Fast wie im Krimi: Hoteldirektor gefeuert

Fast wie im Krimi: Hoteldirektor gefeuert

Die Geschäftsführung des Augustiner-Klosters und des Krimihotels in Hillesheim, hat den langjährigen Direktor Christoph Böhnke (38) gefeuert. Begründet wurde dies mit "Abnutzungserscheinungen". Böhnke will sich gegen die Entscheidung juristisch zur Wehr setzen.

Hillesheim. Die Nachricht hat viele überrascht: Christoph Böhnke (38), seit der Wiedereröffnung des Hotels Augustiner-Kloster vor fünfeinhalb Jahren dessen Direktor, ist von jetzt auf gleich entlassen worden. Die beiden Geschäftsführer der Hotel Augustiner Kloster GmbH, Bernd Gutjahr und Jörg Mintrop, die auch an der Alemannia-Hotelkette beteiligt sind, haben dem 38-Jährigen ihre Entscheidung in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt und anschließend die Belegschaft des Hauses informiert.
"Zuvor hatten wir bereits mehrere Gespräche, und da hat sich herausgestellt, dass es nicht mehr geht. Es hat sich aufgebaut. So wie in mancher Ehe", sagt Gutjahr auf TV-Anfrage. Konkret nach Gründen gefragt, sagt der Geschäftsführer: "Herr Böhnke hat nicht in die Kasse gegriffen oder goldene Löffel geklaut. Es war ein Mix aus Gründen und hat mit Motivation, der strategischen Ausrichtung, der internen Kommunikation und den rund sechs Jahren zu tun, die in unserem Metier ein sehr langer Zeitraum sind."
Böhnke, obwohl bereits dienstbefreit, begrüßt die Gäste in der neuesten Ausgabe der Klosterpost, dem Hausjournal des Hotels, aber immer noch mit warmen Worten. Die sind ihm angesichts der aktuellen Entwicklung ausgegangen. "Das ist ein harter Schlag, schließlich war das Hotel mein Baby", sagt er. "Und es hat sich ja auch prima entwickelt - ebenso wie das Krimihotel. Wir haben mit beiden Häusern sehr gute Erfolge." Er selbst kann die Entscheidung daher auch nicht nachvollziehen: "Ich habe weder geklaut, noch mir sonst was zuschulden kommen lassen. Die Gründe, die mir genannt wurden, sind nicht stichhaltig." Näher eingehen wollte er darauf nicht, "da ich dagegen juristisch vorgehen werde". Er beließ es daher bei Andeutungen: "Ich habe schon einmal davon gehört, dass Mitarbeitern gekündigt wurde, weil sie der Geschäftsführung zu teuer waren."
Was aber letztlich den Ausschlag für die Entscheidung gegeben habe, wisse er nicht. Böhnke: "Die wahren Gründe sind mir nicht bekannt."
Der TV konfrontierte die Geschäftsführung mit der Frage, ob die Höhe von Böhnkes Gehalt eine Rolle gespielt habe. Gutjahrs Antwort: "Geld war nicht das Thema."
Für die beiden Hillesheimer Häuser Augustiner-Kloster und Krimihotel, die die Hotel Augustiner Kloster GmbH betreibt, sieht Gutjahr keine Auswirkungen aufgrund der Personalentscheidung. Er sagt: "Wir haben einen erfahrenen Mann an der Spitze, es ist alles eingespielt, und für den Herbst planen wir, weitere 20 Zimmer grundlegend zu renovieren."
Stadtbürgermeister überrascht


Hillesheims Stadtbürgermeister Matthias Stein (CDU) zeigte sich von der Personalentscheidung "sehr überrascht" und kann sie nach eigener Einschätzung "auch nicht nachvollziehen". Er meinte lediglich: "Ich habe mit Herrn Böhnke immer sehr gut zusammengearbeitet, und die Hotels laufen ja auch gut." Stein hofft aber, dass die Entscheidung sich nicht negativ aufs Geschäft auswirken wird.
Das wird auch die wichtigste Aufgabe des neuen Hoteldirektors sein: Gerhard Pohle (58), der bis Ende 2012 das Alemannia-Hotel in Bad Wünnenberg bei Paderborn geleitet hat und anschließend in Urlaub war. Er sagte: "Ich will das Rad nicht neu erfinden, werde aber das Angebot an Veranstaltungen und für Familienfeierlichkeiten ausbauen." Am Thema Krimi werde nicht gerüttelt: "Das ist sehr interessant." Zunächst einmal gilt sein Augenmerk aber der Einstellung eines neuen Küchenchefs. Denn der ist unlängst gegangen.Extra

Nach vielen Jahren des Rechtsstreits mit dem damaligen Teileigentümer stand das Hotel Augustiner-Kloster mehrere Jahre leer. Anfang 2006 hatte die Stadt das Hotel wieder alleine in der Hand (Kaufpreis 500 000 Euro), im September 2007 wurde es nach aufwendiger Sanierung (für weitere 2,2 Millionen Euro) verpachtet und wiedereröffnet. Aktuell läuft der bereits mehrfach verlängerte Pachtvertrag bis 2017 - mit der Option einer dreijährigen Verlängerung. In den vergangenen Monaten sind für rund 200 000 Euro acht Zimmer des Hotels grundlegend renoviert worden. Davon hat die Hotel-Gesellschaft 140 000 Euro übernommen, die Stadt als Eigentümerin 60 000 Euro. Das Thema Hotelkauf ist laut Geschäftsführer Bernd Gutjahr derzeit nicht aktuell: "Um darüber zu reden, müsste uns die Stadt erst einmal konkrete Zahlen auf den Tisch legen. Da ist aber bislang nichts." Dennoch ist das Thema für ihn kein Tabu: "Ein Kauf? Warum nicht!" mh

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