"Es macht einfach Spaß, zu gewinnen" - 90-jährige aus Walsdorf ist landesweit die beste Dame im Siebenschräm

"Es macht einfach Spaß, zu gewinnen" - 90-jährige aus Walsdorf ist landesweit die beste Dame im Siebenschräm

Anni Oswald hat die in Ulmen ausgetragene Rheinland-Meisterschaft im Siebenschräm in der Damenwertung gewonnen, und sie war die Älteste unter den mehr als 200 Teilnehmern. Die Leidenschaft für das schnelle Kartenspiel habe sie vor 50 Jahren gepackt, erzählte die 90-Jährige jetzt dem Trierischen Volksfreund.

Walsdorf. Wer Anni Oswald begegnet, glaubt kaum, dass sie schon 90 Jahre alt ist. So gewandt bewegt sie sich, ihre Augen blitzen fröhlich und wenn sie erstmal erzählt: alles sehr lebendig und mitreißend - ob es sich nun um die Umstände ihrer Flucht aus ihrem Geburtsland Ungarn handelt, die Ankunft und das Aufgenommenwerden in der Eifel, das Familienleben mit drei Kindern, die Wanderungen und Reisen mit ihrem Ehemann Karl oder Geschichten von der Seniorengymnastik, zu der sie seit 30 Jahren jede Woche geht.

Der TV war ei Anni Oswald, um mit ihr über ein altes Eifeler Kartenspiel zu sprechen, das Siebenschräm. Schließlich ist Anni Oswald die Beste im Land. Hat sie doch bei der jüngsten Rheinland-Meisterschaft im "Siebenschräm" in der Damen-Wertung gewonnen.
Noch hat Anni Oswald den Siegerpokal nicht zu den 20 anderen in die Vitrine gestellt. "Ein paar davon hat ja auch mein Mann gewonnen", erklärt sie. Noch hat sie die Urkunde nicht zu dem bisherigen Stapel in die Mappe gelegt. Auch ein Buch und zwei Eintrittskarten, die sie als Sachpreise bei der Meisterschaft gewonnen hat, zeugen noch vom Wettbewerb im "Siebenschräm-Mekka" Ulmen. Nicht nur, dass Anni Oswald - zum dritten Mal nach 1990 und 2013 - in der Damenwertung das Spiel für sich entschieden hat. Sie war auch unter allen Teilnehmern die Älteste.

Das ist insofern auch bemerkenswert, als es bei dem Kartenspiel weniger auf Glück als auf Gewandtheit und Schnelligkeit ankommt. Und natürlich auf die sieben Striche des Verlierers, von denen das Spiel, das aus der Wirtshauskultur der Eifel hervorgegangen ist, seinen Namen hat (siehe Extra).Sie treffen sich schon ´Jahrzehnte



Eine unbeschwerte Kindheit und Jugend in Ungarn, dann aber kriegsbedingt dramatische Jahre mit Zwangsarbeit in Russland und Flucht nach Bayern lagen schon hinter Anni Oswald, als sie 1953 mit ihrem Ehemann und ihren Eltern in die Eifel kam. Zunächst auf einen gepachteten Bauernhof in Stroheich, dann auf den eigenen in der Walsdorfer Hauptstraße.

1970 bezog die Familie ihr Haus in der Felsbachstraße. Zu dem Zeitpunkt gab es schon seit ein paar Jahren den Siebenschräm-Club, den das Ehepaar Oswald mit Freunden und Verwandten zusammen gegründet hatte. Karl Oswald starb vor sechs Jahren. Die Clubtreffen am Montagabend wurden beibehalten.
"Wir sind zu siebt und treffen uns reihum, mal bei dem einen, mal bei dem anderen, immer um halb sieben und spielen zehn Spiele. Wir essen zusammen und unterhalten uns über Gott und die Welt", sagt Anni Oswald. Die Siebenschräm-Abende würden sie fit und auf dem Laufenden halten. Was sie am Kartenspielen fasziniert: "Es macht einfach richtig Spaß, zu gewinnen."Extra

Siebenschräm wird mit einem Skatblatt und mindestens zwei Teilnehmern gespielt. Jeder Spieler erhält vier Karten. Den höchsten Wert hat die Zehn, gefolgt von Neun, Acht, Sieben, Ass, König, Dame, Bube. Ein Spieler spielt eine Karte auf. Die anderen müssen die gleiche Farbe spielen oder eine andere Farbe ablegen. Derjenige, der die Spielkarte mit dem höchsten Wert in der vorgegebenen Farbe ablegt, darf beim nächsten Mal aufspielen. Wer den vierten Stich holt, gewinnt. Jeder Spieler hat aus dem Spielbogen ein Guthaben von sieben Schräm. Wer verliert, verliert einen Schräm. Nur der Sieger behält alle Schräm. Klopfen verdoppelt den Verlust. Die Verlierer bekommen zwei, wird mehrmals geklopft entsprechend mehr Schräm strichen. utz