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Familie Sungen aus Bleckhausener Mühle trifft sich in Manderscheid

Geschichte : Großes Familientreffen: Die Sungen-Sippe singt und feiert in Manderscheid

170 Menschen aus einer einzigen Familie haben sich getroffen, bei Sonnenschein und gutem Essen gefeiert und sich an ihre Ursprünge in der Vulkaneifel erinnert.

„Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen“. Die alte Redensart trifft den Kern, wenn man das Verb als Nomen betrachtet und es durch den Familiennamen Sungen ersetzt. Denn die jungen Sungens eifern den alten nach, die sich bisher jährlich, auch im vergangenen Jahr, auf der elterlichen Mühle in Bleckhausen zu einem Geschwistertreffen versammelten (der TV berichtete). Zum ersten Mal sollten nun alle Mitglieder des Familienclans Sungen mit Ursprung Bleckhausener Mühle zusammenkommen.

Ein Blick zurück – die Familie Sungen in der Bleckhausener Mühle

Da lohnt ein Blick zurück nach 1906, als Johann Sungen die Bleckhausener Mühle übernahm. Aus der Ehe mit Anna Sungen, geborene Gresnich, gingen 14 Kinder hervor, „zuerst kamen zwei Mädchen, dann zehn Jungen und zum Schluss wieder zwei Mädchen“, sagt Resi Fögen (84), die das zweitjüngste Kind der Familie ist und in Meerfeld lebt.

Acht von den insgesamt 14 Kindern sind inzwischen gestorben, zwei Brüder, Gerhard und Heinrich, konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht an dem Treffen teilnehmen, während sich die vier Geschwister Willi, Adolf, Resi und Magda sehr an dem fröhlichen Treiben an Pfingstsamstag erfreuten. Klar, dass man für diese Begegnung viel Platz braucht. Daher stellte Claudia Becker, auch ein Sungen-Sprößling, nämlich Resi Fögens Tochter, ihren Vulkaneifelhof in Manderscheid zur Verfügung, den sie mit ihrem Mann Martin betreibt.

Alle Sungen-Geschwister haben Kinder, Resi und ihr Bruder Josef je zehn. Man stelle sich vor, wie viele Onkel, Tanten, Vettern, Cousinen, Enkel und Urenkel da zusammenkommen. Viele scheuten auch den weiten Weg in die Eifel nicht, denn die Nachkommen wohnen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin, Köln, Essen und in der Umgebung wie Deudesfeld, Meerfeld, Hetzerath und Bleckhausen. So versammelten sich an dem Tag 170 Menschen vom Stamm der Sungens bei strahlendem Sonnenschein auf dem Außengelände und in der riesigen Scheune mit viel Platz, Musik und dazu noch Mittagessen, Kaffee und Kuchen sowie Abendessen.

Im Stammort der Sungens, in der Mühle in Bleckhausen, konnte dieses Mal nicht gefeiert werden, da Nikolaus Sungen, der bis zuletzt noch dort wohnte, im vergangenen Jahr gestorben ist und die Mühle zurzeit leer steht. Sohn Thomas Sungen wird eventuell die Häuser, die dazu gehören, verkaufen, „aber die Mühle verkaufe ich nicht“. Schließlich hängen viele Erinnerungen in den alten Mauern. Bis ungefähr 1956 soll dort noch Mehl gemahlen worden sein, erzählt er.

Erinnerungen der Sungens an die Kindheit in der Vulkaneifel

Adolf Sungen (86) erinnert sich genau: „Ich musste als Achtjähriger schon mithelfen, weil die fünf ältesten Brüder im Krieg waren. Wir waren verpflichtet, für die Reichswehr Mehl zu mahlen.“ Damals sei im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet worden. Er habe Müller gelernt, sei später Stuckateur geworden, auf Wanderschaft im Sauerland gewesen, bis er später für Bayer im Außendienst gearbeitet hat und ein Gebiet von Norwegen bis nach Spanien und Portugal bereiste.

Adolf Sungen hat nur wenige Teilnehmer dieses Treffens nicht gekannt. „Ich hatte immer Kontakt mit der Familie und habe sie besucht, von der Hälfte der Anwesenden kann ich Ihnen sogar die Geburtsdaten nennen“.

Die Eltern seien immer sehr gastfreundlich gewesen, sagt Resi Fögen: „Als der Krieg zu Ende war, kamen Soldaten auf dem Weg nach Hause bei uns vorbei. Sie haben frisches, selbst gebackenes Brot, belegt mit Butter und Schmalz, bekommen und waren sehr dankbar“. Man habe immer selbst Brot gebacken und Butter gemacht. Auch andere Leute waren immer willkommen. Handelsvertreter durften in der Scheune übernachten.

Einig sind sich die Geschwister, dass sie trotz Armut eine sehr schöne Kindheit hatten, „auch wenn wir mit vier Mann in einem Bett schlafen mussten“, ergänzt Adolf Sungen, „wir brauchten keine Heizung“, die es ja sowieso nicht gab. Im Winter war die Decke des Raumes dick mit Raureif belegt, erzählt der 86-Jährige, „gewaschen haben wir uns im Bach zu jeder Jahreszeit“. Die Familie habe sich selbst unterhalten, Musik gemacht, gespielt oder geredet.

Bücher über die Familie Sungen: Kinderbuch schon erschienen, an einer Chronik wird gearbeitet

Es gibt bereits ein Kinderbuch mit lustigen Illustrationen über die Lehrjahre von Adolf Sungen mit dem Titel „Adi & die Wildschweine“, verfasst von Sohn Michael, Cousine Hilde Wojak (94) und Anni Sieberger. Die gesamte Familiengeschichte wird derzeit von Enkelin Lena Felder aus Köln in einer Chronik festgehalten, damit auch die jungen Sungen über ihren Stammbaum Bescheid wissen und man eventuell erkennen kann: Wie die alten Sungen…