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Es kann wieder gebohrt werden

Es kann wieder gebohrt werden

Über die Kooperation der Forstämter aus Gerolstein und Oberschlesien hat die Ortsgemeinde Birresborn nach zwei Jahren eine neue Zahnärztin für die leerstehende Praxis im Ortskern gefunden. Monika Dawleska musste vor der Eröffnung viele Hürden im deutschen Behörden-Dschungel nehmen.

Birresborn. Hubert Rick, Förster in der Kyllgemeinde, war einer der ersten Patienten. Gemeinsam mit Ortsbürgermeister Josef Bach hat er die Sache eingefädelt. Seit 18 Jahren unterhält das Gerolsteiner Forstamt mit drei Forstämtern in Oberschlesien eine enge Kooperation. Beim Besuch während der Pfingstfeiertage 2006 entwickelten Bach und Rick die findige Idee, in Polen nach einem Nachfolger für die Zahnarztpraxis zu suchen. Der Vorgänger hatte Mitte 2005 zum Jahresende gekündigt. Drei Interessenten sind wieder abgesprungen

Bach erklärt: "In deutschen Fachblättern gaben wir etliche Anzeigen auf. Drei konkrete Interessenten sprangen alle letztendlich ab, weil ihre Familien nicht aufs Land ziehen wollten." In Oppeln besuchten die beiden Birresborner dann eine Zahnärztin und baten darum, eine sprachlich korrekt formulierte Anzeige in der polnischen Zahnarztfachpresse aufzugeben. Außerdem baten sie sie, als Kontaktperson für die Kyllgemeinde aufzutreten. Bach erklärt: "Wir wollten erst gar keine Berührungsängste aufkommen lassen." Die Rechnung ging auf. Die 54-jährige Dawleska las die Anzeige. Sie sagte: "Kurz darauf waren mein Mann und ich wegen einer anderen Angelegenheit in Deutschland. Wir haben uns Birresborn angesehen, und alles hat uns gut gefallen." Das Paar hat viele Bekannte in Deutschland. Dawleska: "Es war unser Traum, nach Deutschland umzusiedeln." Im März 2007 kam die dreiköpfige Familie in Birresborn an. Der Bauingenieur hat schon einen Job gefunden, und die Tochter studiert. Der Sohn der Familie ist auch Zahnarzt. Er hat eine Privatpraxis in Stettin. Bis seine Mutter allerdings in Birresborn zum Bohrer greifen konnte, vergingen noch fast elf Monate. Es gab eine Menge Zulassungsschwierigkeiten. Außerdem musste die Zahnärztin einen Deutschsprachkurs absolvieren. Bach erklärt: "Die Hürden wurden scheinbar von Monat zu Monat höher. Es war wie eine Erlösung, als am 5. Dezember die kassenärztliche Zulassung ausgesprochen wurde." Daraufhin modernisierte die Zahnärztin die Praxis. Sie schaffte ein neues digitales Röntgengerät an und richtete ein Prophylaxe-Zimmer ein. Sie hat große Erfahrung, weil sie in Polen bereits 20 Jahre lang eine Praxis betrieb. Zwei Arbeitsplätze besetzen die ehemaligen Arzthelferinnen. "Probleme haben unseren Traum nicht zerstört"

Bach denkt voller Lob an den Vorgänger, der 18 Jahre lang die Räume im ehemaligen Rathaus gemietet hatte: "Er hatte die Einrichtung stehen gelassen und nicht direkt verkauft, so dass wir eine gut ausgestattete Praxis vorweisen konnten. Wir danken ihm für seine Geduld." Für das Dorf sieht der Ortsbürgermeister mit der Neubesetzung eine deutliche Aufwertung, weil die wohnortnahe Versorgung der immer älter werdenden Bevölkerung gesichert sei. Monika Dawleska hat sich von den Schwierigkeiten nicht die Lust auf den Neuanfang nehmen lassen. Sie sagt: "Die Probleme haben unseren Traum nicht zerstören können."