, wie gut es für Mensch und Natur ist, wenn die Dunkelheit sie umfängt.

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