Ferienparks bleiben von Windrädern verschont

Ferienparks bleiben von Windrädern verschont

Reichlich Hausaufgaben für den Verbandsgemeinderat Kelberg: Er hat sich in mehreren Sitzungen mit Hunderten von Stellungnahmen zu den Windkraftplänen befasst. Außerdem wurden die 2015 beschlossenen Kriterien den geänderten Vorgaben angepasst, so zum Beispiel der Mindestabstand von Windrädern zu den Orten.

Kelberg. Relativ still geworden war es um das Thema Windkraft in der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg, das Thema, das seit Jahren für viele Diskussionen und auch für viel böses Blut gesorgt hat. Die Ergebnisse der bisherigen Beratungen waren im Sommer 2015 öffentlich ausgelegt worden. Die Bürger hatten so die Möglichkeit, die Pläne einzusehen und Einwendungen und Widersprüche zu formulieren und Bedenken sowie Anregungen zu äußern. Und das haben sie auch ausgiebig genutzt: Gut 600 Stellungnahmen waren im Rathaus eingegangen. Die häufigsten Kritikpunkte: nicht ausreichender Schutz von seltenen Vogelarten, möglicher Wertverlust von Immobilien, zu geringer Abstand der Windräder zu Wohnhäusern.
Mit jeder der 587 Stellungnahmen musste sich der Rat befassen. Deshalb waren gleich drei Sitzungen anberaumt worden, eine vorsichtshalber, falls das Pensum an zwei Tagen nicht bewältigt werden könnte.
"Ende nicht absehbar"


Es hat aber nicht viel gefehlt, und die erste Sitzung im Bürgerhaus in Boxberg wäre kaum, dass sie begonnen hatte, auch schon zu Ende gewesen wäre. Die Fraktion der Unabhängigen Wählergemeinschaft Hochkelberg hatte beantragt, das laufende Windkraftplanungsverfahren einzustellen. Begründung: Ein Ende sei fünf Jahre nach Beginn immer noch nicht absehbar. Zudem beliefen sich die Kosten für die VG schon auf rund 200 000 Euro, und "eine notwendige weitere Offenlage (und darüber hinaus weitere) werden die Kosten mit Sicherheit weiter in die Höhe katapultieren", heißt es im Antrag. Würde das Verfahren auf VG-Ebene eingestellt, wäre die Kreisverwaltung zuständig. Nach Darstellung der Unabhängigen-Fraktion "würde das aber nichts an den jetzigen Genehmigungsbedingungen ändern."
Befürworter für den Antrag gab es bei der SPD (Ratsmitglied Berthold Engelhardt: "Das Geld würden wir besser ins marode Freibad investieren, da hätten unsere Kinder was davon), Bürgermeister Karl Häfner (CDU) wertete ihn als "sympathisch". Der Bogen sei mittlerweile überspannt, auch für die Mitarbeiter in der Bauabteilung, die sich fast nur noch mit Thema Windkraft beschäftigen müssten. Neben dem Verwaltungschef votierten neun Ratsmitglieder für den Antrag, zwölf stimmte dagegen. Ergebnis: Die Windkraftplanung bleibt in Zuständigkeit der VG.
Im Mai 2015 hatte der Rat die Rahmenbedingungen (wie Mindestabstände von den Anlagen zu den Orten) für die weitere Planung festgelegt. Aber diese waren mittlerweile überholt, auch weil das Land neue Vorgaben gemacht hatte.
Unter den Zuschauern verfolgte einer besonders gespannt die Diskussion: Jos Kruiter, der bis September den größten Ferienpark in Rheinland-Pfalz, den Center Parcs Eifel in Gunderath, geleitet hatte. Zwar ist der Niederländer mittlerweile Geschäftsführer eines Parks in Belgien, aber er hatte angekündigt, die Entwicklung in Sachen Windkraft in der VG Kelberg weiter zu verfolgen, und war deshalb eigens in die alte berufliche Heimat angereist. "Center Parcs ist nicht generell gegen Windkraft. Es bereitet uns aber große Sorge, wenn direkt oberhalb des Parks vier Windräder aufgestellt würden. Dagegen haben wir uns ausgesprochen", hatte Kruiter immer wieder betont. Er kann sich nun entspannen: Weder in der Nähe des Parks in Gunderath noch in Drees (dort befindet sich der Lindner Ferienpark Nürburgring) können Windräder gebaut werden.
Kein pauschaler Abstand


Vorgeschlagen war ein Abstand von 1400 Metern, der Rat ging aber darüber hinaus und beschloss einen Abstand von 2000 Metern.
"Damit ist die Fläche, die uns Sorgen bereitet hat, raus", freute sich der frühere Gunderather Parkchefs. Weitere Neuerung gegenüber 2015: Der Abstand von den Orten zu den Windrädern ist auf 1000 Meter festgelegt worden, ist das Windrad höher als 200 Meter, auf 1100 Meter.
Werner Ritter, CDU-Ratsmitglied und Kritiker der Windkraftplanungen, hatte wie die Fraktion Sturm im Wald einen pauschalen Abstand von 1100 Metern beantragt, um die möglichen Flächen "wie von der Kreisverwaltung empfohlen zu reduzieren", fand aber dafür keine Mehrheit. Was der Fraktion Sturm im Wald sehr häufig passierte, was sie nicht entmutigt: "Wir gehen trotz allem davon aus, dass am Ende des Verfahrens nicht viel dabei rauskommen wird."
In der Sache hart, aber im Ton okay, wertete Bürgermeister Häfner die Diskussion: "Es war nicht mehr so verbissen wie in der Vergangenheit, der Umgang war ordentlich."Extra

Derzeit gibt es in der Verbandsgemeinde Kelberg zehn Windkraftanlagen: zwei in Boxberg, drei in Beinhausen, eine in Uersfeld, eine in Katz winkel und drei in Lirstal. Bis klar ist, wie viele neue Anlagen entstehen könnten, wird es noch eine Zeit dauern. Die vom Verbandsgemeinderat gefassten Beschlüsse werden nun in die Planung eingearbeitet, dann folgt eine erneute öffentliche Auslage. Dazu können auch die Bürger wieder Stellung nehmen, zudem sollen im Frühjahr weitere Meldungen von Rotmilan- und Schwarzstorch-Horsten überprüft werden. Basierend auf den Erkenntnissen steht dann eine erneute Offenlegung der Unterlagen an. sts