Es swingt und schmeckt: das war das Oldtime and New Orleans Jazz Festival in Gerolstein

Es swingt und schmeckt: das war das Oldtime and New Orleans Jazz Festival in Gerolstein

Gerolstein ist nun "Dixiestadt". Jazzmusik an jeder Ecke, gebratene Heuschrecken und eine mitreißende Messe am Sonntag sind definitiv ein Alleinstellungsmerkmal.

Foto: Vladi Nowakowski (now) ("TV-Upload Nowakowski"
Foto: Vladi Nowakowski (now) ("TV-Upload Nowakowski"

Na gut. In New Orleans ist es Alltag, wenn an jeder Straßenecke eine Gruppe Musiker steht, die mal soeben den Passanten ein Ständchen spielt. Aber, wer bitte kommt auf die Idee, das lockere Lebensgefühl aus dem äußersten Süden der USA nach Gerolstein zu verpflanzen? Die Verantwortlichen sind schnell gefunden - und weil das erste "Oldtime and New Orleans Jazz Festival" in der Brunnenstadt großen Anklang findet, grinsen Hans-Hermann Grewe, Frank Reuter und Peter Sodermanns über alle Wangen. "Das Festival wird fortgesetzt, und alle Sponsoren sind dankenswerterweise auch im kommenden Jahr mit im Boot", sagt Frank Reuter am Samstagabend.

Die Zusammenarbeit des Tourismusvereins Vulkaneifel (TVV), der Jazzinitiative Eifel und der Gerolsteiner Slaughterhouse Jazzband trägt Früchte, denn zum Konzert der weltweit bekannten Barrelhouse Jazzband am Samstag im Rondell kommen weit mehr als 300 Zuschauer. Auch die Verbandsgemeinde und die Stadt Gerolstein haben das Festival unterstützt - Bürgermeister Friedhelm Bongartz tauft seine Gemeinde kurzerhand um: "Wir heißen ab heute "Clearwater Dixiestein", ruft er von der Bühne, bevor die Barrelhouse Jazzband den Saal zum Kochen bringt. Seit unglaublichen 64 Jahren ist die Truppe unterwegs, und auch nach etlichen Umbesetzungen ist das, was da von der Bühne kommt, authentischer, mitreißender Old-School-Jazz, der groovt, als ob es kein Morgen gäbe. "Wir spielen für die Leute", sagt Sänger und Posaunist Horst "Morsch" Schwarz vor dem Konzert. "Das, was die Veranstalter hier leisten, ist eine tolle Sache", fügt er hinzu und meint damit die große Anzahl der Zuhörer im Rondell.

Nach dem Konzert ist vor dem Konzert Am nächsten Vormittag sind viele der Jazz-Fans in der Gerolsteiner St.-Anna Kirche versammelt. Der katholische Pfarrer Ralf-Pius Krämer und sein evangelischer Kollege Roman Hartmann lesen die Messe gemeinsam. Zu Gast ist der Gerolsteiner Gospelchor "Stimmbänd", und wieder fühlt man sich in ferne Gefilde versetzt: In der Kirche wird mitgeklatscht, mitgesungen und gelacht, die Besucher halten sich an den Händen und zum Schluss der Messe marschiert eine leibhaftige Marching-Band ein, die "When the Saints Go Marching in" intoniert. "Wer sich wundert: Wir sind lediglich auf der Suche nach dem guten Ton", sagt Pfarrer Ralf-Pius Krämer, bevor er Saxophone, Banjos, Trompeten und auch gleich ihre Besitzer segnet.

Weiter unten auf dem Marktplatz ist seit Samstag das Streetfood-Festival in Gerolstein zu Gast, eine willkommene Ergänzung für hungrige Jazz-Fans und Brunnenstadtbesucher, die gerne auch Exotisches genießen wollen. Bei Insektenkoch Frank Ochmann sind sie, was Exotik anbelangt, an der richtigen Adresse. Der Berliner, bekannt aus der TV-Sendung Dschungelcamp, kredenzt Wüstenheuschrecken oder auch Mehlwürmer - schmackhaft und mit gesunden Zutaten zubereitet. "Das ist, was den Speiseplan auch inzwischen vieler Europäer, angeht, nicht mehr die große Nische, die sie war, als ich vor 15 Jahren damit angefangen habe", sagt Ochmann. "Es geht schlicht um Nachhaltigkeit - Insekten als Speise sind unsere Zukunft", sagt der Insektenkoch und schmeißt einige Heuschrecken in die Pfanne, die soeben zwei ältere Damen bei ihm bestellt haben.

Mehr von Volksfreund