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Fehlende Veranstaltungen setzen Tourismus rund um den Nürburgring zu

Schweigende Motoren am Nürburgring : Tourismus ächzt unter fehlenden Besuchern

Das Ausbleiben von Dauergästen aus der Industrie, aber auch die Absage von Großereignissen wie Rock am Ring oder Truck-Grandprix hat die Region rund um den Nürburgring schon arg gebeutelt. Nun hofft man dort auf einen kleinen „Goldenen Herbst“.

Das Treiben am und um den Nürburgring ist so gut wie auf Eis gelegt. Keine Testfahrten, keine Industrie. Also auch keine Menschen, die schlafen, essen, trinken, feiern möchten. Und die Geld ausgeben. Nun hoffen Anwohner auf so etwas wie einen „Goldenen Herbst“. Ansatzweise zumindest. Wenn auch nicht in den Dimensionen, wie man sie bisher gewohnt war.

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg, Johannes Saxler, sagt: „Das ist schlimm, was sich da seit dem März wegen der Corona-Krise in den Dörfern am Nürburgring im Tourismusgeschehen abspielt. Die Gastronomie und die Beherbergungsbetriebe leiden am meisten. Die Leute merken das massiv. Das geht bei Vielen bis an die Existenz, wenn nicht noch ein zweites finanzielles Standbein da ist.“

Herschbroich (VG Adenau) unweit des Streckenabschnitts Brünnchen ist da nur ein Beispiel von vielen: Seit rund drei Monaten ist der ansonsten bis zum Bersten besetzte Campingplatz geschlossen. Bürgermeisterin Monika Korden hatte das Gelände sperren lassen, nachdem sich Uneinsichtige zu Corona-Partys getroffen hatten. In vielen Kommentaren im Netz erntete sie dafür anfangs auch noch Wut und Spott. Inzwischen ist die „Grabesstille“ zwischen Brünnchen und Pflanzgarten, im Industriepark jenseits der B♦258, und in den umliegenden Dörfern fast schon zur Gewohnheit geworden.

Den vielen kleinen Pensionen und Zimmervermietungen in Drees, Reimerath, Welcherath oder Müllenbach geht es nicht besser. Das Ausbleiben von Dauergästen aus der Industrie, die auf dem grauen Asphaltband der Rennstrecke ihre Testfahrten absolvieren, aber auch von Großereignissen wie Rock am Ring oder Truck-Grandprix reißt ein riesiges Loch in die Kasse.

„Wir haben seit Jahren Stammgäste. Das sind feste Besucherzahlen und Einnahmen. Dass jetzt wieder gefahren werden soll, ist aber nur ein erster Schritt. Ohne Besucher, die übernachten, macht sich das für uns kaum bezahlt. Aber wir erkennen ja an, dass man sich darum bemüht, stückweise wieder etwas von den früheren Gegebenheiten herzustellen.“, sagt man uns in der Pension Sonnenwende in Reimerath.

Rapide bergab geht auch die Zahl der Kunden an der „Tanke“ in Kelberg-Zermüllen. Wer zum „Ring“ wollte und von weit her kam oder danach noch ein paar Hundert Kilometer Heimfahrt vor sich hatte, der war Stammkunde an der ED-Tankstelle. Auch, weil dort erfahrungsgemäß der Sprit erheblich günstiger war als auf der Autobahn. Dort erläutert man uns auf unsere Nachfragen: „Von den Leuten, die hier oben wohnen, können wir alleine nicht existieren. Der Ring und der Ausflugsverkehr machen das Gros aus. Und jetzt droht angeblich auch noch ein Sonntags-Fahrverbot für Motorräder. Was denn noch alles?“

Auch beim direkt anschließenden Discounter merkt man die „auf Eis gelegte Grüne Hölle“: „Der Durchgangsbetrieb der Stammkunden ist zwar da, aber bei uns haben sich vor allem bei Veranstaltungen wie Rock am Ring die Menschen für etliche Tage eingedeckt.“

Bürgermeister Saxler sieht in dem Bemühen, das Leben am Ring Stück für Stück wieder hochzufahren und das Mögliche aus den sich wechselnden Gegebenheiten herauszuholen, durchaus „Veranstaltungen mit Signalwirkung“. Es sei natürlich zu begrüßen, wenn wieder Rennen ausgetragen werde oder sich abzeichne, dass bis zum späten Herbst lange fragliche Events doch noch aus der Versenkung geholt würden. Mehr als eben nur Signale könnten solche ersten Versuche aber auch nicht sein.

„Das ist ein erster Schritt zur Normalität. Es ist ähnlich wie im Fußball, wenn man das einmal vergleichen will. Aber die Nachteile, die die Bevölkerung bisher erlitten hat, können dadurch natürlich nicht ausgeglichen werden. Ohne Zuschauer bringt das nichts. Das 24-Stunden-Rennen ist das beste Beispiel. Da war schon für die nächsten Jahre immer alles ausgebucht.“

Ein Bild aus besseren Tagen: Von solchen Szenen kann aktuell nur geträumt werden. Foto: TV/Jürgen C. Braun

Dennoch appelliert auch er an die Motorsportfreunde, keine Risiken bei den anstehenden Ereignissen auf dem Nürburgring und an der Nordschleife einzugehen. „Wenn es heißt ohne Zuschauer, dann sollten die Leute auch nichts aufs Spiel setzen, was dem Ganzen schadet und zu Hause bleiben. Sie machen dadurch nur alles noch schlimmer. Wir können nur hoffen, dass Tourismus und Gastro-Gewerbe allmählich wieder Stück für Stück aufholen können und werden.“