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Feuerwehr im Dauereinsatz

Feuerwehr im Dauereinsatz

Starker Dauerregen hat in der Nacht auf Donnerstag dazu geführt, dass kreisweit Bäche und Flüsse über die Ufer getreten sind, Schlamm und Geröll mit sich gerissen und damit Keller und Straßen geflutet haben. Mehrere Hundert Einsatzkräfte und freiwillige Helfer waren im Dauereinsatz. Am schlimmsten betroffen waren Neroth, Rengen und Daun, wo ein Baukran umzustürzen drohte.

Daun/Gerolstein. Voll gelaufene Keller in vielen Orten, darunter Kradenbach, Dreis-Brück, Pelm und besonders Neroth, ein drohender Hangrutsch im Hillesheimer Stadtteil Niederbettingen, überflutete und gesperrte Straßen, lange Staus in und um Daun: Das Unwetter von Mittwoch auf Donnerstag hat Teile des Kreises Vulkaneifel voll erwischt und sorgte unter anderem für Polizei, Feuerwehren, Mitarbeiter der Straßenmeistereien sowie Hauseigentümer und freiwillige Helfer für arbeitsreiche Stunden bis in den späten Donnerstag-Vormittag. Einen besonderen Einsatz gab es für ein Team des Technischen Hilfswerks: Es musste im Dauner Stadtteil Rengen einen Autofahrer aus einer vollgelaufenen Unterführung befreien - mit Erfolg.
Das Wasser unterspülte auch einen Kran, der am Kreisverkehr B 257/L 46 in Daun steht und umzustürzen drohte. Dort wird derzeit eine Brücke modernisiert. Mitarbeiter der Bau- und der Kranfirma waren bereits am Mittwochabend vor Ort, um das Schlimmste zu verhindern. Mit Beton wurde das schwere Gerät gesichert. Die Vollsperrungen der Umgehungsstraße in Daun und der L 46 Richtung Kelberg, die bis gegen Mittag dauerten, sorgten für chaotische Verkehrsverhältnisse in der Kreisstadt.
Betroffen von den Überflutungen war auch das Gebäude der Caritas in der Mehrener Straße in Daun. Kurz vor Mitternacht habe die Polizei darüber informiert, dass der Parkplatz überschwemmt sei, berichtet Geschäftsstellenleiter Andreas Röterting. In der Nähe wohnende Mitarbeiterinnen seien gebeten worden, die Dienstfahrzeuge wegzufahren. Sonstige Schäden? "Glücklicherweise ist der Computerserver-Raum unbeschadet geblieben. Aber die Böden im Kellergeschoss müssen raus." Angesichts der Unwetterwarnung wurden die Dienstautos vorsichtshalber an einen sicheren Platz gefahren.Gut 100 Wehrleute dabei

 Der Kran in der Gartenstraße in Daun drohte umzustürzen.
Der Kran in der Gartenstraße in Daun drohte umzustürzen. Foto: (e_daun )
 20 Ladungen Schotter entsorgen die Wehrleute vom Dorfplatz in Neroth.
20 Ladungen Schotter entsorgen die Wehrleute vom Dorfplatz in Neroth. Foto: (e_gero )
 Mitarbeiter des Landesbetriebs Mobilität machen Gräben an der Landesstraße 46 bei Daun frei, damit das Wasser ablaufen kann.
Mitarbeiter des Landesbetriebs Mobilität machen Gräben an der Landesstraße 46 bei Daun frei, damit das Wasser ablaufen kann. Foto: (e_daun )
 Der Parkplatz des Caritas-Gebäudes in Daun wird gesäubert. Er liegt direkt an der Lieser und wurde in der Nacht überschwemmt.
Der Parkplatz des Caritas-Gebäudes in Daun wird gesäubert. Er liegt direkt an der Lieser und wurde in der Nacht überschwemmt. Foto: (e_daun )


Besonders hart getroffen hat es Neroth, wo alleine mehr als 100 Wehrleute von sechs Wehren im Einsatz waren. Rund drei Dutzend Keller sind von Schlammbrühe geflutet worden - darunter alle Häuser in der Hauptstraße am Ortsausgang in Richtung Oberstadtfeld. Die braune Brühe drückte sich aus dem Bett des Enzbachs, der sich an Brücken und Einlaufgittern wegen Treibguts zurückstaute. Die hinter den Häusern verlaufende Kleine Kyll wurde in der Nacht laut Ortsbürgermeister Egon Schommers zur großen Kyll. Die Wassermassen erzeugten eine Seenplatte, die Straße und Vorgärten einnahm.
Betroffen davon war auch Anwohner Ewald Blum. Er sagt: "Das Wasser kam von allen Seiten. Irgendwann weißt du nicht mehr, wo du hin und was du tun sollst." Auch sein Keller lief voll. Das Ausmaß? Noch unklar. "Hauptsache, die Öltanks waren hoch abgemauert. Ansonsten ist halt nass geworden, was so im Keller steht: Lebensmittel, Möbel und so weiter", berichtet Blum.
Den Heizöltanks haben die Wehrleute nach eigenem Bekunden die größte Aufmerksamkeit geschenkt - um ein noch größeres Unglück zu verhindern. "Und das hat auch geklappt", sagt einer der Wehrleute. An einigen Stellen bedurfte es aber gar keines Baches, um für Verwüstungen zu sorgen. In der Heltenbergstraße - an der Mühle sowie weiter oben nahe dem Kindergarten - unterspülten die Wassermassen, die vom Himmel fielen, Feldwege und rissen tonnenweise Geröll mit sich. Straßen und der Dorfplatz zwischen Kirche und Mausefallenmuseum waren davon überzogen. "Wir haben in der Nacht 20 Traktoranhänger mit Schutt weggeschafft", berichtet Neroths Wehrführer Markus Dargel.
Obwohl so manchem Feuerwehrmann, so mancher Feuerwehrfrau nach der arbeitsreichen Nacht die Strapazen anzusehen sind, malochen sie am Vormittag weiter. Dargel bringt es auf den Punkt: "Wir müssen erst noch die Ablaufschächte, die jetzt voller Geröll sind, leeren, denn ansonsten haben wir beim nächsten Regen sofort wieder ein großes Problem." Und der ist bereits vorhergesagt.

Weitere Informationen zum Unwetter in der Region auf Seite 8
Weitere Fotos unter: www.volksfreund.de