Europa, musikalisch

NIEDEREHE. (red) Die rumänische Organistin Nicoleta Paraschivescu gastiert bei den XV. Internationale Orgelfestwochen Rheinland-Pfalz.

Wenn die rumänische Organistin Nicoleta Paraschivescu, geboren in Sibiu (Hermannstadt) und inzwischen in Basel ansässig, an der Niedereher Balthasar-König-Orgel konzertiert, ergeben sich eine Fülle von Bezügen. Transsylvanien hat acht Jahrhunderte lang um die Symbiose von dort einst nicht weniger als dreizehn Völkerschaften der verschiedensten Riten gerungen, unter denen die Ungarn, die Rumänen und besonders die zum guten Teil aus dem Mosel-Ardennengebiet stammenden (zudem protestantischen) Siebenbürger "Sachsen" hervorragten. Das Programm, das Nicoleta Paraschivescu mitbringt, spiegelt also ein "Vereintes Europa" und beginnt folgerichtig mit Stücken aus dem nach einem Franziskanermönch des 17. Jahrhunderts benannten "Codex Kaioni", der Uralt-Folkloristisches mit Innereuropäischem vereint. Auch die Tabulatur des Daniel Croner ist ein siebenbürgisches Dokument, und schließlich erklingt aus einer in Hermannstadt liegenden Sammlung eine anonyme Ciaccona. Vor diesem Hintergrund breitet der Abend dann zumal Italienisches aus, eine Vivaldi-Transkription Bachs erinnert daran, dass der große Antonio zumindest einige Jahrzehnte lang für die Musik eine Art europaweiter Währung war. Zum Ausklang spielt die Künstlerin eine Vivaldi-Transkription aus "Anne Dawson's Note Book" von 1721, einer Handschrift, die, wohl für eine Lady der englischen Gesellschaft angelegt, heute zu den Schätzen der Bibliothek von Manchester zählt. So entfaltet sich ein Kaleidoskop europäischer Musik von Siebenbürgen bis hin zum Zeitalter der Empfindsamkeit, inklusive einem späten Mozart. Das Konzert findet statt am Freitag, 8. September, 20 Uhr, in St. Leodegar Niederehe. Der Eintritt ist frei, eine Kollekte für die Balthasar-König-Orgel bestimmt.