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Experte plädiert dafür, dass wieder Züge von Gerolstein nach Kaisersesch fahren

Mobilität : „Es wird nicht am Geld scheitern!“

Die Pläne einer Reaktivierung der Eifelquerbahn erhalten von unerwarteter Seite Rückendeckung: vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), zu dem auch Bus- und Speditionsfirmen gehören.

Dass passionierte Eisenbahner wie Stephan Pauly von der Brohltal-Schmalspureisenbahn-Betriebs GmbH und Alexander Kirfel von der Eifelbahn Verkehrs GmbH in Linz ein großes Ja im Sinn haben, wenn es um die Reaktivierung der Eifelquerbahn geht, dürfte nicht weiter verwundern.

Beide haben ihren Hut in den Ring geworfen und hoffen, dass sich die Deutsche Bahn als Besitzerin der Strecke für ihr jeweiliges Nutzungskonzept entscheidet. Auch erstaunt es nicht, dass sich Jens Wießner vom Verein Eifelquerbahn aus Kaisers­esch mit nach eigenen Angaben rund 100 interessierten Aktiven für die Erhaltung der Bahnstrecke einsetzt. Sie legen tatkräftig Hand an, um im ersten Schritt den Bahnkörper vom wuchernden Dickicht zu befreien. Hier also die, die befürworten, dass wieder Züge fahren. Sie beziehen sich auf ein Gutachten der Bahn, dem zufolge die bloße Wiederinbetriebnahme der Eifelquerbahn nicht mehrere, sondern nur eine Million Euro koste, sozusagen „Portokasse“ im Vergleich zu den sonst kursierenden Kostenangaben der sanierenden Reaktivierung in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe. Auf der anderen Seite die mehrheitlich beschlossene Marschrichtung der Kommunalparlamente in den Anrainergemeinden und -landkreisen, die Trasse zu kaufen, um daraus einen Radweg zu machen.

Bahnlaien dürfte verwundern, dass auch der 600 Mitglieder starke Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Person des Juristen Martin Henke unmissverständlich Wort ergreift für die Bahnreaktivierung. Denn zum VDV gehören nicht nur Schienenverkehrsbetriebe, sondern ebenso Busunternehmen und Speditionen. Henke war auf Einladung der SPD-Landtagsabgeordneten Astrid Schmitt nach Daun zu einem Fachgespräch „Zukunft der Eifelquerbahn“ ins Dauner Forum gekommen.

Der VDV seinerseits ist Mitglied der „Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität“, in der es um neue Konzepte geht angesichts der für Deutschland völkerrechtlich bindenden Verpflichtung auf die bis 2030 gesteckten Klimaziele. Andernfalls drohen, rein ökonomisch gesehen,  Milliardenstrafen. „Die muss man immer mit einrechnen, wenn man behauptet, die Reaktivierung von Bahnstrecken wäre nicht wirtschaftlich“, betonte Henke, „denn ohne die Bahn und ohne Wiederinbetriebnahme von stillgelegten Strecken geht es nicht.“

Der Verkehrsexperte aus Köln ging mit seinem klaren Votum pro Reaktivierung sogar über die Ambitionen von Pauly und Kirfel hinaus, die vor allem in einer touristischen Nutzung der Eifelquerbahn große Potenziale sehen. Henke stellte einen Gesamtkontext her, in dem der reguläre Personenverkehr sowie der Güterverkehr eine große Rolle spielen. Von den sachlichen Kriterien für eine Streckenreaktivierung seien viele bei der Eifelquerbahn gegeben: „Sie ist eine logische und einfach zu machende Erweiterung des derzeit bestehenden Schienennetzes, sie verbindet Daun als Mittelzentrum mit den Oberzentren und ist darum wichtig für den Wirtschaftsstandort und die Arbeitsplätze, sie erschließt eine derzeit benachteiligte Region und sie hat auch Potenzial für den Gütertransport.“

Das Feedback aller Industrieverbände sei einhellig: „Angesichts der Energiewende muss viel mehr Logistik auf die Schiene. Das gilt zum Beispiel ganz konkret für die Lebensmittelindustrie, die es in der Eifel gibt, aber sogar für die Autoindustrie selbst. Allein die notwendigen Trafos für E-Mobilität per Schwerlastverkehr auf den Straßen heranzuschaffen ist nicht machbar.“ Henke nannte noch ein weiteres Argument, warum selbst die PS-affinen Speditionen mehr und mehr umdenken und den Schienenverkehr in ihre Angebote einbinden: „Es fehlt schlicht an LKW-Fahrern.“

Vor diesem Hintergrund sei in der Regierungskoalition nun beschlossen, drei Mal so viele Mittel wie zuvor veranschlagt in Bahnreaktivierungsprojekte zu stecken, auch in kleinere wie die Eifelquerbahn. „Bislang werden diese Mittel zu wenig abgerufen. Fakt ist: Es wird nicht am Geld scheitern!“ Es sei in der Politik angekommen, dass die Gesellschaft eine andere Mobilität als bisher wolle. „Darum ist es ein Gebot der Teilhabe, die Strecken auf dem Land wieder für den Bahnverkehr zu nutzen.“

So sieht es heute aus: Seit mehr als sechs Jahren liegt das Eifelquerbahn-Stück zwischen Gerolstein und Kaisersesch brach. Zeit genug für die Natur, sich auf der Strecke – wie bei hier bei Ulmen – wieder breit zu machen. Foto: TV/Angelika Koch

Stephan Pauly appellierte nochmals an die Gebietskörperschaften, die Eifelquerbahn zum gewidmeten Zweck zu erwerben. Die Kosten für eine entwidmete Bahntrasse, auf der ein weiterer Radweg gebaut wird, seien mit mindestens 15 Millionen Euro zu veranschlagen. „Wir haben im Brohltal die Erfahrung gemacht, dass aus ganz kleinen Anfängen allein im touristischen Verkehr 80 000 Fahrgäste pro Jahr geworden sind. Und gerade auch die Radtouristen wollen mit der Bahn anreisen.“