"Es ist besser, sich zu trennen"

"Es ist besser, sich zu trennen"

GEROLSTEIN. Gegen den Betreiber eines Fitnessstudios in Gerolstein, der mit einer Mini-Kamera heimlich Frauen auf der Sonnenbank gefilmt hatte, hat die Staatsanwaltschaft noch keine Anklage erhoben. Das Pachtverhältnis mit der Verbandsgemeinde ist mittlerweile beendet. Die Räume sollen anderweitig vermietet werden.

Ende Juni schlugen die Wellen in der Brunnenstadt hoch. Besucherinnen des Fitnessstudios, der Sonnenbank und der Sauna fühlten sich hintergangen. Über einen längeren Zeitraum soll der 29-jährige Fitnesstrainer Frauen heimlich gefilmt haben. Bei einer Mitgliederversammlung sagte der Beschuldigte etlichen Frauen, ob er sie gefilmt hatte oder nicht (der TV berichtete). Die Kriminalpolizei sichtete mehrere Hundert Stunden Filmmaterial, das sichergestellt worden war und vernahm einige betroffene Frauen. Die Ermittlungen sind mittlerweile abgeschlossen und die Akten an die Staatsanwaltschaft übersandt. Triers Leitender Oberstaatsanwalt Horst Roos erklärt: "Wir prüfen derzeit die Akten. Außerdem müssen wir vor der Anklageerhebung noch einigen Ersuchen von Anwälten nachkommen, die Akteneinsicht beantragt haben." Wie viele Frauen Anzeigen erstattet haben, wollte Roos nicht sagen. Auf die Frage, ob der 29-Jährige aus den Filmaufnahmen Profit im Internet oder via DVD-Verkauf geschlagen habe, antwortet Roos: "Nein, es geht um rein private Nutzung." Hans-Josef Ewertz aus Daun ist der Verteidiger des Fitnessstudio-Betreibers. Er resümiert: "Es ist ruhig geworden. Einige Mitglieder sind ausgetreten, aber die meisten sind geblieben." Konsequenzen von Seiten des Gewerbeamtes habe es bisher zu dem laufenden Verfahren nicht gegeben. Doch auch drei Monate nach Bekanntwerden der Vorfälle sind einige Frauen noch tief betroffen und fühlen sich verletzt. Dem TV sagte eine: "Ich bin nicht mehr dahin gegangen, auch nicht in die Sauna. Selbst ins Freibad konnte ich nicht gehen, weil ich dann an den Räumen vorbei musste, und das schmerzte zu sehr." Im Gerolsteiner Rathaus war man von den Spanneraktivitäten des Betreibers und den daraus resultierenden Wogen alles andere als begeistert. Karl Servatius, kaufmännischer Werkleiter, sagt: "Nach Gesprächen ist die gemeinsame Entscheidung gefallen, dass es für beiden Seiten sinnvoller ist, sich zu trennen." Zum Monatsende ist der 29-Jährige aus dem Hallenbad ausgezogen und hat sein Fitnessstudio in die Raiffeisenstraße verlegt. Bereits vor einem Monat wurden die Räume ausgeschrieben. Sie sollen weiterhin in der Wellness-Branche genutzt werden. Servatius erklärte: "Es gibt mehrere Bewerber. Die Sondierungsgespräche führt die Bitburger Betreibergesellschaft, mit der wir für das Hallenbad kooperieren." Zu langen Leerständen würde es wahrscheinlich nicht kommen. Demnächst sollen die neuen Mieter vorgestellt werden.

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