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"Es hätte viel schlimmer kommen können"

"Es hätte viel schlimmer kommen können"

Bei einem Verkehrsunfall am 16. Juli 1998 wurde der damals 17-jährige Tobias Krämer lebensgefährlich verletzt und ist seither querschnittsgelähmt. Der Trierische Volksfreund berichtete über die Benefizkonzerte und Aktionen zu seinen Gunsten und über seine Hochzeit mit Friederieke Krumeich. Heute - zehn Jahre nach dem Unfall - stehen die Zukunftspläne des jungen Ehepaares im Blickpunkt.

Daun-Neunkirchen. "Wir denken schon eine ganze Weile über Veränderungen nach", sagen Tobias und Friederieke Krämer, beide 27. "Jetzt sind wir mutig genug und gespannt, wie sich unsere Entscheidungen auswirken." Dass Menschen ihre einmal gefasste Lebensplanung überdenken und korrigieren, ist durchaus an der Tagesordnung. Doch wer einen Blick auf das Leben dieses jungen Paares wirft, entdeckt bald, auf wie viel Schicksal bedingten Begebenheiten ihre Entscheidungen basieren.

Schreinerlehre, Fußball und Musik waren Eckpunkte in Tobias Krämers jungem Leben, bis der Unfall passierte - als Beifahrer auf dem Weg zur Ausbildungsstätte in Weinsheim bei Prüm. Querschnittslähmung mit Einschränkungen beider Arme und Beine war die Folge. "Zehn Jahre Rolli", sagt Tobias Krämer. Und dann: "Es hätte viel schlimmer kommen können." Er erzählt von dem Glück, dass ihn seine Familie - er ist das älteste der acht Kinder von Horst und Theresia Krämer - und sein Freundeskreis immer unterstützt haben, dass Kommunionkinder, Schulklassen, Vereine "und wer sonst noch alles" Geld für einen Elektro-Rollstuhl und ein mobiles Treppensteigegerät gespendet haben. Deshalb sei in den vergangenen zehn Jahren vieles besser und einfacher gelaufen, als er es sich zunächst vorgestellt habe. "Schreib' bitte: ‚Danke dafür'", sagt er. Tobias Krämer wurde Fachinformatiker und bekam vor fünf Jahren eine Stelle bei einer Firma in Nerdlen.

Zu seinem Glück gehört auch die hübsche Frau an seiner Seite. Sie kennt die Hilfsaktionen aus den ersten Jahren nach dem Unfall nur vom Erzählen. "Vor kurzem haben wir uns noch mal all' die Plakate, Berichte und Briefe angeschaut", sagt sie. "Einfach toll, was damals gelaufen ist", findet die gelernte Krankenschwester und zuletzt als pädagogische Fachkraft an der Neuwieder Förderschule für Körperbehinderte tätige junge Frau. Vor fünf Jahren hatten die beiden sich bei einem Rugby-Turnier kennengelernt - er als Spieler bei den "Koblenz Speedos", sie als Zuschauerin. Seit drei Jahren sind sie verheiratet. Nach zwei Jahren in einer Koblenzer Stadtwohnung leben sie nun in dem behindertengerechten, mit vielen liebevollen Details schön eingerichteten Haus im Daun-Neunkirchener Goldammerweg.

"Links und rechts steil runter und gegenüber steil bergauf", beschreibt Tobias Krämer die unmittelbar vor der Haustür liegenden geografischen Barrieren, die das Leben in der Eifel mit sich bringen. "Jedes zweite Geschäft in Daun ist für mich tabu", erklärt er bedauernd.

"Wer nicht wagt, der nicht gewinnt"



Dennoch habe das Leben hier mehr Vor- als Nachteile - "gerade jetzt", meint er mit Blick darauf, dass er und seine Frau ihre bisherigen Arbeitsstellen gekündigt und neue Pläne geschmiedet haben. "Ich lege zunächst ein Trainingsjahr ein", sagt Tobias Krämer. Will heißen: Zur Stärkung der Muskulatur und für mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit noch mehr Krafttraining, Rugby und Krankengymnastik als bisher. Parallel dazu bahnt sich eine berufliche Umorientierung an. "Ich möchte nicht mehr ausschließlich am Computer arbeiten, sondern hätte gern mehr persönlichen Kontakt mit Menschen", erläutert er. "Wir sind beide im Umbruch", ergänzt Friederieke Krämer und erzählt: "Ich wechsle vom sozialen zum kreativen Bereich und möchte Fotografin werden." Dann lachen die beiden sich an und sagen fast wie aus einem Mund: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt."