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Ewald Hansen (SPD) wird dritter Beigeordneter der Verbandsgemeinde Gerolstein

Kommunalpolitik : Fusionskritiker wird dritter Beigeordneter

VG-Rat Gerolstein wählt Ewald Hansen (SPD) aus Reuth  zum Stellvertreter des Bürgermeisters. Josefine Engeln (Grüne) auch dabei.

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Der Rat der neuen Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein hat seine Vorstandsriege komplettiert. Nach längerer und kontroverser Diskussion hat die Ratsmehrheit mit 21 Ja-, elf Nein-Stimmen sowie einer ungültigen Stimme den SPD-Kandidaten Ewald Hansen aus Reuth an der Oberen Kyll zum dritten Beigeordneten gewählt. Die Grünen-Kandidatin Josefine Engeln aus Hillesheim-Bolsdorf wurde mit 23 zu neun Stimmen zur vierten Beigeordneten gewählt. Bürgermeister Hans Peter Böffgen (parteilos) ernannte und vereidigte seine beiden weiteren Stellvertreter während der Ratssitzung in der Stadthalle des Hotels Augustiner-Kloster in Hillesheim. Beide Bewerber hatten keine Gegenkandidaten.

Bereits in der konstituierenden Sitzung des neuen VG-Rats im Januar in Jünkerath waren Bernhard Jüngling (CDU) und Klaus-Dieter Peters (FWG) zum ersten und zweiten Beigeordneten gewählt und vereidigt worden. In der Folgesitzung war die Wahl der weiteren Beigeordneten auf Antrag der CDU verschoben worden, weil Hansen urlaubsbedingt abwesend war und sich die Ratsmehrheit zuvor eine persönliche Vorstellung von ihm wünschte. Denn: Hansen, langjähriger Ortsbürgermeister von Reuth, hat sich im Fusionsprozess als lautstarker Kritiker einer kreisinternen Lösung hervorgetan und sich, nachdem Gerolstein und Hillesheim ein Zusammengehen mit der hoch verschuldeten Oberen Kyll zunächst abgelehnt hatten, für eine Fusion über die Kreisgrenzen hinweg ausgesprochen: mit der VG Prüm.

Genau diese ablehnende Haltung zu einem kreisinternen Dreierbündnis, dass inzwischen ja Realität ist, hat Kritik hervorgerufen. Am massivsten äußerte sie FDP-Fraktionsvorsitzender Marco Weber. Er sagte: „Ewald Hansen hat über zehn Jahre gegen die jetzige Dreier-Fusion gekämpft. Dann, wie vom Blitz getroffen, der Sinneswandel im Juni 2017, als bei der Veranstaltung in der Markthalle Hillesheim klar wurde, dass die kreisinterne Dreier-Lösung Realität wird. Wenn er jetzt sagt, dass er sich für das Zusammenwachsen in der neuen VG einsetzen will, ist das für mich nicht glaubwürdig. Die FDP wird seine Kandidatur selbstverständlich nicht unterstützen und appelliert an die SPD, einen anderen Kandidaten zu stellen.“

Die Genossen gingen darauf nicht ein, sondern betonten, dass Hansen erstens kommunalpolitisch sehr erfahren und an der Oberen Kyll angesehen sei. Daher sei er genau der richtige Kandidat, so Fraktionsvorsitzender Georg Linnerth, „um das Zusammenwachsen der neuen VG zu fördern“. Schließlich gebe es an der Oberen Kyll die größten Bedenken gegen die kommunale Ehe.

Hansen (72), pensionierter, Grundschulrektor, langjähriger Ortsbürgermeister von Reuth, seit einem Vierteljahrhundert Sozialdemokrat und für diese viele Jahre im VG-Rat der Oberen Kyll, sagte im Vorfeld der Wahl: „Ich werde mich weiter für die Zusammenarbeit und das Zusammenwachsen der neuen VG starkmachen. Mir ging es nie um Parteipolitik, sondern stets um die Sache.“ Auf seinen Sinneswandel in Sachen Fusion angesprochen, meinte er: „Nachdem Gerolstein und Hillesheim abgewunken hatten, hatten wir nicht nur in Reuth, sondern in sieben Ortsgemeinden Bürgerentscheide zugunsten einer Fusion mit Prüm. Also hatte ich den demokratischen Auftrag, mich dafür einzusetzen.“ Als bei dem Treffen in Hillesheim dann klar geworden sei, dass es zur kreisinternen Dreier-Fusion komme, hat er nach eigenem Bekunden „nur noch ein Ziel vor Augen gehabt: das Beste für die Gemeinden der Oberen Kyll innerhalb der neuen VG Gerolstein zu erreichen“.

CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Schildgen akzeptierte dies und sagte: „Entscheidend ist, dass jemand aus der Oberen Kyll in der Beigeordnetenriege ist. Und Ewald Hansen anderen stellt dort etwas dar. Ich glaube ihm, wenn er sagt, dass er sich für das Zusammenwachsen starkmachen will.“

Für Sabine Martinetz (FWG) sprach gerade für den Kandidaten, dass er den Fusionsprozess äußerst kritisch begleitet hat. Denn so hätten viele gedacht oder würden noch immer viele denken, „und daher ist er da vorne genau richtig“.

 Bürgermeister Hans Peter Böffgen (rechts) gratuliert Ewald Hansen.
Bürgermeister Hans Peter Böffgen (rechts) gratuliert Ewald Hansen. Foto: TV/Mario Hübner
 Große Runde, schöner Saal: Der Verbandsgemeinderat Gerolstein tagt in der Stadthalle des Hotels Augustiner-Kloster in Hillesheim.
Große Runde, schöner Saal: Der Verbandsgemeinderat Gerolstein tagt in der Stadthalle des Hotels Augustiner-Kloster in Hillesheim. Foto: TV/Mario Hübner
 Ewald Hansen (Zweiter von links) kurz vor seiner Stimmabgabe.
Ewald Hansen (Zweiter von links) kurz vor seiner Stimmabgabe. Foto: TV/Mario Hübner

Die Wahl von Josefine Engeln (53) ging ohne Diskussionen über die Bühne. Die Grünen-Kandidatin, die seit drei Jahren Ortsvorsteherin von Bolsdorf ist und als Kinder- und Jugendtherapeutin ihr Geld verdient, möchte sich vor allem für lebenswerte Dörfer einsetzen.