Faulgase abfackeln, Strom sparen

Faulgase abfackeln, Strom sparen

Nach dem Blockheizkraftwerk soll nun auch noch ein Batteriespeicher dafür sorgen, dass die Kläranlage Hillesheim ihren hohen Energiebedarf weitgehend selbst deckt.

Hillesheim Klaus Eilert und sein Team der Verbandsgemeindewerke Hillesheim sind Sparfüchse. Und - wie Füchse eben so sind - Jäger. Stets auf der Jagd nach Möglichkeiten, den hohen Stromverbrauch in den Kläranlagen zu verringern. Denn die hauen mächtig in die Jahresbilanz rein und sind somit ein entscheidender Faktor, ob die Abwassergebühren erhöht werden müssen oder nicht. Im Hillesheimer Land sind sie seit neun Jahren nicht erhöht worden. "Das hat besonders damit zu tun, dass wir die Energiekosten erheblich reduzieren konnten", sagt Eilert.
Zuletzt wurden in der Zentralkläranlage des Hillesheimer Landes bei Dohm-Lammersdorf und in der etwas kleineren Anlage in Üxheim die Abläufe in den Belebungsbecken optimiert, wo das Abwasser durch Bakterien gereinigt wird. Und da diese umso besser arbeiten, je mehr Sauerstoff sie bekommen, werden diese Becken permanent belüftet. Das kostet viel Strom. Der Austausch der alten Anlagen gegen moderne und energiesparende Plattenbelüfter "spart uns alleine in Üxheim 15 000 Euro Stromkosten ein, was dort die Hälfte der gesamten Stromkosten ausmacht", sagt Werkleiter Eilert. Innerhalb von fünf Jahren habe sich diese Investition amortisiert.
Gleiches gilt für die Zentralkläranlage in Hillesheim, wo in noch größeren Dimensionen gedacht werden muss. Die Anlage hatte wegen der vielen Pumpen, Lüfter und Umwälzer einen jährlichen Stromverbrauch von mehr als 400 000 Kilowattstunden, was etwa dem Verbrauch von 100 Vier-Personen-Haushalten entspricht. Dafür mussten die VG-Werke bislang rund 80 000 Euro pro Jahr berappen. Aber nur bis zum Jahr 2012. Denn dann wurde dort ein Blockheizkraftwerk (siehe Extra) eingebaut - für die stolze Summe von rund 200 000 Euro. Seither zahlen die VG-Werke "nur" noch rund 15 000 Euro für den Stromeinkauf. "Die Anlage hat sich also schon jetzt, nach gerade einmal fünf Jahren, bezahlt gemacht", sagt Eilert - und verweist darauf, dass es für die energieeffiziente und umweltschonend Anlage zudem noch zehn Jahre lang eine staatliche Förderung von 6000 Euro pro Jahr gibt.
Das BHKW produziert im Jahr bis zu 270 000 Kilowattstunden Strom. Das würde eigentlich reichen, um die gesamte Kläranlage nach der eingangs erwähnten Energieoptimierung der Belebungsbecken zu betreiben. Tut es aber nicht. So wurden nach Angaben der VG-Werke 2015 rund 56 000 Kilowattstunden Strom eingekauft, gleichzeitig aber auch überschüssige 55 000 Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist. Ein schlechtes Geschäft, da jede Kilowattstunde Strom im Einkauf 23 Cent kostet (12 880 Euro), es für jede verkaufte Kilowattstunde Strom aber nur 4 Cent Vergütung gibt (2200 Euro). Das entspricht einem Verlust von 10 680 Euro.
Daher nun der nächste Coup: So ist der VG-Rat einstimmig dem Vorschlag der Werke nachgekommen, für die Kläranlage nun auch noch eine leistungsstarke Batterie zu kaufen. "So können wir den Strom speichern und ihn später nutzen, wenn er benötigt wird, anstatt ihn zum niedrigen Preis ins Netz einzuspeisen", sagt Bürgermeisterin Heike Bohn. Sie findet: "Eine schicke Lösung." Den Zuschlag für Lieferung, Einbau und Inbetriebnahme der Batterie erhält die Firma Schmitz-Haustechnik aus Hillesheim-Bolsdorf. Sie war mit ihrem Angebot über 74 000 Euro günstigste Bieterin.
Laut Werkleiter Eilert gibt es auf die Blei-Gel-Batterie, die die "konventionellste, aber auch wirtschaftlichste Lösung" gegenüber Lithium-Ionen und Redox-Vanadium-Batterien darstellt, sieben Jahre Garantie. Nach seiner Aussage haben die Batterien eine Lebensdauer von durchschnittlich 8,5 Jahren, das Modul werde sich aber bereits "nach sechs Jahren amortisiert haben", prognostiziert er. Zudem müsse dank der Batterie auch nicht mehr über die Erneuerung des 35 Jahre alten Notstromaggregats nachgedacht werden, die nach Einschätzung des Werkleiters mit weiteren 25 000 Euro zu Buche geschlagen hätte. Sein Wunsch: "Noch in diesem Frühjahr, etwa bis Pfingsten, soll die Batterie in Betrieb genommen werden und helfen, weiter Geld zu sparen."SO FUNKTIONIERT DAS BLOCKHEIZKRAFTWERK


Extra

Das Blockheizkraftwerk in der Kläranlage in Hillesheim funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Beim Vergären des Klärschlamms im Faulturm entstehen in großen Mengen Gase, die als Faul- oder Klärgas bezeichnet werden. Dieses Gas besteht zu 60 bis 70 Prozent aus leicht brennbarem Methan, der Rest ist Kohlendioxid. Aus einem Kubikmeter Klärgas lässt sich eine Energiemenge von sechs bis sieben Kilowattstunden gewinnen. Das bei der Faulung anfallende Klärgas reicht einerseits aus, um den Faulturm auf konstante 35 Grad zu beheizen (damit der Prozess optimal läuft), andererseits kann das überschüssige Klärgas im BHKW verbrannt werden. Die daraus gewonnene Energie, in Form von Strom und Wärme, wird zur Energieversorgung der Kläranlage genutzt.

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