"Es werden noch einige Landwirte aufgeben"

"Es werden noch einige Landwirte aufgeben"

Ein Jahr als neuer Vorsitzender des Kreisbauernverbands Daun hat Helmut Daun aus Hörscheid nun auf dem Buckel, Zeit ein erstes Resümee seiner Amtszeit zu ziehen. Der TV sprach mit ihm über Prämien, Milchmengen, Energiewende und Globalisierung.

Hörscheid. 32 Jahre lang war Leo Blum Vorsitzender des Kreisbauernverbands Daun, fast zehn Jahre davon war Helmut Daun sein Stellvertreter. Seit 1. Januar 2012 ist der 52-jährige Landwirt aus Hörscheid neuer Vorsitzender, seine Bilanz nach einem Jahr: "Die Zusammenarbeit mit allen war gut, wir haben einiges bewegt bekommen. Ein wichtiger Punkt meiner Arbeit wird es sein, den Flächenverbrauch vor Ort einzudämmen und die Außendarstellung der Landwirtschaft zu verbessern", sagt der Hörscheider.
Der Rückgang der Landwirtschaft wird jedoch nicht aufzuhalten sein. Daun sagt: "Es werden noch einige Landwirte aufgeben, weil sie keine wirtschaftliche Alternative mehr sehen, der behördliche Aufwand zu groß ist oder weil sie keinen Nachfolger haben. Der Strukturwandel wird immer weitergehen."
Mit Flächenverbrauch meint er vor allem große Photovoltaikparks. "Wir sind im Vorstand gegen Photovoltaik in der Fläche, denn die Bauern brauchen ja gerade das Land. Das haben wir auch den Kommunen in einer Stellungnahme mitgeteilt."
Dennoch steht Daun dem Thema Energieerzeugung positiv gegenüber. "Das ist ein Trend in der Landwirtschaft, den wir zwar nicht unbedingt befürworten. Es ist aber eine Möglichkeit für die Bauern, finanziell etwas dazuzuverdienen." Doch um eine Biogasanlage zu "füttern" braucht man Flächen, die oft mit Mais bepflanzt werden, was nicht überall gut ankommt. "Der Verbraucher will die Energiewende, aber vor Ort soll sich nichts verändern. Das geht nicht. Es gibt verständlicherweise ethisch begründete Widerstände gegen Maisanbau, weil hier ein Lebensmittel zur Energiegewinnung verbraucht wird."
Im Kreis Vulkaneifel sind fünf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche mit Mais bepflanzt, in anderen Regionen sind es 30 bis 40 Prozent.
Doch ohne die Landwirte wird es die Energiewende nicht geben, glaubt Daun. "Wir brauchen erneuerbare Energien, aber keiner will sie vor der Haustüre haben." Dennoch geht er nicht davon aus, dass viele weitere Bioenergieanlagen entstehen werden. Denn es würden nur noch größere Anlagen gut gefördert. Daun: "Dabei wäre es viel sinnvoller, kleinere Biogasanlagen direkt an den viehstarken Höfen zu unterstützen. So könnten diese Landwirte 80 Prozent ihrer Gülle in die Anlage stecken."
Zum Thema Preise für landwirtschaftliche Produkte sagt der Kreisbauernchef: "Bei Getreide und Fleisch waren die Preise gut, die Milchpreise waren jedoch sehr niedrig. Wir sind bei beiden Molkereien hier im Kreis nicht mehr im oberen Mittelfeld. 40 Cent pro Liter Milch werden wir, glaube ich, nicht mehr erreichen. Beim Verbraucher gilt: Alles muss billig sein." In anderen Ländern sei man jedoch bereit, für Qualität mehr zu zahlen. "Die Globalisierung ist eine Chance für die Landwirtschaft, wir werden dadurch einen Vorteil haben, denn der Markt in Deutschland wird schrumpfen", meint Daun.
Zur Unterstützung brauchen die Bauern aber auch weiter Zuschüsse. Daun sagt: "Ohne Prämien wird es auch in Zukunft nicht gehen, obwohl viele Bauern es nicht so gerne sehen. Das ist aber auch politisch so gewollt, man will die Bauern steuern."Extra

Die Zahl der Landwirte im Kreis Vulkaneifel sinkt seit Jahren. Zurzeit sind 320 Landwirte im Vollerwerb und 520 im Nebenerwerb tätig. Vor fünf Jahren lag diese Zahl noch etwas höher, damals waren 420 Landwirte im Vollerwerb und 530 im Nebenerwerb tätig. Der Milchpreis, der heute bei 37 Cent inklusive Mehrwertsteuer und Zuschlägen liegt, schwankte vor fünf Jahren stark und lag zwischen 25 und 37 Cent. Im Kreis gibt es derzeit vier Biogasanlagen, vor fünf Jahren waren es zwei. Diese Anlagen werden vor allem mit Mais betrieben. Demzufolge wird aktuell auf 1450 Hektar Mais angebaut, 2008 waren es 980 Hektar. HG

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