Fliegerhorst Büchel steht harte Protestwoche bevor

Demonstration : Margot Käßmann will in Büchel mit Predigt zum Dialog aufrufen

Bekannte Theologin kommt in die Eifel. Dem Fliegerhorst steht weitere Protestwoche bevor.

Schulferien, kein Flugbetrieb, Urlaubszeit: Es scheint, als hätten sich die Atomwaffengegner und Friedensaktivisten den für den Standort und die Anwohner verträglichsten Zeitpunkt ausgesucht, um die Proteste am Geschwader auszuweiten.

Und am Sonntag wird eine der größten Aktionen der vergangenen Jahre erwartet. Mindestens 700 Personen sollen am Sonntag nach Büchel kommen, wenn Margot Käßmann, die ehemalige Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende, vor dem Haupttor des Fliegerhorsts eine Predigt hält.

Und in der Woche danach werden wieder sogenannte Go-in-Aktionen, Blockaden und andere Protestformen erwartet.

Die Landesstraße 52 zwischen Alflen und Kreisel wird an diesem und am kommenden Wochenende zeitweise gesperrt, dort werden dann die erwarteten Busse parken, die Aktivisten aus ganz Deutschland nach Büchel bringen.

Die meisten Besucher werden für morgen erwartet, wenn Margot Käßmann dort eine Predigt halten wird. Aufgerufen dazu hat eine Projektgruppe aus mehreren Landeskirchen und der Deutschen Sektion von Pax Christi. Im vergangenen Jahr hatten die Christen ebenfalls einen ökumenischen Gottesdienst vor dem Haupttor abgehalten, damals kamen etwa 500 Gäste.

Es gibt eine Absprache zwischen dem christlichen Aktionsbündnis und anderen Gruppen am Fliegerhorst, dass an diesem Tag keine Go-in- oder Blockadeaktionen stattfinden werden. Blockiert wurde der Fliegerhorst bereits am 28. Juni an allen drei Toren. Etwa 60 Personen der Gruppe „Stopp Ramstein“ kamen nach Büchel, die Polizei löste mit einem größeren Aufgebot die Blockade auf.

Genau solche Aktionen sind zum Beispiel Rudolf Schneiders, dem ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Alflen, ein Dorn im Auge. Vor allem die Belastungen für die Gemeinde stören ihn.

Die Sperrungen, der extrem erhöhte Verkehr im Ort und Behinderungen des öffentlichen Nahverkehrs seien durchaus schwierige Einschränkungen für Anwohner. Dabei habe er „keine Probleme mit den Friedensleuten vor Ort und kirchlichen Aktionen“. Aber es gebe viele Gruppen, denen es nicht um die Sache, sondern um Randale gehe, sagt Schneiders. Die Aktivisten brächten die Anwohner gegen sich auf, zudem seien Washington und Berlin bessere Orte, um gegen Atomwaffen zu protestieren.

Wie sich der Fliegerhorst auf die Demonstrationen vorbereitet, dazu gibt die Bundeswehr keine Auskunft. Klar ist aber, dass momentan in Büchel nur wenig los ist. Am 15. Juli werden die Tornados wieder von Nörvenich nach Büchel verlegt, dann beginnt auch wieder der Regelflugbetrieb, teilt der Standort mit. Am Freitag, 12. Juli, wird der Baufortschritt an der Start- und Landebahn abgenommen. Zudem soll der noch im Bau befindliche neue Zaun sowie eine verstärkte Videoüberwachung am Fliegerhorst Aktivisten davon abhalten, in das Militärgelände einzudringen.

Der Protestplan für die kommenden Tage ist beachtlich. Die IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) und das Netzwerk zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) – beide Friedensnobelpreisträger – werden ein „Bombenballett“ veranstalten, es gibt Workshops zu den Themen Singen, Theater oder Social Media. Zudem werden mehrere Musiker auftreten, am Montag, 8. Juli, findet vor dem Haupttor eine Mahnwache statt.

Vor Ort sind bis zum 14. Juli zudem die „Bürgermeister für den Frieden“, ein internationales Aktionscamp, eine Delegation der US-Friedensbewegung sowie die DKP. Am Freitag und Samstag, 12. und 13. Juli, finden am Haupttor mehrere Konzerte statt.

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